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Stuttgart

Debatte über Kopftuchverbot für Mädchen unter 14

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) kann der Idee eines Kopftuchverbots für Mädchen unter 14 Jahren nichts abgewinnen.

07.04.2018

Von dpa/lsw

Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin in Baden-Württemberg. Foto: Marijan Murat/Archiv dpa/lsw

Stuttgart. «Ich persönlich halte nichts von solchen Verboten», sagte sie am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Das nordrhein-westfälische Integrationsministerium erwägt ein Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen. Der «Bild»-Zeitung sagte Integrationsminister Joachim Stamp (FDP), religionsunmündige Kinder dürften nicht dazu gedrängt werden, ein Kopftuch zu tragen. Daher sollte ein Verbot geprüft werden. Nur erwachsene Frauen könnten die Frage selbstbestimmt entscheiden.

Eisenmann erklärte: «Ohne Frage müssen alle Kinder in unseren Kindergärten und Schulen die Chance und Möglichkeit bekommen, sich in unserer Gesellschaft frei und selbstbestimmt zu entwickeln.» Toleranz, Weltoffenheit und Diversität gehörten an jede Schule und an jeden Kindergarten. «Deshalb arbeiten wir auch nicht mit Untersagen.» Sie erwarte, dass bei Problemen in Kitas und Schulen mit den Eltern gesprochen werde.

Ein Sprecher des Integrationsministeriums zeigte sich überrascht von dem Vorstoß aus NRW. Bisher sei diese Idee nicht in einer Länderkonferenz zur Sprache gekommen.

Auch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner tritt für ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren ein. Er sagte der dpa, ein solches Verbot sei verhältnismäßig und stärke die Persönlichkeitsentwicklung der Mädchen. «Es ist zugleich ein leider notwendiger Hinweis, dass unsere moderne Gesellschaft die individuelle Religionsfreiheit auch innerhalb von Familien verteidigt.»

Lindner sagte nun offensichtlich an die Adresse von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), statt sinnfreie Islamdebatten zu führen, setze Stamp auf «Entscheidungen für eine fordernde, liberale Integrationskultur». Die FDP-Bundestagsfraktion werde sich nach der Osterpause mit dem Thema beschäftigen und prüfen, wie die NRW-Initiative in den Bundestag getragen werden könne.

Die integrationspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Linda Teuteberg, begrüßte den Vorstoß von Stamp ausdrücklich. Damit Integration gelinge, müssten auch Konflikte in der Einwanderungsgesellschaft «offen und besonnen angesprochen werden», erklärte sie am Samstag.

Der WDR zitierte NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler mit den Worten: «Einem jungen Mädchen ein Kopftuch überzustülpen, ist pure Perversion. Das sexualisiert das Kind. Dagegen müssen wir klar Position beziehen.»

Der «Bild» sagte sie: «Lehrer beobachten an den Grundschulen immer häufiger, dass schon siebenjährige Schülerinnen mit Kopftuch in den Unterricht kommen.» In Ausnahmefällen erschienen sogar schon Kinder mit Kopftuch in den Kitas. Dem Kultusministerium in Stuttgart ist nicht bekannt, dass junge Mädchen immer häufiger schon im Kindergarten oder in der Grundschule ein Kopftuch tragen.

Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin in Baden-Württemberg. Foto: Marijan Murat/Archiv dpa/lsw

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Erstellt:
7. April 2018, 19:52 Uhr
Aktualisiert:
8. April 2018, 11:50 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. April 2018, 11:50 Uhr

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