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Dauereinsatz für Feinstaubputzer?
Die Spezialfahrzeuge reinigten im Schnitt sieben Kilometer Straße rund ums Neckartor. Foto: Lino Mirgeler/dpa
Luftreinhaltung

Dauereinsatz für Feinstaubputzer?

Die Dekra sieht den Kehrversuch am Neckartor als Erfolg, räumt aber ein, dass ein letzter Beweis für die Wirksamkeit fehlt. Der OB erwägt, das Projekt fortzuführen.

18.07.2018
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. Grobstaub beseitigen, bevor er klein gemahlen wird und als schädlicher Feinstaub durch die Luft fliegt – diese Idee steckt hinter der Straßenreinigung, die die Stadt mehrere Monate rund um Stuttgarts Schadstoff-Hotspot Neckartor unter Federführung der Prüfgesellschaft Dekra durchführen ließ. Nach einem ersten Test im Frühjahr 2017 wurde der Kehrversuch zwischen Oktober 2017 und April 2018 ausgedehnt. Jetzt liegen Ergebnisse vor, und die zeigen in der Tendenz, dass die Reinigung etwas gebracht haben könnte.

Die Auswertung der Daten belege, dass die Feinstaub-Konzentration an Reinigungstagen niedriger war als an Tagen, an denen nicht gereinigt wurde, sagte Dekra-Vorstandsmitglied Clemens Klinke am Dienstag im Technikausschuss des Gemeinderats. Ein weitere Erkenntnis sei, dass der Anteil des groben Feinstaubs PM 10, den man im Visier hat, an Reinigungstagen sank. Sein Fazit: „Wir sind überzeugt, dass die Reinigungsmaßnahmen wirksam sind.“

Einen Haken gibt es allerdings: Mit letzter Sicherheit kann nicht geklärt werden, welchen Anteil der Kehrversuch an den sinkenden Feinstaub-Werten hatte. So könnten auch meteorologische Faktoren eine entscheidende Rolle gespielt haben. In der Periode 2017/2018 regnete es viel, Luftaustausch und Temperaturverlauf waren im Sinne der Luftreinhaltung günstig, räumte Klinke ein.

Nichtsdestotrotz glaubt die Dekra an den Erfolg der Aktion. Zwei von drei Messstationen stützen ihre These vom erfolgreichen Reinigungsversuch auch, jene von der Prüfgesellschaft extra aufgestellte Station an der Heilmannstraße allerdings nicht. Diese sei jedoch nicht den Vorschriften entsprechend installiert worden – sie steht zu nah an der Straße und weist eine andere Luftdurchmischung als am Neckartor auf. Das könne der Grund sein, sagte Klinke.

So oder so: Das Ziel, die Werte so weit wie möglich zu senken, sei erreicht worden, sagte das Vorstandsmitglied. Die Zahl der Überschreitungstage sei in der vergangenen Feinstaub-Alarmperiode um 65 Prozent gesunken. 2018 könnte Stuttgart erstmals die Feinstaub-Grenzwerte der EU einhalten – in diesem Jahr wurden bislang 16 Überschreitungstage gezählt. Erlaubt sind 35. Einfluss auf die von der Landesregierung angekündigten Fahrverbote für Euro-4-Diesel ab 2019 hat das freilich nicht – diese hängen an den Stickstoffdioxid-Werten, die nach wie vor zu hoch sind.

Um zumindest die Feinstaub-Werte vollends in den Griff zu bekommen, plädiert die Prüfgesellschaft dafür, die Straßenreinigung ab der nächsten Alarm-Periode, die Mitte Oktober startet, fortzusetzen. Man wolle optimierte Reinigungsverfahren zum Einsatz bringen und auch die Messverfahren verbessern. „Wir haben da einige Ideen“, sagte Klinke.

Und die will OB Fritz Kuhn (Grüne) aufgreifen. Es gebe zwar keinen empirischen Beweis für den positiven Effekt, „aber es ist eine Plausibilität vorhanden, dass das Kehren etwas bringt“, sagte er. Dem Gemeinderat will er deshalb nach der Sommerpause „in der Tendenz“ einen Beschlussvorschlag vorlegen, nach dem die Reinigung ab Mitte Oktober fortgesetzt und womöglich sogar ausgeweitet werden könnte. Mit der Zustimmung der Mehrheit des Gemeinderats kann er vermutlich rechnen. Zahlen und Daten wollen die Räte zwar nochmal im Detail prüfen, viele signalisierten im Grundsatz jedoch Zustimmung. „In der Tendenz sagen wir ja“, ließ CDU-Fraktionschef Alexander Kotz Kuhn wissen. Und SPD-Fraktionschef Martin Körner bilanzierte: „Es bringt wohl was.“ Die Kosten für die Fortsetzung der Reinigung müsse jedoch die Autoindustrie tragen.

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18.07.2018, 06:00 Uhr
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