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Mit Hightech ergründen Forscher Hirnaktivitäten Ungeborener

Denken im Bauch

Erstmals in Europa lassen sich nun am Tübinger Uniklinikum Hirnströme Ungeborener messen. Nicht nur Risikoschwangerschaften sollen so besser erforscht werden.

18.07.2009
  • Fabian Ziehe

<strong>Tübingen.</strong> Futuristisch sieht die ergonomisch geformte Nase aus. Schwangere nehmen Platz auf dem „fetalen Magnetenzephalographie-Gerät“ (fMEG): Sie sitzen wie auf einem Sattel, lehnen sich nach vorne: Die Schale, in der der Bauch liegt, ist das eigentlich Futuristische: In ihr sitzen 156 Sensoren aus Supraleitern, gekühlt mit Helium auf Minus 269 Grad Celsius. Diese Fühler biomagnetischer Strahlen sind so sensibel, dass sie messen, was bis dato nahezu unbekannt ist: Die Hirnströme von Ungeborenen im Mutterleib.

„Das Gerät ist bahnbrechend für die Geburtshilfe“, so Prof. Diethelm Wallwiener, ärztlicher Direktor der Tübinger Frauenklinik gestern bei der Vorstellung des fMEG. Weltweit gibt es nur ein vergleichbares Gerät in Arkansas, das der Tübinger Forscher Dr. Hubert Preissl mit entwickelt hat. Er betreut die vier Millionen Euro teure Anlage des Uniklinikums Tübingen (UKT), die mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Land gebaut wurde.

Neben Hirnsignalen von Feten lassen sich genau Herzgeräusche von Mutter und Kind sowie die Uterusaktivität messen. Ist das Kind gesund, droht eine Frühgeburt? Profitieren können Risikoschwangere, die 40 Prozent der Gebärenden am UKT ausmachen. „Es schadet weder Kind noch Mutter“, sagte Wallwiener – das Gerät misst, es produziert keine elektromagnetischen Felder.

Untergebracht ist das Gerät im MEG-Zentrum auf dem Schnarrenberg. Das Gebäude liegt abseits: Hier gibt es kaum Störsignale. Dennoch braucht es dicke Türen und einen isolierten Raum – schon die Erdanziehung überlagert die Signale. „Wir bewegen uns an der Messgrenze“, sagte Preissl. Ab der 20. Schwangerschaftswoche gibt es ein Signal, Diagnosen sind erst ab der 28. Woche sinnvoll. Schwangerschaftsabbrüche sind da nur noch in Ausnahmefällen zulässig. Dennoch wies Prof. Niels Birbaumer, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie, auf die Krux pränataler Diagnostik hin: „Ethische Probleme gibt es da immer.“

Derzeit wird das fMEG getestet, 120 Schwangere haben zum Eichen schon „probegesessen“. „Das ist eine gute Basis, um Normkurven zu finden“, so Frauenärztin Dr. Isabelle Kiefer. Noch ein bis zwei Jahre wird es dauern, bis Ärzte das Gerät diagnostisch einsetzen können. Die Forscher erhoffen sich auch Erkenntnisse zu Diabetes, Lernfähigkeit, Gedächtnis, Schlafen und Träumen.

Nicht nur das UKT will mit den neuen Möglichkeiten für die Grundlagenforschung punkten. „Das liegt auch im hohen Interesse des Landes“, sagte Klaus Tappeser, Ministerialdirektor im Wissenschaftsministeriums Baden-Württemberg. Er hofft auch, dass das fMEG zum Exportschlager wird und zur „Profilbildung“ des Uniklinikums beiträgt.

Denken im Bauch
Platz nehmen auf Diagnose-Hightech: Doktorandin Minha Lim testete das neue fMEG-Gerät am Uniklinikum. Bild: Faden

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18.07.2009, 12:00 Uhr
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