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Ermittlungen

Der Attentäter von London

Khalid Masood heißt der Mann, der in der britischen Hauptstadt ein Blutbad angerichtet hat. Zahlreiche Details zu dem 52-Jährigen sind inzwischen veröffentlicht. Der Polizei war er seit Jahren bekannt.

24.03.2017
  • HENDRIK BEBBER

London. Premierministerin Theresa May deutete wegen der „laufenden Ermittlungen“ gestern zunächst nur vage an, wer der Attentäter von London ist. Die Polizei aber machte wenig später nähere Angaben: Der erschossene Angreifer war demnach der 52-jährige Khalid Masood. Der südöstlich von London in Kent geborene Mann verwendete mehrere Decknamen und war seit Jahren polizeibekannt. Zuletzt lebte er vermutlich in Mittelengland.

Masood wurde mehrfach verurteilt: wegen gewalttätiger Übergriffe, schwerer Körperverletzung, unerlaubten Waffenbesitzes und Störung der öffentlichen Ordnung. „Seine erste Verurteilung war im Jahr 1983 wegen Sachbeschädigung, die letzte 2003 wegen unerlaubten Besitzes eines Messers“, teilte die Polizei mit.

Dass Masood trotzdem zuschlagen konnte, könnte nach Ansicht des Terrorismusforschers Peter Neumann daran liegen, dass der Anschlag mit einfachsten Mitteln ausgeführt wurde.

Masood raste am Mittwoch in einem Auto in Passanten auf der Westminster-Brücke. Er fuhr wenige hundert Meter weiter und krachte mit dem grauen Hyundai i40 in den Zaun des Parlamentsgebäudes. Danach sprang er aus dem Wagen und lief bewaffnet auf das Gelände des Parlaments. Dort stach Masood einen unbewaffneten Polizisten nieder. Anschließend wurde er von einem anderen Beamten erschossen.

Masood hatte den als Waffe genutzten Wagen nach Angaben des Autoverleihers Enterprise in Birmingham geliehen. Dabei habe er als Beruf Lehrer angegeben, berichtete die BBC.

Erkenntnisse über einen solchen Anschlagsplan Masoods lagen den Behörden nicht vor. Theresa May sagte, der Attentäter sei wegen „gewalttätigem Extremismus“ ins Visier der Ermittler geraten, sei aber als Randfigur betrachtet worden. Die Regierungschefin sprach von einem „Einzeltäter“, obwohl in der Nacht nach dem Anschlag Razzien stattfanden und acht Personen in Birmingham sowie London verhaftet wurden.

Sicherheitsanalytiker halten solche „einsamen Wölfe“ wie Masood für das größte Risiko von Terroranschlägen. Vermutlich gehört der Attentäter zum gleichen Personenkreis wie Abdul Patel. Dieser war gerade 17 Jahre alt, als die Polizei ihn in seinem Schlafzimmer im Reihenhaus in dem Ost-Londoner Stadtteil Clapton verhaftete. Unter seinem Bett entdeckten die Fahnder zwei Kisten. Sie enthielten ein Handbuch zur Herstellung von Bomben, Propagandaschriften der Taliban und ein Tonband mit einer Rede von Osama bin Laden. Dafür bekam er sechs Monate Gefängnis. Patel ist anscheinend kein Einzelfall: „Terroristen konzentrieren sich methodisch auf Jugendliche und Kinder in unserem Land“, warnte der Ex-Geheimdienstchef Jonathan Evans „Sie radikalisieren schutzlose junge Menschen, indoktrinieren und trainieren sie für terroristische Anschläge weltweit.“

Das Internet dient den Terror-Lehrlingen als Landkarte für ihren Irrweg. Die überwiegende Zahl der 1,6 Millionen britischer Muslime tritt entschieden gegen den Terror ein. Doch das hinderte hunderte britischer Jugendlicher nicht daran, sich in Syrien und im Irak den Mordmilizen des „Islamischen Staates“ anzuschließen. Diese beansprucht nun den Londoner Attentäter als ihren „Soldaten“.

Nach dessen Tod gelobte Theresa May gestern im Parlament, den Abwehrkampf gegen den Terror zu verstärken. Dazu würden die finanziellen Mittel für Polizei und Sicherheitsdienste um 30 Prozent angehoben. Über die nächsten fünf Jahre will Großbritannien an die drei Milliarden Euro in den Ausbau seiner Sicherheitsdienste im In- und Ausland stecken. In diesem Rahmen würden zusätzlich noch einmal 1900 Mitarbeiter eingestellt. Seit dem Jahr 2013 seien 13 terroristische Anschläge von den Sicherheitskräften in Großbritannien verhindert worden. (mit dpa)

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24.03.2017, 06:00 Uhr
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