TAGBLATT-Infoabend zur Vorsorge im Alter

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Experten empfahlen bei der TAGBLATT-Veranstaltung, sich mit unangenehmen Fragen des Lebens rechtzeitig zu beschäftigen und abzusichern.

18.05.2018

Von Andreas Straub

Rechtsanwalt Felix Barth klärte im Großen Sitzungssaal des Landratsamts über Erben und Vererben auf.Bilder: Straub

Reges Interesse an den Ständen und ein voller Saal bei den Experten-Vorträgen: 150 Besucher kamen am Mittwoch zum Infoabend „Alles geregelt“ des Verlags SCHWÄBISCHES TAGBLATT ins Tübinger Landratsamt.

„Wann ist ein Testament bindend? Wie wird meine Immobilie bewertet?“, fragt Elfriede Nohr aus Dettenhausen am Stand der Kreissparkasse. Der Bankbetriebswirt Dierk Jarmuth antwortete ausführlich und erklärte wie alle anderen Experten: Jeder Fall ist individuell, und es lohnt sich, rechtzeitig an später zu denken. Um sicher zu sein, dass ein Testament zum Beispiel genau so umgesetzt wird, wie es der Erblasser wünscht, bietet sich die Sparkasse seit einigen Jahren als Dienstleister an.

Mit der professionellen Testamentsvollstreckung soll das Erbe zügig verteilt und Streit vermieden werden. „Zügig bedeutet ein bis zwei Jahre, im Vergleich zu vielen jahrzehntelangen Verfahren. Die Nachfrage ist groß“, sagt Jarmuth, der sich zum Testamentsvollstrecker fortbilden ließ. Demnächst stößt eine weitere Kollegin zu seinem Team. In den letzten sechs Jahren hat er über 100 Mandate betreut. Rund drei Prozent der Erbsumme kostet der Service : „Bisher waren alle zufrieden“, erklärt Jarmuth.

Über Pflege und deren Kosten sprach Ralph Morgenstern von der Württembergischen Versicherung. Für einen Heimplatz werden derzeit monatlich rund 2200 Euro fällig. Es sei gut, dass es die gesetzliche Pflegeversicherung gebe, so Morgenstern. Doch die sei eben nur „Teilkasko“. Je früher man an eine private Zusatzvorsorge denke, desto besser.

Einen wenig bekannten Weg, das eigene Häusle zu Geld zu machen, zeigte Hans-Peter Vögele von Remax Immobilien auf: die Immobilien-Rente. Bei diesem Konzept wird das Haus verkauft und gegen eine monatliche Rente „eingetauscht“. Das lebenslange Wohnrecht bleibt erhalten. „Damit lässt sich zum Beispiel eine kleine Rente aufbessern“, erklärt Vögele.

Mittlerweile kein Tabu-Thema mehr sind Bestattungen. „Oft machen sich Menschen nach einem Trauerfall in der Familie Gedanken über den eigenen Tod“, berichtet Bestatterin Nadia Oberste-Lehn von Rilling & Partner. Viele wollten Angehörige entlasten und gleichzeitig ihre eigenen Vorstellungen durchsetzen. Daher schließen sie rechtzeitig einen Vertrag mit dem Bestatter ab, in dem zum Beispiel festgelegt ist, welcher Friedhof, welcher Pfarrer und welcher Sarg es sein soll.

„Nur zwei Dinge auf dieser Welt sind uns sicher: Der Tod und die Steuer“, zitiert Rechtsanwalt Felix Barth den US-Gründervater Benjamin Franklin. Die General- und Vorsorgevollmacht sei ein „Muss“ für den Fall: „Ich kann nicht mehr“. Gut sei eine Patientenverfügung, wenn jemand sagt: „Ich will nicht mehr“. Das Testament ist für den Fall: „Ich bin nicht mehr“. Ehepartner haben für eine Erbschaft einen Freibetrag von 500 000 Euro, Kinder von 400 000 Euro. Besonderen Schutz vor dem Fiskus genießen zudem Familienheime und Betriebsvermögen.

Ist nichts geregelt, greift die gesetzliche Erbfolge und es entstehen in der Regel Erbengemeinschaften. „Ich kenne keine Familie, in der danach noch alle miteinander sprechen“, sagt Barth. Streit über die Verteilung und Konflikte bei Entscheidungen seien programmiert. Oft kochten Emotionen aus der Vergangenheit hoch, wie im Beispiel zweier wohlhabender Brüder Anfang 60, die gegenseitig wieder an „Beschiss beim Monopoly“ in der Kindheit erinnerten. „Das Berliner Testament ist nicht die gesetzliche Erbfolge“, räumte Barth mit einem Mythos auf. Zunächst seien dabei die Ehegatten, dann die Kinder begünstigt. Zudem habe es eine Bindungswirkung, die sich nicht mehr revidieren lässt. Das könne, so Barth, ein Nachteil sein. Vorteil ist aber, dass es Erbschleicherei vorbeugt. Wer indes eine Ehe ohne Trauschein führe, sei vom Gesetzgeber bei den Erbfreibeträgen benachteiligt. Gleiches gelte für Kinder in Patchwork-Familien.

Daher empfahl Barth ein Testament, handschriftlich verfasst oder bei einem Notar abgegeben, das beispielsweise regelt, wie mit Pflichtansprüchen umgegangen wird und wer was bekommen soll. So könnten eigene Lebensumstände berücksichtigt und Streit ebenso wie Steuerzahlungen minimiert werden. Der wichtigste Tipp von Anwalt Barth: „Rechtzeitig alles regeln“. Nach der positiven Resonanz soll der Infotag im kommenden Jahr erneut angeboten werden.

Reges Interesse am Stand vom Bestattungsdienst Rilling & Partner.

Infos nicht nur für Ältere

Den Infoabend zur Vorsorge im Alter veranstaltete das SCHWÄBISCHE TAGBLATT erstmals. Er entstand, weil sich bei der Seniorenmesse Sen’Fit „viele für ausführlichere Vorsorge-Informationen interessierten“, sagt Organisatorin Eva Schneider. Unter dem Motto „Alles geregelt“ gaben Experten in Fachvorträgen und an Informationsständen Auskunft übers Erben und Vererben, über mögliche Bestattungsformen, über die Immobilien-Rente und über Kranken-Zusatzversicherungen: Bankbetriebswirt und Testamentsvollstrecker Dierk Jarmuth, die Bestattungsfachkräfte Nadia Oberste-Lehn und Celina Töllner, der Rechtsanwalt Felix Barth, Immobilien-Experte Hans-Peter Vögele und Ralph Morgenstern von der Krankenversicherung. Es moderierte TAGBLATT-Redakteurin Christiane Hoyer. Die nächste TAGBLATT-Veranstaltung, die sich an ältere Menschen wendet, ist die Seniorenmesse SenFit am 10. November.

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Erstellt:
18. Mai 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Mai 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2018, 01:00 Uhr

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