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Das schwierige Geschäft mit den Bienen
Eine Imkerin aus Göppingen überprüft ihr Bienenvolk. Wenn das Wetter schlecht ist, gibt es nicht viel Honig. Foto: dpa
Hierzulande gibt es 100 000 Imker – 80 Prozent des Honigs kommen aus dem Ausland

Das schwierige Geschäft mit den Bienen

Die Biene ist ein wichtiges Nutztier der Menschen. Manche Imker klagen über Wetter und Pestizide-Einsatz. Andere sind wieder ganz zufrieden.

27.08.2016
  • DPA

Oppenau. Es summt. Aus fünf Holzkästen in einem Garten im badischen Oppenau fliegen unzählige Bienen heraus, schwirren umher. In einem der Bäume, einem so genannten Bienenbaum mit schier magischer Anziehungskraft auf die Insekten, ist das Summen besonders laut. Inmitten dieses Spätsommer-Idylls bei strahlend blauem Himmel steht Imkermeister Christoph Koch. „Meine Bienen“, sagt der 58-Jährige mit zärtlichem Blick auf die Kästen. Dann verhärtet sich seine Miene. Es laufe nicht gut. „Dieses Jahr war deutlich schlechter als 2015.“ Der Jahresumsatz seines Betriebs sank in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben von 200 000 auf 100 000 EUR . Die Perspektiven seien düster, die Probleme gravierend.

Koch zählt laut Bundesverband der Erwerbsimker zu 2400 Menschen, die nach EU-Definition Vollzeit-Imker sind. Nimmt man Freizeit-Bienenfreunde und Neben- erwerbler hinzu, sind es gut 100 000 Imker hierzulande. Die Profis sind also deutlich in der Unterzahl.

„Früher habe ich neben Honig auch Bienen verkauft, heute hingegen bin ich froh, wenn ich den Bestand erhalten kann“, sagt Koch. Nach seiner Darstellung liegt das besonders an Pflanzenschutzmitteln, welche den Orientierungssinn der Bienen störten und die Populationen dadurch schädigten.

Das Wetter hat ihm in diesem Jahr übel mitgespielt. Es sei mitunter so feucht gewesen, dass der Honig nicht habe reifen wollen. Bei dem Dauerregen vergangener Monate seien die Zufahrtswege zu den Standorten so schlammig gewesen, dass er bisweilen nicht zu den Bienen durchkam. „Ich konnte den Honig nicht holen – die Bienen haben den Honig dann selbst aufgegessen“, sagt der Imkermeister. Verglichen mit 2015 habe er Honigeinbußen von etwa der Hälfte gehabt.

Der Honigertrag sank in Deutschland verglichen mit 2015 laut Bienen-Fachzentrum Mayen um ein Sechstel auf 31,1 Kilo pro Bienenvolk. Allerdings war 2015 ein gutes Jahr, die Lager der Imker sind daher häufig noch gefüllt. Insgesamt gehe es der Branche nicht schlecht, meinen Experten – wobei die Situation regional sehr unterschiedlich sei.

700 Kilometer entfernt hat ein anderer Bienenfreund weniger Sorgenfalten. „Es läuft gut“, sagt der Berliner Imkermeister Christoph Maaßen. „Wir wachsen stetig und vergrößern den Betrieb.“ Die guten Geschäfte lägen auch am höheren Preis. „Früher hat billiger Honig aus Asien den Markt überschwemmt, inzwischen hat selbst China Importbedarf an Qualitätshonig.“

Es gebe zwar Widrigkeiten wie höhere Pestizide in der Landwirtschaft und Befall durch Schädlinge wie die Varroamilben, aber im Großen und Ganzen laufe es gut, sagt Maaßen. Der 27-Jährige gründete vor fünf Jahren in Berlin einen Imkerbetrieb, zunächst mit 100 Völkern, inzwischen sind es 300. In diesem Jahr habe er eine gute Ernte eingefahren. „Das relativ trockene Klima in Ostdeutschland kommt uns zugute, bei uns war es in den vergangenen Jahren im Sommer beständiger als in Süddeutschland.“

Sortenhonig ist für Imker ein gutes Geschäft – der Preis für Brombeer-, Edelkastanien- oder Weißtannenhonig kann doppelt so hoch sein wie für Mischhonige. Damit deutsche Imker Sortenhonig verkaufen können, muss der Pollenanteil der Pflanze je nach Art bei 20 bis 80 Prozent liegen. Etwa 80 Prozent des in Deutschland konsumierten Honigs kommen aus dem Ausland. Die wichtigsten Importländer sind Mexiko, die Ukraine, China und Argentinien. In der EU stammt viel Honig aus Bulgarien, Spanien, Ungarn und Rumänien.

Wie lange Koch noch Imker ist? Denkt er an Aufgabe? Unsinn, sagt er. „Was würde denn dann aus meinen Bienen?“

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27.08.2016, 06:00 Uhr
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