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Mannheim

Datenklau: Informatiker finden Zehn-Millionen-Dollar-Schatz

Auf große Sicherheitslücken im Internet haben jetzt Wissenschaftler der Universität Mannheim hingewiesen. In einem Zeitraum von sieben Monaten (April bis Oktober 2008) haben die Computerexperten einige Hunderttausend Zugangsdaten von mehr als 170.000 Opfern gefunden, die mit Hilfe von Schadsoftware (sogenannter "Malware") gestohlen wurden. Geschätzter Wert der Daten auf dem Schwarzmarkt: mehr als zehn Millionen Dollar.

30.01.2009

"Insgesamt fanden wir 10.775 Zugangsdaten zu Online-Konten, komplette Kreditkarteninformationen, Account-Daten für Auktionsplattformen, unzählige Passwörter für Freemail-Angebote wie Google, Microsoft oder Yahoo und Zugangsdaten für soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ", berichtet Thorsten Holz vom Mannheimer Lehrstuhl für Praktische Informatik 1.

Den Cybercrackern auf die Spur gekommen sind die Wissenschaftler, indem sie so genannte "Keylogger" unter die Lupe genommen haben. Keylogger sind Programme, die sich auf dem Rechner eines Opfers einnisten und sämtliche Eingaben protokollieren. Manche dieser Keylogger sind dabei bereits so ausgeklügelt programmiert, dass sie das Verhalten des infizierten Opfers genau beobachten und etwa nur beim Login in das Online-Banking-System eines Kreditinstituts tätig werden.

Die erbeuteten Daten werden dann an bestimmte Rechner im Netz gesendet. Von diesen "Dropzones", die wie Briefkästen funktionieren, kann der Angreifer bequem den Datenschatz abrufen. "Eine Dropzone ist einfach ein Server im Internet", so Holz, "die Kriminellen können darauf anonym zugreifen. Eine Identifizierung der Täter ist so natürlich schwierig. Das macht die Methode für Kriminelle attraktiv." Der Geschädigte bemerkt von alledem nichts.

Thorsten Holz und seine Kollegen haben Techniken entwickelt, um Dropzones im Internet systematisch aufzuspüren. Die Wissenschaftler haben Schädlinge und Trojaner entschlüsselt und die Orte abgefragt, wo diese ihre Ergebnisse speichern. "Wir haben mehr als 300 Dropzones gefunden. Zu gut 70 von ihnen konnten wir uns vollen Zugang verschaffen. Und dabei haben wir nur zwei von sieben großen Keylogger-Familien beobachtet", berichtet Holz. In welchem Stil im Internet Datenklau betrieben wird, lasse sich so nur vage erahnen.

Im Anschluss an die Studie haben die Wissenschaftler die sensiblen Daten an die Behörden und eine zentrale Sammelstelle für solche Funde übergeben. So können die Betreiber unsicherer Websites und die Opfer informiert und weitere Maßnahmen eingeleitet werden.

Um sich selbst vor Datenklau im Internet zu schützen, rät Holz: "Das Beste ist, nicht alle Links und Attachments anzuklicken, die man per E-Mail bekommt, denn oft sind es "böse" Anhänge oder der Besuch von dubiosen Internetseiten, über die man sich infiziert. Außerdem empfiehlt sich zeitnahes Einspielen von Sicherheits-Updates, damit man nicht einfach zum Ziel von Angriffen wird."

Die Studie ist im Internet abrufbar

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30.01.2009, 12:00 Uhr
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