Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden

Der Bauhausstil V2

Videoplayer konnte nicht geladen werden.

Faszination und Gesamtkunstwerk in Einem

Der Bauhausstil

Es gibt kaum einen Baustil, der so schlicht und dennoch so aussagekräftig wirkt, wie der Bauhausstil. Bis heute steht er für kühne, rationale und vor allem funktionale Entwürfe, sowohl in der Architektur als auch in Kunst und Design. Noch in der Gegenwart wirkt diese „coole“ Ästhetik modern und wirkt ausgesprochen klar und schön. Damalige Zeitgenossen, die erstmals einen Blick auf die Häuser und Bauhaus-Gegenstände warfen, waren dagegen eher geschockt und lehnten den sachlichen Stil ab.

03.12.2015
  • Markus Müller

Die Geschichte des Bauhauses ist gegensätzlich

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beginnt die Geschichte des Bauhausstils. Das wirtschaftlich aufstrebende Deutschland löst Großbritannien als Industriemacht in Europa ab, wobei allerdings eine große Anzahl industrieller Produktionsweisen und handwerklicher Verfahren von der Insel mit übernommen werden. Sogar die preußischen Kunstgewerbeschulen, die bis dato eigentlich eher dem Künstlerischen zugewandt und ausschließlich in diese Richtung orientiert waren, griffen die Thematik des Baustils aus England auf und erweiterten entsprechend ihre Werkstätten.

Die Kunstgewerbeschulen in Düsseldorf und Weimar werden von angesagten Künstlern wie Peter Behrens und Henry van de Velde übernommen. Allgemein wird erkannt, dass gut und modern geformte Industriegüter durchaus einen enormen Wirtschaftsfaktor für die gesamte Branche bedeuten können. Man macht sich allerorts auf die Suche nach einem prägnanten Stil, der die deutsche Vormachtstellung auf dem gesamten europäischen Markt für Handwerk und Kunst zur Geltung bringen soll.

Eine dieser Bewegungen, die sich dabei gründet, ist der „Deutsche Werkbund„ der 1907 in München gegründet wird. Sein Ziel ist der Zusammenschluss von Kunst, Industrie und Handwerk, um so eine einheitliche Stilsprache zu formen, die für alle Bereiche einheitlich zur Anwendung kommen und deren designtechnische Aussage transportieren soll. Renommierte und große deutsche Firmen wie

Bahlsen

AEG

Siemens

 

sind die ersten Kunden des Werkbundes und lassen ab diesem Zeitpunkt die gesamte Produktpalette sowie die Architektur der Firmengebäude und Niederlassungen von den Künstlern des Werkbundes entwerfen und umsetzen. Auch heute existiert der Deutsche Werkbund übrigens noch und dient als Bund für Gestalter, Engagierte, Selbständige und Unternehmen – unterschiedlichste Themen wie Design, Kunst, Denkmalpflege, Energie, Landschaft oder Wohnen stehen dabei im Fokus.

Vorkriegszeit zeigt den Vorläufer des Bauhauses

Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist nicht nur wirtschaftlich äußerst schwierig, sondern es bildet sich ein stark nationales Selbstbewusstsein in Deutschland. Damit formieren sich auch kulturkritische Gegenbewegungen mit Reformgedanken, wobei der einflussreichste und bedeutendste dieser Vordenker wohl der damals noch junge Walter Gropius ist. Er macht sich bereits damals einen Namen als Architekt von wagemutigen und modernen Bauten und verfasst entsprechende theoretische Schriften. Noch an der Front macht er sich Gedanken, die er in Vorschlägen ausarbeitet, um eine moderne Lehranstalt zu gründen. Dazu fordert er einen radikalen intellektuellen Frontwechsel. Dem Werkbund, dem er seit 1912 angehört, hingegen spricht er seine Daseinsberechtigung ab und erklärt ihn bereits zu diesem Zeitpunkt für tot.

In der unmittelbar ersten Phase nach dem Ende des Weltkrieges wird er Nachfolger von Henry van de Velde und erhält den Auftrag, die Großherzoglich-Sächsische Hochschule für Bildende Künste zu leiten. Diese Chance nutzt er dazu, um innerhalb kürzester Zeit die modernste und zugleich umstrittenste Kunstschule der späten 1920er Jahre zu gründen. Der Name ist bis heute bekannt: es handelte sich um das „Staatliche Bauhaus in Weimar„.

Der Lehrplan war revolutionär

1919 verkündete Gropius in einem Manifest seine Hauptziele für die Schule:

„Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau!“

Alle Bereiche, die damit in Zusammenhang standen wie etwa die Architektur, die Bildhauerei und die Malerei sollten zum absoluten Ursprung, dem Handwerk, zurückgeführt werden. Nur so konnte nach Meinung von Gropius der gemeinsame vollkommene Bau der Zukunft gestaltet werden. Er machte dabei keinen Unterschied zwischen Künstler und Handwerker.

Und so wurde der Name Bauhaus zum Synonym für ein Gesamtkonzept am Bau, wobei der Name einfach als Anlehnung an die Bauhütten der mittelalterlichen Kathedralen, in denen bereits damals Kunst und Handwerk verschmolzen waren, gedacht war. Dies war auch der Grund, warum die Schüler von Gropius in erster Linie in einem Vorkurs die Beschaffenheit sämtlicher Materialien und das Zusammenspiel von Farben und Formen

erlernen und mit ihnen vertraut gemacht werden sollten. Diesen Vorkurs leiteten namhafte Künstler wie der Maler Johannes Itten oder aber sein berühmter Kollege WassilyKandinsky und Paul Klee.

Nach Theorie erfolgt Praxis

Nachdem die Studenten die Vorlehre abgeschlossen hatten, erfolgte der praktische Teil der Ausbildung. Und zwar in den funktional ausgerichteten Bauhaus-Werkstätten, die in den Bereichen

• Metall

• Weberei

• Keramik

• Möbel

• Typographie

• Wandmalerei

stattfanden. Die Studierenden konnten ihren Schwerpunkt selbst wählen, wobei sie in jedem Bereich jeweils von einem Künstler und einem Handwerksmeister unterrichtet wurden. Nur so konnten sie, nach Meinung von Gropius, die direkte Verbindung zwischen Handwerk und künstlerische Gestaltung erkennen und umsetzen lernen. 1927 wurde eine Architekturklasse eingerichtet, um den Studenten von Anfang an die Mitarbeit an diversen Bauprojekten des modernen Baustils zu ermöglichen.

Aus dem praktischen Teil der Ausbildung entstanden bald erste Prototypen für Möbel und Gebrauchsgegenstände, wobei 1925 die Bauhaus GmbH gegründet wurde, die auch die industrielle Massenproduktion dieser Artikel ermöglichte.

Neben der Gestaltung dieser Gegenstände entwickelte sich auch ein typischer Baustil, der tatsächlich architektonisch umgesetzt wurde und bis heute unbestritten zu den beliebtesten Hausformen zählt. Im Mittelpunkt steht dabei die schlichte und einfache Form, die damals wie heute quasi eine gestalterische Revolution darstellt. Diese ordnet sich dabei komplett der Funktionalität unter. Neben dem typischen Gebäudeformen sind bis heute vor allem der Freischwinger-Stuhl, die Wagenfeld-Lampe sowie die Bauhaustapete zu erwähnen.

Auch in anderen, weniger bekannten Bereichen ist der Bauhaus-Stil ein echter Wegweiser für die Zukunft und zwar damals wie heute: Unter Oskar Schlemmer wurden neue Darstellungsformen im Theater entworfen, während für die Fotografie-Abteilung der Ungar Laszlo Moholy-Nagy als Wegweiser für experimentelle Fotografie steht.

Die Architektur als Gesamtkunstwerk

Herzstück des Bauhaus-Stils ist einfach die Zusammenführung aller Künste, um das Gebäude der Zukunft zu errichten und zu gestalten. Auch heute noch gilt diese Vorstellung als aktuell und wird nach wie vor in unterschiedlichsten Kunstformen ausgelebt – derzeit ist dies auch im Vitra Design Museum zu bestaunen, wo eine groß angelegte Ausstellung mit dem verheißungsvollen Titel „Das Bauhaus #allesistdesign“ präsentiert wird. Über die genauen Details und Inhalte der Veranstaltung berichtete bereits smow. Eindrucksvollste Beispiele für diesen Stil sind das Lehrgebäude und die Meisterhäuser in Dessau, die von Walter Gropius 1926 entworfen und gebaut wurden. In den 1920er Jahren wurden aber auch zahlreiche Einzelhäuser wie etwa das Versuchshaus „Haus am Horn“ von Studierenden und Lehrmeistern errichtet.

Den Durchbruch und damit einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde der Bauhaus-Stil dank des Baus von sozialen Wohnungen. Die Weimarer Republik ist geprägt von der Wohnungsfrage für einkommensschwache Gruppen. Die umgesetzten Projekte des damaligen sozialen Wohnbaus wurden vielfach bestaunt und immer wieder bewundert. Musterexemplar dafür sind unter anderem der Weißenhof in Stuttgart oder der Dammerstock in Karlsruhe. In Frankfurt wird damals bereits in industrieller Plattenbauweise gebaut, wobei vorgefertigte genormte Bauteile auf den Baustellen einfach zusammengesetzt werden und so Gebäude entstehen.

Auch nach den Kriegswirren ging die Entwicklung des Bauhauses weiter. Verantwortlich dafür war der Ungar Laszlo Moholy-Nagy, der 1937 das „New Bauhaus“ gründete. Daraus ging nur zwei Jahre später die „School of Design“ hervor, die sich noch heute an dem ganzheitlichen Prinzip des Bauhauses orientiert. Der Schwerpunkt liegt allerdings heutzutage mehr auf dem Gebiet der Fotografie.

Auch Walter Gropius und bekannte Architekten wie Ludwig Mies van der Rohe machten sich in den USA einen Namen. Die von ihnen errichteten Bauwerke gelten bis heute als Inbegriff moderner Architektur, wobei sich die gestalterischen Prinzipien des Bauhauses sowohl international als auch national gegenüber sämtlichen Gegenbewegungen durchsetzen konnten.

Cubus – Bauhausstil im 21. Jahrhundert

Wer sich heute in der bebauten Wohnlandschaft umsieht, wird viele Gebäude in quadratischer Form mit klaren Linienverhältnissen finden. Dieser Stil entspricht weitgehend dem traditionellen Bauhausstil, wenn auch etwas moderner abgewandelt. Experten sprechen vom sogenannten Cubus-Stil, der quadratische bzw. rechteckige klare Baustil, der nur sehr selten Rundungen vorsieht. Seit dem Jahre 2000 ist dieser neue Bauhausstil stark im Kommen. Große Fensterflächen, die im ursprünglichen Stil des Bauhauses noch nicht so üblich waren, prägen nun die Bauten und verleihen den Räumen viel Größe. Interessante Varianten ergeben sich außerdem, wenn auf ebenerdigen Baukörpern im Winkel von 90 Grad zusätzliche Baukörper aufgesetzt wurden. Damit entstanden futuristisch anmutende Bauwerke, die durch große Räume und viel Lichteinfall im Inneren geprägt sind.

Der Bauhausstil ist einfach erkennbar

Wer sich jetzt fragt, woran man den Bauhausstil erkennt, der erhält diese drei Punkte als Antwort:

• An der Form

• An der Farbe

• Am Material

Die Form ist klar erkennbar, denn ein Gebäude im Bauhaus-Stil hat meist eine kubische Form und ist mit einem Flachdach ausgestattet. Typisch ist der „Glasvorhang“ entlang der Fassade. Dieser entsteht, weil die Stützen des Hauses nach innen verlegt werden, womit viel mehr Glas als zuvor verwendet werden kann. Typisch für diesen Baustil ist auch das Fenster, das meist übers Eck geht. Ein Musterbeispiel für ein Gebäude im Bauhaus-Stil ist das von Fagus Gropius in Alfeld, das bereits 1911 fertig gestellt wurde und als erster Industriebau im Bauhausstil gilt.

Auch die Farbe bei Häusern im Bauhaus-Stil ist typisch. Denn die Grundfarben sind Rot, Gelb oder Blau, manchmal auch Schwarz und Weiß. Die Maler Kandinsky und Klee verwendeten vor allem für die Innenräume kräftige intensive Farben. Die Möbel für die Einrichtung wurden meist aus geometrischen Formen entwickelt.

Was die Materialfrage betrifft, so verwendet der Bauhaus-Stil viele neue Materialien. Dies entwickelte unter anderem den Fertigteil-Hausbau entscheidend mit. Neben dem traditionellen Zement und Beton bzw. Ziegeln wurden entsprechende Platten aus Rigips und anderen Materialien entwickelt. Auch Stahl kam beim Hausbau nun vermehrt zum Einsatz, wobei dieser in Kombination mit Stahlbeton verbaut wurde. Die Bauweise gründete sich auf der neu entwickelten Skelettbauweise, was nichts anderes bedeutete, als dass zuerst eine Konstruktion aus Stahl oder Stahlbeton aufgestellt und errichtet wurde. Anschließend wurde das Ganze mit der Fassade, die häufig aus Glas oder Beton und Ziegeln bestand, ummantelt. Die Glasvorhangfassade gilt noch heute als typisches Element für den Bau im Bauhaus-Stil.

In Sachen Möbeln griffen die Designer des Bauhauses vor allem zum Stahlrohr, aber auch Chrom und Aluminium wurde eingesetzt. Die Devise lautete hier: Metall statt Holz, manchmal griff man auch zu Kunststoff in kräftigen Farben.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

03.12.2015, 09:11 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular