Tarifvertrag

„Der Ball liegt bei den Kirchen“

Mitte September schon wurde der Entwurf eines Tarifvertrags für die Altenpflege zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche vereinbart. Der Vorstandssprecher der BVAP, Gero Kettler, erklärt, warum bislang so wenig geschehen ist.

02.12.2020

Von GUIDO BOHSEM

AWO-Geschäftsführer Gero Kettler. Foto: Arbeitgeberverband AWO Deutschland

Berlin.

Woran hakt es?

Gero Kettler: Natürlich sind viele Heimbetreiber durch die belastende zweite Corona-Welle stark in Anspruch genommen. Und natürlich handelt es sich um ein komplexes Verfahren.

Was steht als nächstes an?

Derzeit liegt der Ball bei Caritas und Diakonie. Doch tun sich Vertreter beider Organisationen schwer damit, die Vereinbarungen auch für ihren Bereich zu akzeptieren. Die Betreiber müssen über einen langen und großen Schatten springen. Ich habe Verständnis dafür, dass ihnen das nicht leichtfällt.

Warum brauchen Sie die kirchlichen Arbeitgeber überhaupt?

Die kirchlichen Verbände haben eine starke Position unter den Betreibern von Pflegeheimen, und sie haben eine eigene Art, ihre Arbeitsbedingungen zu gestalten. Deshalb wollen wir sie mit im Boot haben und deshalb haben wir sie bei einer Anhörung Mitte Oktober über die Inhalte des Vertragsentwurfs informiert. Sie haben nun die Möglichkeit, mit uns über Punkte des Entwurfs in Verhandlungen zu treten.

Das zieht sich lange hin…

Tatsächlich sollte eine Antwort innerhalb von zweieinhalb Monaten möglich sein. Wir haben inzwischen einmal nachgefragt und sind zuversichtlich, dass eine Stellungnahme der beiden Organisationen bis Ende des Jahres vorliegen kann.

Kann Heil den Tarifvertrag nicht auch so einsetzen?

Das wäre sehr schwierig. Ich hielte es aber für besser, wenn wir vorher eine gemeinsame Lösung erarbeiten können. Wenn man eine solche Regelung allgemeinverbindlich erklärt, sollte man die kirchlichen Träger vorher fragen, was sie davon halten.

Bleiben Sie im Zeitplan?

Ich will offen sein für die Vorschläge, aber ich glaube, dass wir es schaffen, den Tarifvertrag zum 1. Juli 2021 umgesetzt zu haben.

Und die Privaten?

Ich glaube, dass es in ihrem eigenen Interesse liegt, diesen Tarifvertrag mit zu tragen. Denn nur mit Aussicht auf eine gute und geregelte Bezahlung schaffen wir es, die jungen Menschen für die Pflege zu gewinnen.

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Erstellt:
2. Dezember 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Dezember 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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