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Tübingen · Fasnetsausgabe

Pro und Contra: Demokratie ja, aber bitte anders!

Jede Stimme zählt – oder zahlt? So einfach ist das nicht. Man sollte auch hier differenzieren.

24.02.2020

Von Leonie Süss, Franz-Josef Stuss

Pro: Leonie Süss hat recht

Ja, wir sollten endlich einmal an ein Thema ran, das gerade für uns Deutsche zum Tabu geworden ist: Denn mittlerweile hat sich erwiesen, dass die Demokratie längst nicht mehr so tauglich ist, wie sie vorgibt zu sein. Es ist mit ihr und uns wie mit einer alten Ehe, man hat sich aneinander gewöhnt, aber es bräuchte dringend ein bisschen Fremdgehen, eine Auffrischung, eine Überarbeitung.

Nehmen wir doch nur Tübingen: eine ganz normale Kleinstadt mit ganz normalen Problemen und ganz normaler Regierung. Da gibt es die alltäglichen Begegnungen zwischen Rowdy-SUVs, Rüpelradlern und Panik-Passanten. Alle haben doch irgendwie Recht, aber wie viel gilt ihr Recht? Genau hier ist das Demokratiemodell Tübingen reformbedürftig. Da haben wir beispielsweise Erwin: Er ist starker Raucher, sein Body-Mass-Index (BMI) liegt bei 38, sein dritter Herzinfarkt gerade hinter ihm, er fährt Motorrad, und sein Alter ist 84. Seine Lebenserwartung liegt bei minus 4,9 Jahren. Doch das hat in unserer sogenannten Demokratie null Einfluss auf seine Stimmabgabe.

Seine Stimme zählt genauso viel wie die der süßen, superschlanken Leonie. Sie fährt Fahrrad, lebt vegan, ist gegen Masern geimpft und gerade mal 18 Jahre alt. Ihre Lebenserwartung liegt bei mindestens plus 72 Jahren. Lebenserwartungsgemäß haben wir hier eine Differenz von 76,9 Jahren, stimmmäßig steht es bislang aber 1 zu 1. Da sehen wir eine gewaltige Gerechtigkeitslücke.

Mit ein bisschen mehr Courage könnte unser Oberbürgermeister sie schließen. Tübingen taugt auch hier als Modell: Für den Anfang muss eine nach Lebenserwartung gestaffelte App- stimmung her. Natürlich sollte sie auf die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) abgestimmt sein – dann spricht wirklich nichts dagegen. Die Demokratie wird es uns danken!

Contra: Franz-Josef Stuss hat rechter

Der dickste Bauer hat die dicksten Kartoffeln. Und macht den nahrhaftesten Brei. Wenn Bundesrepublik der Vor- und Deutschland der Nachname ist, so ist doch ziemlich klar, wie der mittlere Name lauten muss: Leistung. Grade im Schwabenländle ist bekannt: Wer rastet, der rostet, und um ein Häusle zu bauen, muss man erst mal schaffen.

Dass ein 18-Jähriger das gleiche Mitspracherecht hat wie ein 60-jähriger Unternehmer im produktivsten Lebensalter, ist nur als fatale Verfehlung der Demokratie zu bezeichnen. Wie dick ist denn das virtuelle Geldbündel, das er an Steuern bezahlt hat? Wo ist seine Expertise, seine Erfahrung, wo schultert er die gesamtgesellschaftliche Last auch nur zu einem Mikrogramm mit? Und wieso schreien angesichts dessen eigentlich die jungen Leute am lautesten?

Dass ein freitäglicher Zukunftsfetischist über Vater Staats Entscheidungen mitreden will – geschenkt! Kann er ja wünschen. Aber warum heißt es Vater Staat? Weil Papa die Brötchen nach Hause bringt. Und weil Papa somit am besten weiß, welche Brötchen schmecken. Und deswegen sollten in diesem Land auch diejenigen mehr zu sagen haben, die sich mit leckeren Brötchen am besten auskennen: erfahrene Steuerzahler.

Es sollte der entscheiden, der die Bundeszuschüsse und Maßnahmenpakete am Ende bezahlt. Der die meisten Arbeitsplätze anbietet. Wer die dicksten Kartoffeln hat, darf am meisten entscheiden. Bisher nennt man Korruption, was endlich eine in Wahlrecht gegossene Regelung braucht. Daher: Wählen erst ab 100 000 Euro Jahresverdienst. Pro weitere 100 000 Euro kommt eine Stimme dazu. Und dem Klimawahn würde so auch endlich ein Riegel vorgeschoben. Denn was kümmert einen das Klima von morgen? Die schönste Atmosphäre spendet noch immer der 12-Zylinder mit vollautomatischer Prostata-Massage.

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Erstellt:
24. Februar 2020, 18:22 Uhr
Aktualisiert:
24. Februar 2020, 18:22 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2020, 18:22 Uhr

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