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Den Jemen ins Elend gebombt
In der jemenitischen Stadt Sanaa inspiziert ein Mann die Schäden nach einer Bombardierung. Die saudische Militärallianz hatte Luftangriffe geflogen. Foto: dpa
Von den Luftangriffen der saudischen Militärkoalition profitieren vor allem Islamisten

Den Jemen ins Elend gebombt

Seit eine saudische Militärkoalition den Jemen bombardiert, sind tausende Menschen gestorben. Das nützt islamistischen Terrororganisationen. Jetzt erhöhen die USA den Druck auf das Königshaus in Riad.

26.03.2016
  • MARTIN GEHLEN

Sanaa. Der Ton der Vereinten Nationen wird immer schärfer. Die saudische Luftwaffe habe im Jemen "ein Gemetzel" angerichtet, kritisierte jüngst der Hohe Kommissar für Menschenrechte, Zeid Raad Al-Hussein. Für knapp zwei Drittel der zivilen Opfer und zivilen Zerstörungen sei die Kriegskoalition der Golfstaaten verantwortlich. Allein bei dem Beschuss eines dicht belebten Marktes in der westlichen Provinz Hajja Anfang letzter Woche kamen 119 Menschen ums Leben, darunter 24 Kinder. "Trotz ständiger internationaler Proteste wiederholen sich solche Vorfälle mit absolut inakzeptabler Regelmäßigkeit", erklärte Al-Hussein und drohte, diese Kriegsverbrechen durch eine internationale Kommission untersuchen zu lassen. Obendrein warf der UN-Diplomat der Koalitionsseite vor, sie sei unwillig, angerichtete Massaker unabhängig aufklären zu lassen.

Seit einem Jahr zerbomben modernste Kampfjets aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten nun schon das Armenhaus an der Südspitze der Arabischen Halbinsel - ein Krieg, der ein humanitäres, militärisches und strategisches Desaster angerichtet hat. 6200 Menschen verloren nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ihr Leben. 2,4 der 24 Millionen Jemeniten sind auf der Flucht, mindestens die Hälfte der Bevölkerung ist von Hunger bedroht. Allein in der Hauptstadt Sanaa wurden 250 000 Menschen ausgebombt. Denn die saudische Luftaufklärung ist ungenau, die Kampfpiloten sind unerfahren und skrupellos. Aus Angst vor Abwehrraketen fliegen sie extrem hoch, so dass sie ihre militärischen Ziele meist verfehlen und stattdessen Krankenhäuser und Schulen, Moscheen und Flughäfen sowie Hochzeitsgesellschaften und Privathäuser in die Luft jagen.

Profiteure des Chaos sind die Dschihadisten von "Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel" und "Islamischem Staat", der im vergangenen Jahr erstmals im Jemen auftauchte. "Al Kaida ist mächtiger denn je, auch wenn einige ihrer Führer durch Drohnenangriffe getötet wurden", urteilen die Spezialisten des amerikanischen Think Tanks "The Soufan Group". Den kleinen IS-Kommandos bescheinigen sie "extreme Gewalt und den absoluten Willen", sich im zerfallenden Staat festzusetzen.

Unter dem wachsenden Druck ihres Hauptverbündeten USA kündigte die saudische Militärführung jetzt an, die massiven Kampfhandlungen demnächst zu beenden. Denn auch die saudischen Verluste am Boden sind hoch. Die Zahl der getöteten Zivilisten bezifferte das Königshaus mit 375, in der Armee kursieren Zahlen von mehr als 1000 Gefallenen in den eigenen Reihen.

Auch bei den Houthis scheint die Kompromissbereitschaft zu wachsen. Ihr bisheriger Hauptverbündeter, Alt-Präsident Ali Abdullah Saleh, ist offenbar schwer erkrankt. Salehs loyale Truppen, die in ihren Arsenalen auch Scud-Raketen haben, bilden bislang das militärische Rückgrat der Rebellen. Und so reiste jetzt erstmals eine große Houthis-Delegation nach Riad, während die Gefechte und Artillerieduelle entlang der Grenze auffällig zurückgingen. Bei den Gesprächen geht es zunächst um den Austausch von Gefangenen, im April soll dann in Kuwait über einen Waffenstillstand und eine Neuverteilung der Macht im Jemen verhandelt werden. Dass etwas in Bewegung gekommen ist, zeigt auch die plötzliche brüske Distanzierung eines hohen Houthi-Kommandanten von der bisherigen Schutzmacht Iran. Deren Diplomaten sollten "den Mund halten", schrieb Youssef al-Fishi auf seiner Facebook-Seite.

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26.03.2016, 08:30 Uhr
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