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Design

Der Allround-Gestalter

Das Museum für Angewandte Kunst in Köln würdigt den vor 150 Jahren geborenen Peter Behrens. Im Büro des unermüdlichen Schöpfers hospitierten spätere Bauhausgrößen.

13.04.2018

Von ULRICH TRAUB

Köln. Eine seiner bekanntesten Schöpfungen verschwindet zur Zeit aus dem öffentlichen Raum: die lächelnde, goldene Kaiser?s-Kaffeekanne auf rotem Grund. Andere Arbeiten des rastlosen Gestalters Peter Behrens, vor allem seine Architektur gewordenen Ideen, sind dagegen bis heute beredte Zeugen seines einflussreichen Wirkens.

Peter Behrens war ein breit begabter Allround-Gestalter, der vor keiner Aufgabe zurückschreckte und „im Übrigen Autodidakt“ war, wie er einmal bemerkte. Der 1868 in Hamburg geborene Künstler entwarf so ziemlich alles – von der Brosche über die Kleiderbürste bis zur Tischdecke, von der Gartenanlage bis zur Wohnsiedlung. Behrens gestaltete Bucheinbände, Plakate und Schriftarten. Anlässlich seines 150. Geburtstages am 14. April zeigt das Museum für Angewandte Kunst in Köln die Ausstellung „#alleskönner“. Museen in Krefeld und Oberhausen werden in den nächsten Wochen folgen.

Jedes Detail selbst entworfen

Die frühesten der 220 Exponate der Kölner Schau, die in acht Themenräumen vor allem die Anfangszeit dokumentiert, sind vom Impressionismus beeinflusste Gemälde und selbst gedruckte Farbholzschnitte. Behrens hatte an den Kunstakademien in Karlsruhe, Düsseldorf und München studiert. Dass er sich schnell von ersten Einflüssen und der das Werk zunächst prägenden Jugendstil-Ornamentik löste – sein Bild „Der Kuss“ ist eine Ikone dieser Stilrichtung –, ist Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung.

Bereits 1901 sorgte der Künstler mit seinem „Haus Behrens“ auf der Darmstädter Mathildenhöhe für Furore. Jugendstil-Zitate sind noch vorhanden, doch das Formenvokabular der Zukunft ist bereits angelegt: „Geometrisierung der Formen und Flächen und die Monumentalisierung der Erscheinung“, liest man im Werkbundarchiv.

Auch jedes Detail der Inneneinrichtung hatte Behrens selbst entworfen. Alle Lebensbereiche sollten künstlerisch durchdrungen werden. „Ihm ging es bei allem, was er tat, darum, guten Geschmack zu vermitteln“, sagt die Kuratorin Dr. Romana Rebbelmund. Der Flügel mit Strahlendekor und Rhombenfries, der im Darmstädter Musikzimmer stand, ist eines der Prunkstücke in Köln.

Orientierung an der Natur und Rückgriffe auf Motive aus der Antike prägten die Arbeiten jener Jahre. So erinnern die Stiele eines Gläser-Sets an Säulen antiker Tempel. 1907 setzte Behrens den nächsten architektonischen Meilenstein. Er plante in Hagen ein Krematorium, das der florentinischen Renaissance entlehnt zu sein scheint. Zwei Jahre später legte er mit der Berliner AEG-Turbinenhalle aus Beton, Stahl und Glas den Grundstein für den Industriebau in Deutschland. In seinem Büro assistierten seinerzeit Gropius, Mies van der Rohe und Le Corbusier.

Als künstlerischer Beirat der AEG nahm Behrens den Begriff des Corporate Designs vorweg. Er entwarf Briefpapier, Reklame und das berühmte Waben-Logo, aber auch Wanduhren und einen elektrischen Heizofen. Der Grafiker, Kunstgewerbler und Architekt war überzeugt, „durch das Zusammenführen von Kunst und Technik Kultur zu schaffen“. In seinen Arbeiten trat nun immer deutlicher eine geometrisch geprägte Sachlichkeit in den Vordergrund.

Die Kölner Schau erweist dem 1940 in Berlin gestorbenen Künstler auch als Reformer ihre Reverenz. Behrens, der als Mitbegründer des Deutschen Werkbundes sowie durch Lehrtätigkeiten in Düsseldorf, Nürnberg, Wien und Berlin Einfluss ausübte, stand den zu Beginn des 20. Jahrhunderts um sich greifenden Reformbewegungen nahe.

Ein Bühnenmodell belegt sein Bemühen um eine Reform des Theaters, das er als „Stätte der Erbauung“ ansah. Das ornamentfreie „Reformkleid“ sollte Frauen vom Korsett befreien. Auch das „alkoholfreie Restaurant“ lag ihm am Herzen. Dafür kreierte er spezielle Bodenfliesen mit Spiralmotiv. Der unermüdliche Die Kaiser?s-Kaffeekanne lächelt in Köln übrigens als weißes Porzellan-Exponat aus einer Vitrine.

Was die Ausstellung nicht zeigt, aber in der Nähe zu sehen ist: das Mannesmanngebäude an der Düsseldorfer Rheinpromenade und das am Neuen Bauen orientierte ehemalige Hauptlager der Gutehoffnungshütte in Oberhausen, „an dem es mir gelungen ist“, wie Behrens sagte, „meine Kunstanschauung am klarsten zu verwirklichen.“

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Erstellt:
13. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
13. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. April 2018, 06:00 Uhr

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