Weniger ist mehr

Das neue Konzept der Kulturnacht fußt auf Fehleranalysen

Die Kulturnacht 2010 am 18. Mai soll sich auf weniger Veranstaltungen und die Bespielung der Kernstadt beschränken. Zum erstenmal sollen auch die teilnehmenden Künstler einen kleinen Betrag ausgezahlt bekommen.

18.12.2009

Von Peter Ertle

Tübingen. Was bisher geschah: Ein Blick zurück: Nach der ersten, erfolgreichen Kulturnacht an einem Samstag im Frühsommer 2007 wagte man sich im Jahr darauf an einem Freitag mit doppelt so vielen Veranstaltungen, nämlich insgesamt 120, weit vor ? und erlitt Schiffbruch, das heißt ein Defizit. Statt der erwarteten Vorjahresbesucherzahl von 4000 kamen 2500 Besucher. Der Arbeitstag Freitag erwies sich als weniger günstig, das Wetter war weniger gewogen und die hohe Zahl der Veranstaltungen, vor allem deren räumlich weite Streuung forderte ihren Tribut: An der Peripherie brachen die Zuschauer weg, nur die Veranstaltungen im Innenstadtbereich wurden gut angenommen.

An den Events in der City wurde allerdings bemängelt, dass zu wenig draußen auf der Gasse stattfand ? das stadtbelebende Flair fehlte. Desweiteren beklagten manche Veranstalter, dass sie nicht genug Eintrittsbändel vorrätig hatten und Leute umsonst reinlassen oder abweisen mussten. Manche Künstler beklagten, bei der Veranstaltung nicht mal ein Anerkennungssalär zu bekommen. Das Kulturnetz wiederum forderte nach dieser Erfahrung eine finanzielle Unterstützung seitens der Stadt ein. Ohne sei ein neues, die alten Fehler vermeidendes Konzept nicht durchsetzbar. Dieses Jahr gab es daraufhin keine Kulturnacht.

Wie es weitergehen soll: Heuer wurde das neue Konzept, das man vorlegte, im Gemeinderat trotz leerer Kassen mit einem Zuschuss von 15 000 Euro ausgestattet. Bei einem geplanten Gesamtetat von 70 000 Euro muss der große Rest natürlich immer noch teils als Eigenleistung der im Kulturnetz vereinigten Veranstalter, teils aus den Eintrittskarten, teils von (hoffentlich bereitwilligen) Sponsoren aufgebracht werden.

Um beim Eintritt zu bleiben: 12 Euro/ ermäßigt 7 Euro sollen die Eintrittsbändel kosten, egal ob im Vorverkauf oder an der Abendkasse, egal ob um 18 Uhr gekauft oder um 22 Uhr. „Vereinfachung? lautet hier das Motto. Und diesmal soll wirklich dafür gesorgt werden, dass neben den zentralen Bändelverkaufsständen auch an jedem Veranstaltungsort genug Eintrittskarten vorrätig sind, „und wenn ich sie am Abend persönlich vorbeibringe?, wie Michael Raffel auf der gestrigen Pressekonferenz versprach. Raffel ist der neue federführende Organisator. Er hat viele Jahre Erfahrung in der Mitorganisation des Bücherfests gesammelt, auch hat er sich als Ausstellungsmacher und Leseveranstalter („Der schwarze Vorhang?) einen Namen gemacht. Das gestern von ihm, Kulturnetzler Adalbert Sedlmeier und Kulturbürgermeisterin Daniela Rathe vorgestellte Konzept sieht vor:

Die Kulturnacht soll ab sofort im Zweijahresrhythmus ? alternierend mit der Reutlinger Kulturnacht ? stattfinden. Weniger Veranstaltungen ? diesmal 80 ? alle im Bereich zwischen Bahnhof, Neuer Aula, Haagtor und Kunstamt, mit zwischen 18 Uhr und 23 Uhr gestreutem Veranstaltungsbeginn. Das alles soll zu größerer Überschaubarkeit und Erreichbarkeit beitragen. Außerdem sollen die Gassen reger bespielt und schließlich 12 500 Euro an die Künstler ausgeschüttet werden. Das ist bei 80 Veranstaltungen nicht viel ? aber immerhin.

„Und natürlich wollen wir auch den ein oder anderen neuen Ort für Veranstaltungen auftun. Eine Kulturnacht soll ja auch eine Entdeckungsreise sein? sagt Adalbert Sedlmeier. Einen haben sie schon: Die Rathaus-Tiefgarage. Ab Januar soll über die Homepage des Kulturnetzes (www.kulturnetz-tuebingen.de) eine Börse eingerichtet sein, in der Orte, Themen, Veranstalter und Künstler sich koordinieren können. Am 12. Januar wird dann beim Runden Tisch Kultur alles Weitere festgelegt, von der Frage eines eventuellen Mottos bis zur Bewerbungsfrist.

Und was die Art der Veranstaltungen angeht: Von allen Kunstbereichen soll was dabei sein, für jedes Alter und am liebsten hätten sie natürlich lauter Veranstaltungen, die extra auf die Kulturnacht hin konzipiert werden, aber, so Sedlmeier, „das Budget erlaubt uns natürlich nicht, lauter exclusive Kulturnachtbeiträge in Auftrag zu geben.?Archivbild: Keicher

Bücherfest-Mitorganisator Michael Raffel kümmert sich nun auch um die Kulturnacht.

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Erstellt:
18. Dezember 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Dezember 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2009, 12:00 Uhr

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