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„Das schafft man nur mit Herzblut“
Burkhard Schmilgun leitet seit 25 Jahren die cpo-Produktion. Die CD-Cover kennt jeder Klassikfreund. Foto: Privat
Burkhard Schmilgun ist seit 25 Jahren Produzent des ungewöhnlichen Klassiklabels cpo

„Das schafft man nur mit Herzblut“

Der Label-Name cpo hat unter Klassikfreunden einen guten Klang, dank mutigem Reportoire. Seit 25 Jahren leitet Burkhard Schmilgun die Produktion.

10.08.2016
  • BURKHARD SCHÄFER

Osnabrück. Die ersten Schallplatten haben die jpc-Gründer Gerhard Georg Ortmann und Johannes Stuckenberg 1970 auf zwei Tapeziertischen vor den Universitäten in Köln und Göttingen verkauft. Doch das war erst der Anfang: Vor 30 Jahren erschien die erste CD bei cpo, dem hauseigenen Klassik-Label von jpc. Seit 25 Jahren liegt die cpo-Produktion in den Händen von Burkhard Schmilgun. Wie kaum ein anderes Label steht cpo für Entdeckungen und randständiges Repertoire. Trotz Streaming-Angeboten läuft das Geschäft mit den physischen cpo-CDs „sensationell gut“.

Herr Schmilgun, wie kam es zur Gründung von cpo?

BURKHARD SCHMILGUN: Gerhard Georg Ortmann, der Gründer und Geschäftsführer von jpc, hat Mitte der 80er Jahre bemerkt, dass viele Kunden Klassikaufnahmen wollten, die die Großen wie EMI zu schnell wieder aus dem Katalog nahmen. Diese Kunden liefen Sturm bei jpc, sie fragten: Warum gibt es die Glasunow-Sinfonien nicht mehr zu kaufen? Da sagte sich Ortmann: Dann übernehme ich das doch von EMI und lege es für meine Kunden neu auf. Allerdings war damit noch kein Label gegründet. So stellte sich schnell die Frage, was an solch einer Veröffentlichung mit dran hängt, wie etwa der CD-Code. Das wusste er ja alles noch gar nicht. Da diese Vorgänge schnell ins Rollen kamen, brauchte das Kind zügig einen Namen. jpc saß damals noch in Osnabrück, da war es naheliegend, das neue Label „Classic Production Osnabrück“ zu nennen. Ja, und die neu aufgelegten Sachen wurden ihm bei jpc tatsächlich aus den Händen gerissen.

Wie kamen Sie bei cpo ins Spiel?

SCHMILGUN: Ortmann kam 1991 an einen Punkt, an dem er sagte: Entweder muss ich jetzt aufhören, weil es mir zu viel wird, oder es richtig machen und dann muss ich jemanden einstellen. Da fragte er mich, ob ich das übernehmen wolle. Ich musste mich entscheiden: will ich ins kalte Wasser springen? Es war eine Riesenchance für mich, ein Label zu übernehmen; einen Verlag, der sich genau um das kümmert, was mir am Herzen liegt. Denken Sie an die Raritäten wie Korngold, Hindemith oder Busoni! Ich hatte immer den Antrieb, mich für die Entrechteten einzusetzen.

Hatten Sie freie Hand bei der Programmplanung?

SCHMILGUN: Von Anfang an durfte ich machen, was ich wollte. Ich konnte etwas vorschlagen und es durchführen. Ich musste intern nie etwas groß durchkämpfen. Der Punkt war nur, es auch draußen realisieren zu können. Ich wollte dann gleich den ganzen Pfitzner rausbringen, was ich auch flugs realisiert habe (lacht). Das Ganze aber nur als reines Geschäft zu sehen, geht gar nicht, man schafft das nur, wenn man mit Herzblut an die Sache rangeht.

Wie konnten Sie Ihre Raritäten im kommerziellen Klassikmarkt durchboxen?

SCHMILGUN: Mir war von Anfang an klar, dass ich ein Nischenrepertoire nur dann realisieren kann, wenn ich Partner habe, ein Netzwerk aufbaue, verwandte Geister für die Sache gewinne. Auch aus dem Bereich Medien und Musik-Journalismus. Alleine geht so etwas nicht. Und vor allem brauchen Sie die Musiker, die das mittragen und das Engagement mitbringen, sich für unbekannte Komponisten einzusetzen, Leute wie Oliver Triendl. Oder Ulf Hoelscher, der bereit war, alle zwölf Spohr-Konzerte einzustudieren und aufzunehmen.

Damals war cpo sicherlich ein Vorreiter, heute gibt es mehrere Labels, die sich auf randständiges Repertoire spezialisiert haben …

SCHMILGUN: Meine Politik diesbezüglich hat sich gar nicht geändert. Wir sind diejenigen, die auf diesem Gebiet die Maßstäbe gesetzt haben. Wenn ich einen Komponisten einspielen möchte, den ich vorher noch nie hatte, dann mache ich nicht nur so eine Alibi-Geschichte mit einem kleinen Streichquartett, das ich hinter einem Mozart-Stück verstecke in der Hoffnung, irgendeiner wird schon merken, dass der Neue auch nicht schlecht ist. Nein, ich widme mich ganz systematisch dem neuen Komponisten und gehe sein ganzes Werk durch, so wie wir das mit Pfitzner und vielen anderen gemacht haben.

Haben Sie nicht Angst davor, dass Streaming-Dienste wie Spotify jpc und cpo bald überrollen?

SCHMILGUN: Die Grabgesänge auf die CD waren zunächst riesig, sind aber geringer geworden und haben sich auf einem niedrigen Niveau eingependelt. Wir verzeichnen keine großen Einbußen bei den Verkäufen an CDs. Der Markt für Vinyl-Schallplatten wächst rasant. Das Repertoire, das wir vertreten, hängt doch weit stärker am physischen Tonträger als etwa die Popmusik. Das haptische Element ist wichtiger, die Klassik-Klientel will gute Booklets, schöne Cover, etwas für Hand und Auge. Und der Sammelaspekt ist auch nicht zu vernachlässigen. Ich sehe die Entwicklung, kann aber sagen, für cpo läuft es sensationell gut.

Ihr Label lebt also von der konservativen, um nicht zu sagen analogen Klassik-Hörerschaft?

SCHMILGUN: Ja, es gibt unter unseren Kunden eine erstaunliche Anzahl an Personen, die noch nicht mal Internet haben. Oft erhalte ich sogar Briefe, entweder von Hand oder mit der Schreibmaschine geschrieben, in denen mir von Leuten – nicht nur aus Deutschland – völlig unbekannte Komponisten vorgeschlagen werden, die für cpo interessant sein könnten. Und so wichtig der Online-Shop von jpc für cpo-CDs auch ist, läuft bei uns immer noch viel über das analoge Kataloggeschäft.

Und Ihre Zukunftsträume für cpo?

SCHMILGUN: Ich habe hier Masterbänder für fünf Jahre liegen. Auf der Barockschiene ist noch unheimlich viel zu entdecken. 2017 ist Telemann-Jahr, von ihm wird noch einiges erscheinen. Viele Leute merken, dass cpo-CDs eine ganz persönliche Handschrift tragen und genau die macht es aus. Die beste Motivation für einen Verleger ist, wenn man selbst daran Interesse hat. Von vielen Produktionen könnte ich Ihnen ganz persönliche Geschichten erzählen.

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10.08.2016, 06:00 Uhr
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