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Natur

Den Wolf nicht zum Sündenbock machen

Umweltschützer, Schäferei und das Land sind weiter uneins, wie mit dem Raubtier umzugehen sei.

07.01.2019

Von PETRA WALHEIM

Foto: Bernd Thissen/dpa

Radolfzell. Soweit bekannt, streunt in Baden-Württemberg gerade mal ein Wolf durch die Wälder. Bemerkbar macht er sich seit etwa einem Jahr immer wieder durch Risse im Nordschwarzwald. Mindestens so lange beschäftigt er dadurch die Landesregierung, die Schäferei und die Umweltverbände, die nach einem Weg suchen, um die so unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen.

Dass das fast nicht möglich ist, zeigten Vorträge und eine Diskussionsrunde gestern in Radolfzell, zum Abschluss der 43. Naturschutztage, zu denen Nabu und BUND eingeladen hatten.

Es ist ein Spagat, der kaum gelingen kann. Der Wolf ist ein streng geschütztes Tier, das nicht einfach abgeschossen werden darf. Die meisten Schäfer würden den Wolf aber am liebsten tot sehen. Doch nur Wölfe, die auffälliges Verhalten zeigen, die Nähe des Menschen suchen oder mehrfach in gut geschützten Viehherden wüten, sollen „entnommen“ werden dürfen, betonte Andre Baumann (Grüne), Staatssekretär im Umweltministerium. Dafür werde zusammen mit Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland aktuell ein „Entnahme-Team aus Profis“ aufgebaut.

„Ich bezweifle, dass das praktikabel ist“, sagte Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur. Für ihn ist das nur eine „Beruhigungspille“ für die Schäfer. Überhaupt wunderte er sich über die ganze Aufregung in Deutschland. „Andere Länder, die sehr viel mehr Wölfe haben, gehen damit sehr viel unaufgeregter um.“

Er habe keine Angst vor dem Wolf, betonte er. Aber vor frei laufenden Hunden. Die seien sehr viel gefährlicher als Wölfe. Für ihn ist der Wolf auch nicht der Grund, dass es der Schäferei so schlecht geht. Schwaderer appellierte, den Wolf nicht zum Sündenbock für die Misere in der Schäferei zu machen.

Anette Wohlfarth, Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbandes, hatte zuvor in einem Kurzvortrag dargelegt, dass die Zahl der Weidetierhalter in den vergangenen zehn Jahren von 400 000 auf 216 000 gesunken sei, „ohne den Wolf“. Seit der Wolf da sei, hätten weitere Schäfer aufgegeben. Ein Problem für den Erhalt von Kulturlandschaften: Ohne Schafe wüchsen unter anderem Wacholderheiden zu.

Vielen Schäfern gehe es wirtschaftlich schlecht, weil Leistungen nicht ausreichend bezahlt werden, sagte Wohlfarth. Der durchschnittliche Stundenlohn liege aktuell bei 6,68 Euro, solle aber auf 8 Euro steigen. Lösungsansätze hatte sie nicht parat.

Für Andre Baumann ist ein Ziel, die Weidetierhalter wirtschaftlich so aufzustellen, „dass sie eine Zukunft haben“. Die ersten Schritte seien schon gemacht. Weitere sollen folgen. Trotzdem beharrte Anette Wohlfarth auf der Forderung, dass jeder Wolf, der eine Herde angreift, sofort erschossen werden solle. Außerdem verlangt sie für die Schäfer des Landes, dass sie vom Haftungsrisiko befreit werden und Weidetierschutzzonen eingerichtet werden: Gebiete, zu denen der Wolf keinen Zutritt hat. Wie diese Forderungen umgesetzt werden sollen, konnte sie jedoch nicht sagen. Das sei auch nicht ihr Problem. Petra Walheim

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Erstellt:
7. Januar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Januar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Januar 2019, 06:00 Uhr

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