Kopf einschalten macht Spaß

Der 21-jährige Zoltan Boros aus Rumänien wurde Lehrling des Monats

Die Handwerkskammer Reutlingen hat den 21-jährigen Zoltan Boros als „Lehrling des Monats“ ausgezeichnet. Der gebürtige Rumäne, der bei seiner Tante in Rottenburg wohnt, macht bei der Firma Ströbele in Hirrlingen eine Ausbildung zum Stuckateur.

21.04.2016

Von Hete Henning

Zoltan Boros macht bei der Firma Ströbele in Hirrlingen eine Ausbildung zum Stuckateur. Das Putz-Relief zeigt das Innungszeichen der Stuckateure. Bild: Henning

Hirrlingen. Die Auszeichnung bedeute ihm sehr viel, sagt Zoltan Boros. „Es sei ein gutes Gefühl, dass ich das geschafft habe.“ Außerdem sei die Auszeichnung ein Beleg dafür, dass das Misstrauen, mit denen viele Deutsche seinen rumänischen Landsleuten begegneten, „nicht in allen Fällen“ begründet sei. Für die Urkunde der Handwerkskammer will Boros noch einen Stuckrahmen bauen und sie hinter Glas an die Wand hängen.

Boros wuchs bei seinen Großeltern in einem Dorf in der Nähe der Stadt Temeschburg im Zentrum des Banats im Westen Rumäniens auf. An den Wochenenden arbeitete er in der Landwirtschaft der Großeltern und kümmerte sich um die Kühe, Schweine, Pferde und Kühe. Unter der Woche konzentrierte er sich auf die Schule. 2013 besuchte Boros erstmals seine Tante Maria Knab in Rottenburg, und weil es ihm hier gefiel, kam er im Jahr darauf wieder.

Obwohl er in Rumänien das Abitur gemacht hatte (entsprechend dem hiesigen Fachabitur), seien seine Chancen auf eine gute Ausbildungsstelle gering gewesen, erzählt er. Deshalb ergriff er die Chance, im Stuckateurbetrieb von Frank Ströbele in Hirrlingen ein Praktikum zu absolvieren – seine Tante kannte die Ströbeles. Damals, 2014 habe er zwar kaum Deutsch gekonnt („nur Guten Tag und Dankeschön“), aber die Arbeit habe Spaß gemacht, sagt er. „Das war das Wichtigste.“ An der Volkshochschule nahm er damals bereits einen hundertstündigen Deutschkurs, und Frank Ströbele gab ihm einen Lehrvertrag.

Es war Erika Ströbele, die Zoltan Boros zum Lehrling des Monats vorschlug. „Mit der Note 2 gibt er sich nicht zufrieden“, schwärmt sie. Zu Beginn seiner Ausbildung habe Boros gleich in die reguläre Berufsschulklasse gewollt, statt ein Vorqualifizierungsjahr für Jugendliche ohne Deutschkenntnisse zu absolvieren. Der Erfolg habe ihm Recht gegeben: Seine Noten in der Überbetrieblichen Ausbildung seien von Anfang an sehr gut gewesen, auch in der Berufsschule glänze er mit guten Noten, im Fach Deutsch schneide er mit „befriedigend“ ab. Zudem sei er sehr engagiert, teamfähig und zuverlässig.

Zum Stuckateurhandwerk gehört viel mehr als das Gießen von Gipsrosetten und das Ziehen von Zierleisten für verschnörkelte Stuckdecken. „Stuck“, sagt Frank Ströbele, „leistet sich heute fast niemand mehr.“ Es gehe um energetische Sanierungen, den Einbau von Brand- und Schallschutz, Außen- und Innenputz samt Anstrich. Auch das Legen von Estrich-Fußböden gehört zum Ausbildungsprogramm eines Stuckateur-Lehrlings.

All das mache ihm Spaß, sagt Boros. „Man kann draußen sein und die Sonne genießen“, und jeden Tag gebe es etwas anderes zu tun. Diese Herausforderung schätze er, „da muss man den Kopf einschalten.“ Nach Rumänien zurück will er nicht – „es ist alles besser und freundlicher hier“. Sein Chef würde ihn nach der Lehre gern übernehmen. „Ich tät mich freuen“, sagt Ströbele.

Der Lehrling des Monats muss vorgeschlagen werden

Die Handwerkskammer Reutlingen vergibt die Auszeichnung „Lehrling des Monats“ seit Dezember 2014. Vorgeschlagen werden können Auszubildende, die sich durch besonders gute Leistungen, Lernbereitschaft, Zuverlässigkeit, Kundenorientierung, Teamfähigkeit und Belastbarkeit auszeichnen. Auch ein über die Ausbildung hinausgehendes ehrenamtliches Engagement kann gewürdigt werden. Die 13 000 Handwerksbetriebe im Bezirk der Handwerkskammer Reutlingen bilden derzeit rund 5000 Lehrlinge aus.

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Erstellt:
21. April 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
21. April 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. April 2016, 01:00 Uhr

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