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Millionenbezüge

Debatte über Managergehälter kocht wieder hoch

Von gesetzlichen Begrenzungen halten viele Experten nichts. Parteien machen damit Wahlkampf.

18.03.2017
  • DPA

Frankfurt/Main. Die Debatte um Managergehälter kocht wenige Monate vor der Bundestagswahl wieder hoch. Schon lange stehen hohe Gehälter für Vorstandschefs oder üppige Boni für Banker in der Kritik. Doch durch den Fall von Ex-VW Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt, die nach 13 Monaten im Amt 12 Mio. EUR Abfindung bekam, scheint das Fass übergelaufen.

So will die SPD die steuerliche Absetzbarkeit von Managergehältern als Betriebsausgaben für Firmen begrenzen. Auch die CDU plädiert für strengere Regeln. Eine zentrale Frage lautet: Muss ein Vorstandschef sehr viel verdienen, weil er die Verantwortung für oft Zehntausende Mitarbeiter trägt? Kritiker haben nur begrenzt dafür Verständnis. „Wenn ein Vorstandsvorsitzender das 148-Fache eines Facharbeiters verdient, dann wird das eben nicht mehr als gerecht empfunden“, sagte jüngst Ingrid Schmidt, Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts. Zweistellige Millionengehälter gefährdeten den gesellschaftlichen Zusammenhalt. In Zeiten, in denen Populisten bei Wahlen erstarken, bekommt die Debatte so zusätzlichen Zündstoff.

Laut Anlegerschutzverein DSW verdienten Vorstände von Dax-Unternehmen 2015 im Schnitt das 50-fache von durchschnittlichen Mitarbeitern. Seit 2010 sei der Faktor etwas gefallen. „Der Trend zeigt hier in die richtige Richtung der Mäßigung“, sagt Gunther Friedl, Professor an der TU München. Ökonomen des Vermögensverwalters Flossbach von Storch sehen aber, dass Vorstandschefs davonziehen. Während das durchschnittliche Gehalt der Mitarbeiter von Dax-Konzernen zwischen 2006 und 2016 um 10,3 Prozent gestiegen sei, hätten die Bosse einen Sprung um gut 24 Prozent gemacht. Sie verdienten 2016 das 84-fache der Durchschnittsmitarbeiter. 2006 sei es noch das 70-fache gewesen.

Firmen argumentieren gern, nur mit hohen Gehältern könnten sie gute Führungskräfte gewinnen. Deutsche-Bank-Chef Cryan kritisiert zwar das Hochschaukeln von Chef-Gehältern, meint aber auch, dass ein Vorstand nicht dauerhaft auf Boni verzichten könne. Im globalen Vergleich sind Dax-Vorstandschefs zumindest nicht unterbezahlt.

Sie verdienten laut DSW im Jahr 2015 mit 5,1 Mio. EUR im Schnitt mehr als die Firmenchefs im französischen Leitindex CAC 40 (4,7), aber weniger als die Bosse im Schweizer SMI (6,8). Die Gefahr der Abwanderung bestünde demnach am ehesten in die USA. Dort erhielten Vorstandschefs 16,4 Mio. EUR.

Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, meint, der Verweis auf Wettbewerbsfähigkeit dürfe nicht dazu führen, „dass wir das ganze System nach oben verschieben“. Er plädiert dafür, dass der Aufsichtsrat maximale Obergrenzen festlegt, die Lage und Wettbewerbsumfeld von Unternehmen berücksichtigen. Die DSW nennt eine fixe Zahl: Sie fordert eine Obergrenze von 10 Mio. EUR im Jahr. Entscheiden müssten aber die Aktionäre und kein Gesetz, sagt Präsident Ulrich Hocker.

Die SPD-Pläne seien eine Symboldebatte, sagt Vergütungsexperte Friedl: „Die Vorstandsbezüge der Dax-Konzerne machen nicht einmal ein Prozent der Gewinne aus.“ Er fordert stattdessen mehr Transparenz in den Vergütungsberichten. Doch auch er erkennt eine Schwelle in der Öffentlichkeit: „Wenn das Gehalt einen zweistelligen Millionenbetrag überschreitet, endet meist die Geduld.“ dpa

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18.03.2017, 06:00 Uhr
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