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Interview

„Den Mund aufmachen!“

Susanne Foidl, Gleichstellungsbeauftragte der Filmuniversität Babelsberg, über Frauen im Film.

01.02.2018

Von LGH

Susanne Foidl fordert Null-Toleranz gegen Sexismus. Foto: Privat

Es gibt schwere Vorwürfe gegen Dieter Wedel. Müssen wir davon ausgehen, dass das im Film „normal“ ist?

Susanne Foidl: Ich denke, das, was da geschildert wird, ist ein grauenhafter Einzelfall. Es geht mir in meiner Arbeit weniger um solche Ausschläge als um das sexistische „Grundrauschen“, die „rape culture“ – eine Kultur, die Vergewaltigungen erst möglich macht. Diese Diskriminierung fängt bei der ungleichen Bezahlung für gleiche Arbeit an. Am liebsten würde ich fordern: Gehaltszettel auf den Tisch.

Wie kommt es zu der Ungleichheit?

In meiner Funktion sitze ich in Berufungsverfahren für Professuren und sehe, wie das läuft: Wenn ein männlicher Bewerber erklärt, dass er einen Studiengang umbauen will, ist er ein Visionär. Wenn eine Bewerberin dasselbe sagt, heißt es, sie lehne sich aus dem Fenster. Das meint niemand böse, es zeigt nur die Stereotypen, die wir alle gewöhnt sind und die sich fast automatisch vor unsere Urteile schieben. Das spiegelt sich auch in Filmen wider.

Wie durchlässig ist die Filmbranche für Frauen?

An der Uni ist noch alles gleichberechtigt, aber sobald es an die freien Projekte geht, wird den Männern mehr zugetraut, vor allem in der Regie, aber auch beispielsweise in der Szenografie, eben immer dort, wo die großen Bilder entworfen werden. Da steht noch immer ein Geniekult im Raum, der in der Kultur viel ausgeprägter ist als in der Wirtschaft. In dem Filmkanon, den die Bundeszentrale für politische Bildung herausgibt, ist unter 35 Filmen nicht einer, den eine Regisseurin gemacht hat.

Wieso gibt es nicht mehr Protest?

Im Kulturbereich wird ja sehr viel freiberuflich gearbeitet, das ist ein Existenzkampf. Dennoch handelt es sich vielfach um öffentliches Geld, und das sollte paritätisch verteilt werden. Die Qualität kann nicht das Argument sein, wenn ich mir so manchen Sonntagabendkrimi ansehe. Und außerdem: Auch Frauen sollten schlechte Filme machen dürfen.

Was raten Sie Ihren Studentinnen?

Ich sage ihnen, dass sie Banden bilden sollen, dass sie sich informieren sollen, wenn es um Geld geht, und dass sie Sexismus mit Null-Toleranz begegnen sollen. Den Mund aufmachen! lgh

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Erstellt:
1. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
1. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. Februar 2018, 06:00 Uhr

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