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Der Anteil der ADHS-Diagnosen bei Kindern ist gestiegen, doch die Ärzte werden vorsichtiger
Hilfreich kann es sein, die PC-Zeiten für Kinder einzuschränken und den Nachwuchs zu Aktivitäten im Freien zu ermuntern. Foto: dpa
Unaufmerksam, zappelig

Der Anteil der ADHS-Diagnosen bei Kindern ist gestiegen, doch die Ärzte werden vorsichtiger

Angeblich leiden mindestens 300 000 Kinder in Deutschland unter der Krankheit ADHS. Doch die Grenzen sind schwer zu ziehen.

16.08.2016
  • DPA

Berlin. Kinder, die sich kaum länger konzentrieren können, ständig unruhig oder abwesend sind: Die Anzeichen für ADHS, eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, können sehr unterschiedlich sein. Das Wissenschaftliche Institut der AOK hat neue Zahlen dazu vorgelegt. Fragen und Antworten:

Ist das Kind nur auffällig oder krank? Die Ursachen für ADHS sind noch nicht vollständig geklärt. Die Grenze lässt sich kaum genau ziehen, zumal sich das Verhalten von Kind zu Kind unterscheidet. Für eine tatsächliche Erkrankung können genetische Faktoren, aber auch Einflüsse wie Nikotin-, Alkohol- und Medikamentenkonsum der Mutter in der Schwangerschaft eine Rolle spielen.

Wie macht sich das bemerkbar? Offenbar ist bei einer Erkrankung die Informationsverarbeitung im Gehirn gestört. Den Kindern gelingt es nur schwer, Aufmerksamkeit, Aktivität und Gefühle zu kontrollieren. Das Kind ist sehr leicht ablenkbar, bricht zum Beispiel Spiele ab, bevor es sie zu Ende gebracht hat. Es kann sich nur schlecht konzentrieren und scheint nie richtig zuzuhören. Das Kind läuft oder zappelt sehr viel, wirkt ständig wie aufgezogen. Das Kind wird beispielsweise unvermittelt jähzornig und fügt sich in Schule oder Kindergarten schlecht ein.

Wann muss man reagieren? In der Regel kann man die ersten Anzeichen für eine ADHS bereits im Kleinkindalter beobachten, im Alter von fünf bis sechs Jahren sind sie deutlich erkennbar. Beeinträchtigen diese Symptome das Zusammenleben in mehr als einem Lebensbereich wie in Familie und Kindergarten und bestehen sie länger als sechs Monate, dann sollte medizinisch abgeklärt werden, ob eine ADHS die Ursache sein könnte.

Hat der Anteil der ADHS-Diagnosen bei Kindern zugenommen? Laut Auswertung der über die AOK versicherten Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren ja. Zuletzt allerdings nur leicht: von 2013 auf 2014 von 4,3 auf 4,4 Prozent. 2006 waren es erst 2,5 Prozent. Bei Jungen wurde 2014 mit 6,4 Prozent deutlich mehr ADHS diagnostiziert als bei Mädchen mit 2,2 Prozent. Dabei wurden nur in den Akten gesicherte Diagnosen berücksichtigt, die der Arzt in mindestens zwei Quartalen pro Jahr erfasst hat. Die steigende Rate könnte darauf hindeuten, dass der Erkrankung heute mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Zahl der ADHS-Kinder in Deutschland wurde vor drei Jahren auf mindestens 300 000 geschätzt. Das seien etwa 4 Prozent gewesen.

Wie genau sind die Diagnosen? In den vergangenen Jahren sind Ärzte vorsichtiger geworden, sich auf eine ADHS-Diagnose festzulegen. So erhalten jünger eingeschulte Kinder häufiger eine ADHS-Diagnose als ältere. Zum Teil lag dies daran, dass die jüngsten Kinder einer Klasse mit älteren Mitschülern verglichen wurden. Weil etwa Unaufmerksamkeit bei den Jüngeren stärker ausgeprägt ist, wurde dieses Verhalten im Vergleich mit älteren Kindern möglicherweise als ADHS interpretiert.

Kann man die Krankheit mit Medikamenten behandeln?

Die Ärzte sind zurückhaltender geworden mit Medikamenten, so genannten Psychostimulanzien wie Ritalin. Bis 2008 war die Verabreichung solcher Medikamente deutlich gestiegen. Heute dürfen solche Medikamente nur Fachleute für kindliche Verhaltensstörungen verordnen.

Was können nun Eltern tun?

Eltern sollten auf klar strukturierte Abläufe achten, sich konsequent verhalten und das Selbstbewusstsein ihres Kindes stärken. Studien zeigen, dass es hilfreich sein kann, Fernseh- und PC-Zeiten der Kinder einzuschränken und sie zu Aktivitäten im Freien oder Sport zu ermuntern. Elterntrainings können die familiäre Situation entschärfen.

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16.08.2016, 06:00 Uhr
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