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Religion

Dem Antisemitismus die Stirn bieten

Vom 4. bis zum 17. November finden die Jüdischen Kulturwochen statt. Der Veranstalter lässt sich von dem Attentat in Halle nicht einschüchtern, hat aber die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

18.10.2019

Von MELISSA SEITZ

Die Synagoge in der Hospitalstraße wird seit dem Attentat in Halle rund um die Uhr überwacht. Foto: Gregor Bauernfeind/dpa

Stuttgart. Der Zaun vor der Stuttgarter Synagoge wird nicht geschlossen. Das ist für Barbara Traub klar. Das Attentat in Halle habe sie und ihre Mitarbeiter in der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) zwar nachdenklich gestimmt. Sie lassen sich aber nicht von den jüngsten Ereignissen einschüchtern, wollen weiterhin eine offene Gemeinde sein. „Diese Attentäter versuchen, Bürger zu isolieren und Angst zu verbreiten“, sagt die Vorstandsprecherin Traub. Und das dürfe nicht passieren. Genau aus diesem Grund werden die Jüdischen Kulturwochen in Stuttgart wie geplant vom 4. bis zum 17. November stattfinden.

„Wir wollen einen Dialog“, sagt Traub. Raus aus der Synagoge, rein in die Stadt, präsent sein und ins Gespräch kommen. Die jüngsten Tage hätten gezeigt, dass es nun umso wichtiger sei, die Tradition und den Reichtum der jüdischen Kultur in Deutschland zu zeigen. Die Vorstandsprecherin und die IRGW veranstalten über einen Zeitraum von circa zwei Wochen 35 Vorträge, Konzerten und Ausstellungen. Der Titel der Kulturwochen lautet „1919 – 2019: In Verantwortung für die Gesellschaft“. Vor 100 Jahren wurde die Weimarer Republik gegründet. In der damals jungen Demokratie übernahmen jüdische Bürger ganz selbstverständlich Verantwortung – so wie sie es auch heute tun.

Besonders die junge Generation will die IRGW in diesem Jahr ansprechen. Ein Projekttag für Schüler am 8. November unter dem Motto „Wir haben doch nichts gewusst!“ befasst sich mit der Frage, warum viele Deutsche im Nachhinein behaupteten, nichts vom nationalsozialistischen Völkermord bemerkt zu haben. Auch der Fußball spielt an diesem Tag eine Rolle: In Workshops für Schulklassen und Jugendgruppen werden Lebenswege jüdischer Spieler beim FC St. Pauli im Nationalsozialismus beleuchtet.

Bei einem Konzert am 10. November in der Liederhalle musizieren junge Solisten mit dem jüdischen Kammerorchester Nigun. Zwei Veranstaltungen in der Stadtbibliothek widmen sich der Kinderbuchautorin Mirjam Pressler. Für Traub hat der Fokus der Kulturwochen auf die junge Generation einen einfachen Grund: „Bildung ist für junge Menschen wichtig. Bei ihnen können wir noch Vorurteile abbauen, bei Älteren kann man nicht mehr so viel bewegen.“

Im Programm sind auch in diesem Jahr wieder Stadt- und Synagogen-Führungen und die Veranstaltung „Judentum durch die Küchentür“. „Es interessiert viele, wie koscher Essen schmeckt“, erzählt die Vorstandssprecherin.

Die Verkostung und Gedenkveranstaltungen finden im Gebetshaus in der Hospitalstraße statt. Seit dem Attentat in Halle stehen rund um die Uhr Streifenwagen vor dem Gebäude. „Wir haben die Sicherheitsvorkehrungen verschärft“, sagt Traub. Die traurige Wahrheit: „Jüdische Gemeinden leben schon immer mit dem Gedanken, dass etwas passieren kann.“ Deswegen sei dieser Schutz nichts Neues.

Verstärkter Polizeischutz

Weitere Kulturwochen-Veranstaltungen finden zum Beispiel im Rathaus, im Hospitalhof, im Literaturhaus oder im Stadtarchiv statt. Wird auch hier die Polizei präsent sein? Ja, sagt die Vorstandssprecherin der IRGW. Man arbeite mit den Sicherheitsbehörden zusammen, Veranstaltungen werden bewacht. Davon abschrecken lassen, das sollen sich die Besucher aber nicht.

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Erstellt:
18. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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