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Kommentar · Brüssel

Deprimierende Botschaft

Es ist eine schreckliche Niederlage, nach einem vermeintlich tollen Sieg. Vergangene Woche hatte die belgische Polizei Salah Abdeslam dingfest gemacht, den "Staatsfeind Nummer Eins", dringend verdächtig als Drahtzieher der Anschläge von Paris.

23.03.2016
  • KNUT PRIES

Die Verantwortlichen lobten sich gegenseitig. Es sei darum gegangen, Folgetaten zu verhindern. "Er war dabei, von Brüssel aus etwas Neues in Gang zu setzen, das ist wohl die Realität", sagte Außenminister Reynders. Diese Realität hat Belgien auf grausame Weise eingeholt.

Wer die Doppel-Attacke von Brüssel verübt hat, ist bislang ungeklärt. Dasselbe gilt für die genaue Rolle, die Abdeslam in dem Netzwerk gespielt hat, das sich als Ausleger der Terrormiliz Islamischer Staat versteht. Es kann aber angesichts des Zeitpunkts, der Tatmerkmale und der Zielauswahl kaum ein Zweifel bestehen, dass es sich um eine Antwort auf Abdeslams Ergreifung handelt.

Die damit verbundene Botschaft ist ebenso deprimierend wie ernst zu nehmen: Möge bloß keiner glauben, mit der Ausschaltung dieses Mannes sei die Schlagkraft der Bewegung getroffen, in deren Dienst er sich gestellt hat.

Diese Erkenntnis passt zur beunruhigenden Einsicht, die sich nach der Erleichterung über der Ergreifung Abdeslams aufdrängte. Der Gesuchte konnte sich mehr als ein Vierteljahr unbehelligt in seinem Heimatviertel Molenbeek bewegen. Die Voraussetzung war, was manche Brüsseler die "Scharia-Omerta" nennen - ein islamistisches Schweigegebot im sozialen Umfeld. Die Mehrheit der muslimischen Molenbeeker sind keine Komplizen oder Sympathisanten. Aber sie betrachten Abdeslam als einen der ihren und leisten passive Unterstützung. 130 Tote in Paris sind in ihren Augen kein Grund, ihn der Justiz auszuliefern.

Die Anschläge des schwarzen Dienstags zeigen zweierlei: Der Terror denkt nicht daran, das Biotop zu verschonen, in dem er sich eingerichtet hat. Und: Die Abwehr funktioniert nicht besser als die Säuberung - was man nicht einfach ausrupfen kann, dagegen kann man sich auch nicht einfach schützen.

Die Belgier haben den üblen Gewächsen, die da gediehen sind, den Kampf angesagt. Sie müssten aber nicht nur gegen das Unkraut vorgehen, sondern vor allem gegen die Fruchtbarkeit des Mutterbodens. Dazu sind sie bislang nicht in der Lage. Natürlich muss die Effektivität des immer noch zersplitterten Sicherheitsapparats verbessert werden. Gefordert ist aber vor allem eine Immunreaktion des gesamten Gemeinwesens.

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23.03.2016, 08:30 Uhr
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