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TAGBLATT-Telefonaktion zu Parodontitis

Den Biofilm aus der Tasche holen

Implantat, Prothese, professionelle Zahnreinigung? Wie man Zahnfleischentzündungen und Parodontitis behandelt.

27.04.2018

Von Ulrich Janßen

Implantate bestehen aus einer meist aus Titan gefertigten künstlichen Wurzel, einem Zwischenstück und der Krone.Bild: crevis/Adobe Stock

Parodontitis zählt zu den häufigsten Erkrankungen im Mundbereich. Die bakteriell ausgelöste Entzündung kann zu Zahnausfall führen, die Behandlung ist oft teuer und langwierig. Dennoch hielt sich das Interesse bei der TAGBLATT-Telefonaktion am Mittwochnachmittag in Grenzen. Die Experten Anke Bleicher und Johannes Wissner gaben dennoch Antworten auf etliche Fragen.

Was ist der Unterschied zwischen Parodontose und Parodontitis?

Es gibt keinen. Parodontose ist ein Wort, das vor vielen Jahren von Marketing-Experten eingeführt wurde. Zahnmedizinisch korrekt ist Parodontitis.

Warum bekommt man eine Parodontitis?

Die Parodontitis entwickelt sich in der Regel aus einer Gingivitis, einer Zahnfleischentzündung, die wiederum von bakteriellen Zahnbelägen ausgelöst wird. Wenn die Zahnfleischentzündung nach ein paar Tagen nicht abklingt, kann sie sich auf den Zahnhalteapparat ausbreiten. Zahnfleischentzündungen haben viele Gründe. Sie werden durch schlechte Zahnhygiene verursacht, aber auch etwa durch Rauchen begünstigt. Es gibt zudem die direkte Übertragung von Bakterien etwa beim Küssen. Die genetischen Anlagen spielen ebenfalls eine Rolle. Es gibt Menschen, die sich kaum die Zähne putzen und trotzdem nicht erkranken.

Was kann man gegen eine Parodontitis tun?

Am allerwichtigsten ist die regelmäßige gründliche Mundhygiene. Dabei sollten unbedingt auch die Zahnzwischenräume gereinigt werden – entweder mit Zahnseide oder, wenn die Zwischenräume groß sind, mit einer Dentalbürste. Etwa alle drei Monate sollte man zusätzlich eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt vornehmen lassen. Zusätzlich kann der Zahnarzt auch von Zeit zu Zeit die Zahnfleischtaschen, in denen sich die bakterielle Plaque sammelt, reinigen. Heute geht das unter leichter Betäubung relativ schonend. Der Arzt führt dabei einen speziellen Kratzer in die Tasche ein und entfernt den Biofilm direkt auf der Wurzeloberfläche. In schlimmeren Fällen kann man auch ermitteln, welche Bakterien die Krankheit auslösen und sie gezielt mit Antibiotika bekämpfen.

Welcher Zahnersatz ist empfehlenswert, wenn die Parodontitis zu Zahnausfall geführt hat?

Zur Auswahl stehen Implantate und Prothesen. Was für den einzelnen Patienten infrage kommt, muss individuell besprochen und geklärt werden. Zu berücksichtigen ist bei der Entscheidung, wie viele Zähne noch vorhanden sind und wie stabil sie sind. Eine Rolle spielt aber auch, wie wichtig den Patienten gutes Beißen oder gutes Aussehen sind. Und natürlich, wie viel Geld sie investieren wollen und wie viel Zeit: Bis ein Implantant eingewachsen ist, kann es schließlich Monate dauern.

Was kosten Implantate?

Das ist sehr unterschiedlich. Man muss aber mit bis zu 2500 Euro pro Zahn rechnen, vor allem, wenn zuvor noch der Knochen aufgebaut werden muss. Die Kassen zahlen für das eigentliche Implantat nichts, beteiligen sich aber mit einem relativ kleinen Zuschuss an dem Überbau, der Krone oder Brücke. Da die Preise abhängig vom Zahnarzt sind, lohnt es sich immer, ein zweites Angebot einzuholen. Bei der Zahnmedizinischen Patientenberatungsstelle Baden-Württemberg gibt es das kostenlos. Dort untersucht ein Zahnarzt das Gebiss, der die Patienten, damit sie ein unabhängiges Urteil erhalten, nach dem Termin zwei Jahre nicht behandeln darf. Die Beratung erreicht man unter der kostenlosen Rufnummer 0800/1424340.

Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Prothese?

Seit 2005 zahlen die Kassen nur noch Festzuschüsse zu den Leistungen. Bei Vollprothesen decken die Zuschüsse oft annähernd die Kosten, bei Implantaten oder Teleskop-Prothesen in der Regel nicht. Bei den sogenannten Teleskop-Prothesen, die auf noch vorhandenen Zähnen installiert werden, zahlen die Kassen aber mehr Geld, wenn nur noch maximal drei Zähne vorhanden sind.

Lohnt es sich, wegen eines Implantats den Zahnarzt zu wechseln?

In der Regel nicht, vor allem dann nicht, wenn man seinem Zahnarzt oder seiner Zahnärztin schon seit vielen Jahren vertraut. Das Einpflanzen der künstlichen Zahnwurzel übernimmt in der Regel ein Zahnchirurg. Der eigene Zahnarzt erstellt darauf nur den Aufbau, also den künstlichen Zahn oder eine Brücke.

Ist beim Zähneputzen eine elektrische Bürste sinnvoll?

Prinzipiell kann man mit der normalen Zahnbürste genauso sauber putzen – wenn man es richtig macht. Für alle, die sich damit schwer tun, ist eine elektrische Zahnbürste empfehlenswert. Es gibt Systeme mit rotierender Bürste und Schallzahnbürsten. Welche besser sind, wurde zwar oft getestet – allerdings ohne dass dabei ein eindeutiges Ergebnis herauskam.Privatbilder

Anke Bleicher

J. Wissner

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Erstellt:
27. April 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
27. April 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. April 2018, 01:00 Uhr

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Pater Rolf Lingen 28.04.201810:45 Uhr

Alle drei Monate zur professionellen Zahnreinigung - das ist m.E. eine der wichtigsten Hilfen für gesunde Zähne.
Allerdings halte ich eine elektrische Zahnbürste für erheblich besser als eine normale. Richtig angewendet (d.h. nur leicht an die Verbindungsstelle von Zähnen und Zahnfleisch), wird damit ein sowohl gründlich reinigender als auch Zähne und Zahnfleisch schonender Strudel erzeugt, der mit einer Handzahnbürste schlichtweg gar nicht zu erreichen ist.

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