Ein Schultes mit zwei offenen Ohren

Der 52-jährige Reinhold Frank will im Februar neuer Bürgermeister von Ammerbuch werden

Noch bis zum 7. Januar können sich Interessenten für den Schultesposten in Ammerbuch bewerben. Reinhold Frank war der erste, der seinen Hut in den Ring warf. Der 52-Jährige ist denn auch schon seit Wochen in der Gemeinde unterwegs.

19.12.2013

Von Manfred Hantke

Ammerbuch. Zahlreiche Ammerbucher haben Reinhold Frank schon erlebt. Der Mann, der im Februar neuer Schultes werden will, tourt seit vier Wochen durch die Ortsteile, sprach mit Vereinen, dem Jugendgemeinderat und mit Parteien. Etwa mit der Bürgerlichen Wählervereinigung (BWV), mit den Freien Wählern (FWV) und mit der CDU, alles Gespräche, die ihn zufriedengestellt haben, sagt er. SPD und Grüne fehlen noch, mit den Genossen gibt?s aber bald einen Termin.

Vereinsmensch und „überzeugter Ehrenamtler“: Reinhold Frank, Bürgermeister-Kandidat in Ammerbuch.

Großen Wert legt der 52-Jährige auf seine Unabhängigkeit. Obwohl seit sechs Jahren CDU-Mitglied, derzeit Beisitzer im Vaihinger Vorstand, trete er nicht als CDU-Kandidat, sondern als Unabhängiger an. Er macht seinen Wahlkampf allein, betont er, hat nur einen Berater für seine Drucksachen an der Hand, aber keinen „Bürgermeister-Macher“. Das sei nicht seine Preisklasse, sagt er, und eine Erfolgsgarantie könne so ein Macher auch nicht bieten. Frank: „Ich mach das so, wie ich denke“, damit bleibe er authentisch.

Die Mitmachtänze gefallen Frank besonders

In eine CDU-Schublade will sich das CDU-Mitglied nicht stecken lassen. Sein Vater war Arbeiter, er komme aus einem „gut sozialdemokratischen Hause“, sagt Frank. Und etwas Grün scheint der Kandidat auch zu sein: Zumindest fährt Frank seit zehn Jahren ein Erdgasauto, mittlerweile das fünfte. Frank: „Aus Überzeugung – wegen des Umweltschutzes.“

Einer Konfession gehört Frank nicht an. Ihn leite jedoch eine christliche Grundeinstellung, die im Glauben ihren Ausdruck finde. Zwei seiner Maximen: Ein ehrliches Leben führen, den Menschen im Gegenüber achten.

Interview mit Reinhold Frank, Bürgermeisterkandidat in Ammerbuch
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Er war der erste, der seine Bewerbung auf dem Entringer Rathaus abgegeben hatte. Der 52-jährige Reinhold Frank will Anfang Februar zum neuen Ammerbucher Schultes gewählt werden.

© Manfred Hantke 03:05 min

Frank ist ein richtiger Vereinsmensch. So war er Geschäftsführer einer Waldorf-Kindertagesstätte, und seit seiner Jugend ist er dem Volkstanz verbunden, hat sämtliche Ehrenämter durchgemacht. Aktuell ist er Vorsitzender des Landesverbandes der Arbeitsgemeinschaft der Sing-, Tanz- und Spielkreise sowie Vize-Vorsitzender im Bund. Frank: „Man macht nicht ungestraft etwas richtig.“

Doch es macht dem „überzeugten Ehrenamtler“ wohl auch Spaß. Volkskultur und Brauchtum bedeuten für ihn auch Geselligkeit. „Bewegung, Tanzen ist etwas Schönes“, sagt er, insbesondere die „Mitmachtänze“ haben es ihm angetan. Da kommt er mit Leuten in Kontakt. Mit dem Volkstanz ist er „durch halb Europa“ getourt, im US-amerikanischen Pennsylvania hatte er in diesem Sommer ein Seminar angeboten, als Tanzleiter unterrichtet er seit 30 Jahren.

Kontaktfreudig wie er ist, hat sich der Kandidat in Ammerbuch schon intensiv umgesehen. Er war etwa beim ASV Pfäffingen, beim TGV Entringen, beim Poltringer Wanderverein, hat sich im Mütter- und Familienzentrum sehen lassen und natürlich beim Liederkranz Breitenholz, der Altinger Chorvereinigung und beim evangelischen Kirchenchor Entringen. In Breitenholz und in Altingen hat er gleich mitgesungen, „da haben sich die Chöre gefreut.“

Immer mit offenen Karten spielen

Seine kommunikativen Fähigkeiten tun der Gemeinde gut, glaubt Frank. Er will die Ammerbucher (wieder) zusammenbringen, will Brücken zwischen den Ortsteilen bauen, Begegnungen ermöglichen, Gemeinschaftserlebnisse schaffen. Auch eine alljährliche, jeweils in einem anderen Teilort einzuberufende Bürgerversammlung kann er sich vorstellen. Dann werde auch das Ammerbucher Gemeinschaftsgefühl aufkommen. Damit, höre er aus etlichen Gesprächen heraus, sei man früher schon mal weiter gewesen.

Bei der unechten Teilortswahl gebe es für beide Seiten gute Argumente, sagt Frank. Mit Vorbehalten, so seine Überzeugung, erreiche man kein Zusammenwachsen. Übers Knie brechen solle man die Sache nicht, lieber die Bürger darüber abstimmen lassen. Wichtiger ist ihm aber, ein „Urvertrauen“ der Teilorte zur Gesamtgemeinde zu schaffen. Da müssten vertrauensbildende Maßnahmen vorausgehen, man müsse mit „offenen Karten spielen“, denn „Kommunikation ist alles.“

„Schade“, dass sich die CDU ausgeklinkt hat

Da sieht Frank also reichlich Arbeit auf sich zukommen. Hinzu kommen aber auch die Rathauserweiterung und der Schulneubau in Altingen. Am Bürgerentscheid vom 10. November will Frank auch gar nicht rummäkeln, im Gegenteil: das sei so entschieden und nun geregelt, „das ist sehr positiv.“ Den Schulneubau müsse man jetzt richtig angehen und die Schule „richtig gut machen“. Es sei schließlich nicht selbstverständlich, dass eine Gemeinde eine weiterführende Schule habe und so auch die Kinder im Ort halten könne. Eine Schule sei eine Investition in die Gemeinde, die insbesondere für Familien positive Auswirkungen haben könne. Dass seine Ammerbucher Parteifreunde sich aus dem Architektenwettbewerb ausklinken, findet Frank „schade“. Denn dieser Prozess biete ja auch Gestaltungsmöglichkeiten.

Gestalten. Das ist es, was ihn am Schultes-Job reizt: Mit anderen Menschen etwas zu bewirken, mit den Bürgern für die Bürger eine lebens- und liebenswerte Gemeinde zu entwickeln. Dabei will er einen „kollegialen Stil“ pflegen. Zwar habe er als Bürgermeister eine „gewisse Richtlinienkompetenz“, er sei aber eher ein Teamplayer, sagt Frank, „das macht auch viel mehr Spaß.“ Allen kann man?s nicht recht machen, weiß er. Aber er will sich die Sorgen anhören und schauen, ob Abhilfe zu schaffen ist. Er habe nicht nur ein offenes Ohr, sondern sogar zwei offene Ohren.

Stichwort Ökonomie: Da verfolgt der Stuttgarter ganz aufmerksam, wie sich in Pfäffingen ein Markt nach dem anderen ansiedelt. Auch die Altinger Lage sei „neben der Autobahn wunderbar“. Doch neben den Steuereinnahmen müsse auch der Landschaftsverbrauch berücksichtigt werden, warnt er. Alles zersiedeln müsse man nicht. Ja, und der Erhalt der Streuobstwiesen sei ihm ganz wichtig. Wirtschaftsförderung und Ökologie beißen sich oft. Da will er einen vernünftigen Weg suchen und auch finden.

Die Ammerbucher jedenfalls hat Frank fast schon lieben gelernt. „Ich mag die Menschen unheimlich gern“, sagt er. Die Landschaft sei „unwahrscheinlich schön“. Einen Teilort aber will der Kandidat nicht besonders hervorheben, „jeder Ortsteil hat seine Reize.“ Und so weiß er noch nicht, in welchem Ortsteil er wohnen würde, sollte er gewählt werden. Die Wohnung müsse stimmen. Klar ist für ihn auch, dass er nicht in Stuttgart-Kaltental wohnen bleibt. Denn ein Bürgermeister sollte in seiner Gemeinde leben.

In dieser Woche hat Frank noch einige Termine in Ammerbuch. Vom 23. Dezember an kehrt bei ihm der „Weihnachtsfrieden“ ein. Dann will der gelernte Bäcker für seine Familie die „geliebten Zimtsterne“ backen. Nach Dreikönig geht?s dann wieder weiter mit dem Wahlkampf, Termine, Flyerverteilung, Podien, wohl auch Hausbesuche. Ist er in den letzten Wochen erst nach Arbeitsschluss nach Ammerbuch gefahren, will er sich im Januar in der heißen Phase doch ein paar Tage frei nehmen und ganztägig wahlkämpfen.

Der 52-jährige Reinhold Frank ist seit 1986 mit seiner Frau Petra verheiratet. Das Paar hat drei Kinder, zwei Söhne, eine Tochter. Seine Ausbildung zum Bäcker und Konditor begann Frank 1976, 1981 leistete er seinen Wehrdienst bei der Luftwaffe ab. 1985 wechselte er in den EDV-Bereich einer Bank und war für sie auch 1990 ein viertel Jahr lang in Berlin tätig. 1993 ließ er sich zum Bürokaufmann umschulen, ging dann 1995 ins Verlagswesen, wo er für die Buchhaltung und das Personal zuständig war. Seit 2003 ist Frank in einem Druckunternehmen in Leinfelden beschäftigt, Buchhaltung, Personalwesen, Kalkulation und Verwaltung gehören zu seinen Aufgaben. In der CDU Stuttgart ist Frank seit 2007, derzeit Beisitzer und Schnittstelle für die Vereine. Frank wohnt in Stuttgart-Kaltental. Gewonnen mit dem Du: Die zweite Auflage der Ammerbucher Bürgermeisterwahl brachte mit Christel Halm schnell eine Siegerin 17.02.2014 Kommentar zur Wahl in Ammerbuch: First Lady in einer Landkreisgemeinde 17.02.2014 Manches auf den Prüfstand: Christel Halm will Ammerbuch Ruhe und Frieden bringen 15.02.2014 Entscheidungsstau abbauen: Andreas Steinacker will Ammerbuch konsequent weiterentwickeln 15.02.2014 Konkurrenzdruck aus Orten rausnehmen: Andreas Fiedler, Dritter im ersten Wahlgang mit 15,8 Prozent, hofft auf höhere Wahlbeteiligung 13.02.2014 Bewusst anderen Politikstil reinbringen: Reinhold Frank rechnet sich bei Bürgermeisterwahl noch Chancen aus 13.02.2014 Bürgermeisterwahl Ammerbuch: Uwe Bühler tritt nicht zum zweiten Wahlgang an 05.02.2014 Eine Stimme mehr: Ammerbucher Wahlergebnis leicht korrigiert 04.02.2014 Atmosphäre für Krimi-Autoren: Randbeobachtungen am Wahlabend in der Entringer Turnhalle 03.02.2014 Kommentar zur Ammerbucher Bürgermeisterwahl: Jetzt ist klare Kante gefragt 03.02.2014 Ammerbucher Bürgermeisterwahl: Keine absolute Mehrheit für niemanden 02.02.2014 Ammerbuch: Knapp 9.000 Wählerinnen und Wähler sind aufgerufen 02.02.2014 Eine Entscheidungshilfe für viele: Fünf Kandidaten auf dem TAGBLATT-Podium: Differenzen bei der Halle 01.02.2014 Beim TAGBLATT-Podium zur Schulteswahl saßen viele Unentschlossene in der Pfäffinger Turnhalle: Kandidaten brachten Leuchtturm, Engel und Grundstein mit 30.01.2014 Die Kraft der klaren Worte: Andreas Steinacker muss im Ammerbucher Bürgermeisterwahlkampf auch Kritik einstecken 29.01.2014 Ammerbuch: Nach der Wahl ist vor der Wahl 29.01.2014 Pfäffingen: Platzkarten zum Podium 29.01.2014 Alle sind für alles offen: Ammerbucher Jugendgemeinderat lud Bürgermeisterkandidaten zum Podium 27.01.2014 Im Bürgermeisterwahlkampf beobachtet: Andreas Fiedler : Nach Tübingen im Stau, Katastrophe! 23.01.2014 Er traut sich das zu: Uwe Bühler, Fasnetsaktivist aus Poltringen, kandidiert für den Bürgermeisterposten 22.01.2014 Ammerbuch: „Nein“: König kommt gar nicht 22.01.2014 Kommentar Bürgermeisterkandidaten: Ammerbucher machen es spannend 22.01.2014 Ammerbuch attraktiver: Alle Kandidaten für die Bürgermeisterwahl wollen Gemeinde zusammenschweißen 22.01.2014 Ammerbucher Bürgermeisterwahl: Fünf stellten sich vor, rund 700 Leute waren da 21.01.2014 Den Blick über den Ort wandern lassen: Im Bürgermeister-Wahlkampf beobachtet: Reinhold Frank 20.01.2014 Er könnte gleich einsteigen: Andreas Steinacker sieht sich im Heimvorteil: Für alle Teilorte hat er Ziele und Ideen 18.01.2014 Hilfe bei der Wahl: Ammerbucher Kandidaten-Vergleich im Netz 17.01.2014 Besser miteinander reden: Im Ammerbucher Bürgermeister-Wahlkampf beobachtet: Christel Halm 16.01.2014 Bürgermeisterwahl Ammerbuch: Fünf stellen sich am Zwanzigsten vor 10.01.2014 Kommentar Bürgermeisterwahl Ammerbuch: Balanceakt auf schwierigem Parkett 09.01.2014 Transparenz als Programm: Christel Halm will als Bürgermeisterin Ammerbuchs Ruf aufpolieren 09.01.2014 Sechs für Ammerbuch - zwei Bürgermeisterkandidaten kamen noch hinzu: Bewerbungsschluss für die Bürgermeisterwahl 07.01.2014 Vermittler in der Großfamilie: Andreas Fiedler will als Bürgermeister Ammerbuch nach vorne bringen 07.01.2014 Dienstag ist Schluss: Bürgermeisterwahl Ammerbuch: vier bis jetzt 05.01.2014 Ein Schultes mit zwei offenen Ohren: Der 52-jährige Reinhold Frank will im Februar neuer Bürgermeister von Ammerbuch werden 19.12.2013 Ammerbucher Bürgermeisterposten ist begehrt: Gleich zwei Bewerber als Rathaus-Chef aus der CDU 20.11.2013 Neu durchstarten: Erster Bewerber um Nachfolge von Ows 15.11.2013 Nicht nur ein Bürgerentscheid : Ammerbuch wählt vielfach 10.10.2013

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Erstellt:
19. Dezember 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Dezember 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2013, 12:00 Uhr

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