Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Bühne

Demokratie und Krieg, aber wozu?

Acht Stunden brisanter Diskurs: Wie Berlin mit Shakespare und Rainald Goetz in den Kampf zieht.

19.04.2018
  • CHRISTOPH MÜLLER

Berlin. Die beiden führenden Bühnen der Hauptstadt haben sich programmatisch dem zeitgenössischen Theater verschworen. Das Deutsche Theater ging mit „Rom“ als Erstes an den Start . Sehr frei nach den drei Shakespeare-Tragödien „Coriolan“, „Julius Cäsar“ und „Antonius und Kleopatra“. Alle drei hat der versierte Bearbeiter John von Düffel verschnitten und mit anspielungsreichen heutigen Sentenzen aus dem Pegida- und Merkel-Wortschatz angereichert.

Tags darauf hatte im Berliner Ensemble „Krieg“ von Rainald Goetz Premiere. Auch das ein Triptychon, bestehend aus „Heiliger Krieg“, „Schlachten“ und „Kolik“. Wer sich im politischen Diskurs über das Sinnhafte und dennoch meistens Misslingende von demokratischem Republik-Streben einerseits und der Hoffnungslosigkeit selten vernünftiger Menschen im kaputten Umgang miteinander aufrüsten will, der sitzt gut acht Stunden im Theater. Weiß er danach wirklich mehr? Zwiespältig. Aber der Ansatz ist jeweils sehenswert bühnentauglich.

Karin Henkel hat die Römer-Tragödien inszeniert. Sie will mit Hilfe des hellsichtigen Weltendenkers Shakespeare als (Bei-)Spiel darstellen, wie wankelmütig, lernunwillig das Volk schon in der Zeit vor Christi Geburt gewesen ist. Selber schuld, könnte man schlussfolgern, wenn das willfährige Volk immer wieder machtgierig korrupten Dikatatoren auf den Leim geht.

„Alles ist Dreck, Dreck, Dreck!“

Ganz von den sieben gewaltig aufdrehenden sprechartistischen Darstellern lebt Robert Borgmanns furiose BE-Inszenierung. Lauter wütend um sich schlagende Außenseiter, frühe Punks in einer tauben Wohlstandsgesellschaft, die im Krieg mit sich selbst liegt. Und das exzessiv spätexpressionistisch aufgeladene Kampfmittel ist die unmittelbar um ihre sinnliche Verkörperung ringende Sprache.

„Alles ist Dreck, Dreck, Dreck!“ Das zieht sich als Motto so durch. Das Theater stellt sich dabei als der kriegerische Ort der zerstörerischen Handlung zwischen Schein und Sein grundsätzlich selbst in Frage.

Mal bezieht sich Goetz auf Peter Handkes und Thomas Bernhardts Publikumsbeschimpfungen, mal hat er‘s mit dem geometrie-harmonischen surrealistischen Maler Giorgio de Chirico, am Schluss aber lässt er eine krächzende apokalyptische Beckett-Figur im Bierdunst nur noch still sterben wollen.

Sehr anspruchsvolle und deshalb auch anstrengende Großstadt-Schauspielkunst, aber so muss das sein, dafür kriegen sie ja schließlich ihre Subventionen. Christoph Müller

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

19.04.2018, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular