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Türkei

Deniz Yücel zurück in Deutschland

Der Korrespondent der „Welt“ wurde nach über einem Jahr aus der Untersuchungshaft entlassen. Trotz Anklage durfte er ausreisen.

17.02.2018
  • DIETER KELLER

Berlin. Vor den Mauern des Gefängnisses Silivri bei Istanbul konnte der „Welt“-Korrespondent Denzi Yücel am Freitagmittag seine Frau Dilek umarmen, die ihn abholte. Sein Anwalt Veysal Ok twitterte ein Foto der beiden.

Zuvor hatte die Istanbuler Staatsanwaltschaft nach über einjähriger Untersuchungshaft eine Anklageschrift gegen den 44-Jährigen vorgelegt, wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Danach fordert die Behörde bis zu 18 Jahre Haft.

Yücel verließ die Türkei am Abend in einer deutschen Regierungsmaschine. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte, er habe in den letzten Monaten viele Gespräche mit der türkischen Regierung zur Beschleunigung des Verfahrens geführt und zweimal Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan getroffen. Die türkische Regierung habe immer Wert darauf gelegt, dass sie keinen politischen Einfluss auf die Gerichtsentscheidung nehme. Sie habe nur zugesagt, das Verfahren zu beschleunigen.

Gabriel dankte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „für ihr Vertrauen in die Arbeit des Auswärtigen Amtes in diesem schwierigen Fall“. Er bekräftigte, es habe keine „Deals“ gegeben. Spekuliert worden war über Entgegenkommen bei Waffengeschäften. Auch Merkel zeigte sich erleichtert. Sie hatte am Donnerstag den türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim darauf hingewiesen, der Fall habe „eine besondere Dringlichkeit für uns“.

Yücel ist in Flörsheim bei Frankfurt geboren. Er hat sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft.

Springer-Chef Mathias Döpfner freute sich über die „große partei- und ideologieübergreifende Solidarität“. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hofft, dass die Freilassung „Bedingungen schafft, die zu einer Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen führen“. FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff wies darauf hin, dass immer noch sechs Deutsche sowie über 100 türkische Journalisten inhaftiert seien. Das Auswärtige Amt sprach von fünf Deutschen.

Daran erinnerte auch Mesale Tolu bei aller Freude. Sechs Kollegen seien am Freitag wegen angeblicher Beteiligung am Militärputsch zu lebenslanger Haft veruteilt worden, sagte die Journalistin aus Ulm der SÜDWEST PRESSE. Die Deutsche war im Dezember aus türkischer Haft freigekommen, sie darf das Land aber nicht verlassen.

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17.02.2018, 06:00 Uhr
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