Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Lebhafte Diskussion nach dem Film „Einsame Geburt – Hebammen in Not“ im Waldhornkino in Rottenburg

Der Beruf der Hebamme droht auszusterben

Der Film „Einsame Geburt – Hebammen in Not“ lockte am Donnerstag über 50 Zuschauer ins Waldhornkino. Er befasste sich mit der Frage, ob der Hebammenberuf angesichts immer höherer Versicherungsbeiträge ausstirbt.

05.10.2015
  • Dunja Bernhard

Rottenburg. Rund 6300 Euro zahlen Hebammen, die Hausgeburten anbieten, jährlich an die Berufshaftpflichtversicherung. Vor zehn Jahren war es nicht einmal ein Fünftel der Summe. Ursache für die Erhöhung der Beiträge sei nicht die Zunahme der Schadensfälle, sondern die höheren Schadenssummen, die die Versicherungen zahlen müssten, berichtete der Film.

Viele Hebammen können die finanzielle Belastung nicht mehr stemmen. Zehn Hebammen hörten im Raum Herrenberg-Rottenburg-Tübingen auf, sagte Susanne Locher, Hebamme in Rottenburg, nach dem Film. Eine einvernehmliche Lösung des Problems ist deshalb so schwer, weil mehrere Versicherungen, Verbände und die Politik mitreden. Vertreter der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), einer Haftpflichtversicherung, eines Geburtshauses, des Hebammenverbandes, der Justiz und der Ärzteschaft stellten in dem Film ihre Positionen vor..

Vor einer Woche habe es zu den Verhandlungen zwischen dem Verband der GKV und dem Hebammenverband einen Schiedsspruch gegeben, sagte Locher. Noch sei er nicht niedergeschrieben. Die Auslegungen der Verbände deckten sich bisher nicht. Rückwirkend zum 1. Juli wird es für Hebammen, die mehr als vier Geburten im Jahr betreuen, einen Sicherungszuschlag von 1000 Euro im Quartal geben. Mit diesem Zugeständnis an die Hebammen sind aber Eingriffe in die Entscheidungsfreiheit der Hebammen und werdenden Mütter verbunden. Ein Arztbesuch während der Schwangerschaft soll zwingend vorgeschrieben werden. Ein Risikokatalog legt voraussichtlich künftig fest, für welche Frauen eine Geburt im häuslichen Umfeld in Frage kommt.

Sie sei wütend und enttäuscht über diesen Schiedsspruch, sagte die Tübinger Hebamme Bärbel Abele. Man spreche ihr als Hebamme und den Frauen die Kompetenz ab, für sich entscheiden zu können, was der richtige Weg sei. „Es kann nicht sein, dass die Krankenkasse uns das vorschreibt.“ Ihr wäre es lieber, sie würde weniger Geld bekommen und könnte arbeiten, wie sie es für richtig hält. „Das mit der Versicherung hätten wir irgendwie hingekriegt.“

Es gehe um den Beruf insgesamt, sagte Locher. Sie müssten zum ersten Mal in diesem Jahr Schwangere in ihrer Gemeinschaftspraxis ablehnen, weil die Kapazitäten erschöpft seien. Die Kreißsäle in den Kliniken seien unterbesetzt. Es fehle der Nachwuchs in ihrem Beruf. Vielen sei die Situation zu unsicher und die Verdienstmöglichkeiten zu gering. In Tübingen komme dieses Jahr kein verkürzter Ausbildungskurs für Krankenschwestern zustande, weil die Anmeldezahlen zu gering sind, berichtete eine Zuschauerin.

Der Aufschrei müsse aus der Gesellschaft kommen, sagte Monika Grevenstein. Elke Riehm plädierte dafür, dass das Thema Begleitung in der Schwangerschaft und Hausgeburt Einzug in den Bildungsbereich halte, damit ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinde. Eine Geburt im häuslichen Umfeld sei ein gutes Fundament für ein Kind.

Eine Geburt sei ein körperlicher Vorgang, der in der Regel laufe, sagte Hebamme Abele. „Der emotionale Bereich braucht Aufmerksamkeit.“ Eine Zuschauerin sagte, dass es für Frauen mit Gewalterfahrungen undenkbar sein könnte, in eine Klinik zu gehen – sich sozusagen in fremde Hände zu begeben. Zur Hausgeburt kommt ist die vertraute Hebamme.

„Wir ändern unseren Stil nicht“, sagte die Rottenburger Hebamme Janice Hill. Sie hätten die Wissenschaft auf ihrer Seite. „Die Eins-zu-eins-Betreuung ist der Weg zum Erfolg in der Geburtshilfe.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

05.10.2015, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular