Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Rock

„Der Bauch sagt: Knall!“

Die schwedische Band Mando Diao kehrt zu ihren rockigen Wurzeln zurück. Und kommt mit dem Album „Bang“ auf Tour nach Deutschland.

24.08.2019

Von CLAUDIA REICHERTER

Bandfoto Mando Diao. Die schwedische Band veröffentlicht von Ende August an neue Singles, und am 18. Oktober ihr neuntes Studioalbum "Bang", erstmals auf dem Indie-Label Playground Music Foto: Viktor Flumé

Hamburg. Mando Diao mögen das deutsche Publikum. Das sei treu, gehe gut ab und zeige Respekt. Ob die schwedische Band nun, bevor sie so richtig bekannt wurde, mal in der Ulmer Pufferbar gespielt hat, vermag Carl Johan Fogelklou nicht zu sagen. Aber der Name klinge vertraut. Definitiv waren sie 2004 auf dem Dornstadter Obstwiesenfestival, zuletzt tourten sie durch China, überraschten ihre Fans zwei Jahre nach „Good Times“ mit der Ankündigung eines neuen Albums und kommen im Herbst wieder in deutschsprachige Gefilde. Schon jetzt hatten wir den Bassisten am Telefon – an seinem 39. Geburtstag.

Sie haben gerade erst die Plattenfirma gewechselt. Wo ist „Bang“ entstanden?

Carl Johan Fogelklou: Wir spielten den Großteil der Platte in Malmö ein, den Rest in unseren jeweiligen Homestudios. Und einen Part in Borlänge, wo wir herkommen .

Warum der Titel „Bang“?

Weil es sich gerade so anfühlt. Wie ein Donnerschlag, ein Knall. Ganz simpel.

Auf der Platte ist auch ein Song, der heißt „Bang Your Head“ . . .

Mit dem ging es los. Erst wollten wir das ganze Album „Bang Your Head“ nennen, aber dann war uns das zu viel und wir behielten nur das „Bang“.

Zu viel inwiefern?

Weil es nicht so ganz nach Heavy-Metal-Band klingen sollte.

Insbesondere „Society“ ist sehr politisch, spricht davon, die Gesellschaft zu verändern. Was würden Sie ändern, wenn Sie die Macht hätten?

Erstmal die Einstellung zur Umwelt, dass wir uns um die Natur kümmern statt sie zu zerstören. Dann, dass wir keine Angst vor Menschen haben, die aus anderen Ländern zu uns kommen, dass wir jeden freundlich behandeln. Und schließlich, dass es keine Benachteiligung von Frauen mehr gibt. Das sind wirklich wichtige Dinge. Der Song stellt Fragen an jeden, der ihn hört, an dich und an mich. Wann werden wir uns dazu aufraffen, werden wir die Gesellschaft verändern? Wird das jemals zu bewerkstelligen sein?

Es ist auch ein Knaller, dass Sie das alles so offen ansprechen.

Das Problem ist, dass es in der Gesellschaft sehr wohl sehr viele Veränderungen gibt, andauernd. Aber nicht immer zum Besseren. Diese seltsamen politischen Bewegungen mit Parteien, die in allen möglichen Ländern an den rechten Rand wandern, die stellen natürlich eine beträchtliche Veränderung dar. Aber sie wollen Immigration verhindern und das ist schrecklich. Wir wollen nicht Veränderungen zum Schlechten, sondern einen positiven Wandel der Gesellschaft.

Glauben Sie, dass Rockmusik in dieser Hinsicht etwas bewirken kann?

Mit Musik und Kunst, zumindest wenn sie kommerziell sind, lassen sich Samen in die Köpfe der Menschen streuen. Damit können wir einen Unterschied machen. Aber ich glaube nicht wie David Hasselhoff, dass ein Rocksong die Welt verändern kann.

Wäre der ein Vorbild?

Sicher, The Hoff, wie wir ihn nennen, und John Lennon, diese großen politischen Leitbilder in der Musikgeschichte…

Das gibt eine schöne Schlagzeile: Mando Diao verehren The Hoff...

Mhm. Okay. Dann müsste ich Sie töten (lacht).

Da wären wir wieder bei „Bang!“ – ein Knall ist ja immer laut. So klingen auch weite Teile des neuen Albums. Andere sind sehr melodisch. Was war Ihr musikalisches Ziel?

Unserem Bauchgefühl zu folgen. Das zu tun, was wir in genau diesem Moment fühlten. Wir wollten, dass die Platte leichter klingt, spielten herum mit der Frage, was kann Rock heute, wie kann Rock für uns klingen? Müssen wir das musikalische Rad einmal mehr neu erfinden? Müssen wir was Extravagantes machen? Nein, wir können auch bloß ein schlichtes Rock'n'Roll-Album machen, das reinhaut und das jeder versteht.

Es heißt heute oft, HipHop sei die einzige Musikrichtung, die etwas zu sagen hat. Ist Rockmusik irrelevant?

Rock'n'Roll ist nicht tot und wird es nie sein. Dasselbe gilt für HipHop. Kein Genre wird je wirklich aussterben. Das ist das Schöne an der Musik: dass jede einzelne Stilrichtung zählt. Ich meine, es gibt in jedem Genre eine Band, die eine klare Haltung vertritt.

Hat HipHop den Rock beeinflusst?

Oh ja, klar, absolut, seit den 70ern schon. HipHop und Soul und Rock gehen alle auf die afroamerikanische Kultur zurück .

Wird es in zehn Jahren immer noch Platten und Touren geben?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Wir werden einfach weiter Musik spielen. Wenn ich damit kein Geld mehr verdienen kann, werde ich Lösch-Pilot!

Oder Präsident der Vereinigten Staaten?

Nee, niemals. Lieber von Kanada.

Das wäre was. Aber jetzt lasse ich Sie zurück zur Geburtstagsfeier. Herzlichen Glückwunsch !

Mando Diao vor Erscheinen ihrer neuen Platte „Bang“ mit Bassist Carl Johan Fogelklou ganz rechts. Foto: Viktor Flumé

Bandfoto Mando Diao. Die schwedische Band veröffentlicht von Ende August an neue Singles, und am 18. Oktober ihr neuntes Studioalbum "Bang", erstmals auf dem Indie-Label Playground Music Foto: Viktor Flumé

Cover von Mando Diaos "Bang", das 9. Studioalbum erscheint am 18. Oktober 2019 Foto: Playground Music

Zum Artikel

Erstellt:
24. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. August 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+