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„Das einzig Freiwillige bei der Feuerwehr ist der Eintritt“
Bei ihnen kann man noch mitmachen: Die Jugendfeuerwehr der Abteilung Stadtmitte – hier bei einem Treffen der Jugendfeuerwehren in Tübingen im Jahr 2015. Archivbild: Reeder
Kein Verein, sondern eine Pflichtaufgabe

„Das einzig Freiwillige bei der Feuerwehr ist der Eintritt“

Den Tübinger Feuerwehren gehen die Freiwilligen aus. Außerdem gibt es zunehmend Aufgaben, die Ehrenamtliche nicht mehr leisten können.

05.09.2017
  • Madeleine Wegner

Das Engagement und die Verpflichtung, für etwas da zu sein, wird immer weniger“, sagt Michael Oser, Kommandant der Tübinger Feuerwehr. Das ist in seinen Augen ein Grund dafür, warum sich immer weniger junge Menschen bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren.

Auf dem Land wollen noch viele zur Wehr

Doch der Feuerwehr-Nachwuchs verhält sich unterschiedlich in der Stadt und auf dem Land. „Da, wo wir ländliche Strukturen haben, wird Feuerwehr wie ein Verein gelebt“, sagt Kreisbrandmeister Marco Buess. Die Jugendfeuerwehren „auf dem flachen Land“ hätten daher kein Problem, Nachwuchs zu finden. Anders sieht es dagegen in der Stadt Tübingen aus. „In der Tübinger Jugendfeuerwehr könnte man mehr haben“, formuliert es Oser.

Wann der Einsatz kommt, lässt sich nicht planen

Ein weiterer Grund dafür könnte auch die große Verantwortung und damit verbundene Verpflichtungen sein. „Das einzig Freiwillige bei der Feuerwehr ist der Eintritt“, sagt Oser deshalb. Da von den Einsätzen Gesundheit oder gar Leben abhängen können, stehen regelmäßige Übungen und Trainingseinheiten für die Freiwilligen Feuerwehrleute auf dem Programm. Die Einsätze sind nicht planbar, „und sie kommen ja meist dann, wenn es gar nicht passt“, sagt Oser.

Das macht das Engagement für so manchen zusätzlich unattraktiv. „Beim Fußballverein weiß ich ja, dass ich Sonntagnachmittag kicke“, macht Oser den Unterschied deutlich. Bei der Feuerwehr gehöre somit auch viel Toleranz und Unterstützung von Seiten der Familie und Freunden dazu.

Was kann das Ehrenamt noch leisten?

Der Tübinger Kommandant ist froh, dass seine Feuerwehr „im Moment noch einigermaßen aufgestellt“ ist, gleichzeitig sorgt er sich: „Es wird sicher immer schwieriger werden in Zukunft.“ Die Gemeinden sind verpflichtet, eine leistungsfähige Feuerwehr bereit zu stellen. Auch deshalb sagt Oser: „Feuerwehren sind kein Verein, sondern eine Pflichtaufgabe.“

Für ihn stellt sich verstärkt vor allem die Frage: Was kann das Ehrenamt noch leisten? Die Themen werden immer spezieller, insbesondere wenn es darum geht, die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr wieder herzustellen, also Geräte und Fahrzeuge auf Vordermann zu bringen nach einem abgeschlossenen Einsatz. Für die Wartung gebe es sehr viele Vorschriften. „Das ist nicht so wie früher, dass der Gerätewart samstags mal für eine Stunde nach den Geräten schaut“, sagt der Feuerwehrkommandant. In Tübingen wie auch in Mössingen und Rottenburg sind deshalb Hauptamtliche für diese Aufgaben eingesetzt.

Die Ausrüstung selbst muss stetig dem Stand der Technik angepasst werden. Doch die Ausgaben der Tübinger Feuerwehr sind nicht wegen dieser Investitionen gestiegen, sondern weil erheblich mehr hauptamtliches Personal eingestellt wurde. Welches Material und wieviel Personal pro Feuerwehr nötig ist, definiert sich über das jeweilige Risiko im Einsatzgebiet. So spielt für Tübingen die Uni mit ihren teils hohen Häusern, aber auch mit den vielen Laboren eine Rolle, ebenso andere Forschungseinrichtungen, die Kliniken und die Altstadt.

Wo das Personal knapp wird, helfen die Nachbarn

Wenn es nicht genügend Feuerwehrleute vor Ort gibt, müssen andere zur Verstärkung einspringen. „Zwischen 8 und 16 Uhr alarmieren wir anders“, sagt Kreisbrandmeister Buess über die so genannten Schläfergemeinden, in denen tagsüber viele Feuerwehrleute außerhalb arbeiten. In diesen Gemeinden läuft die Alarmierung über die Einsatzleitungen. In Ammerbuch beispielsweise, wo viele Feuerwehrleute bei Daimler im Schichtbetrieb arbeiten, deren Zeiten sich überschneiden. „Da reagieren wir drauf, indem wir mehr Leute alarmieren“, sagt Buess.

Wo es knapp wird – entweder vom Personal oder von der Ausrüstung her – helfen sich vor allem die benachbarten Gemeinden aus. In Hirrlingen rückt bei Alarm tagsüber noch ein Löschfahrzeug aus Rottenburg zusätzlich an, Nehren und Dußlingen helfen sich laut Kooperationsvertrag in kritischen Zeiten aus. Und im Gewerbegebiet Mark West, das zu Kusterdingen gehört, übernimmt die Reutlinger Feuerwehr Einsätze, ebenso im Kirchentellinsfurter Industriegebiet Mahden.

Die Frage, ob kleinere Feuerwehren aufgelöst oder zusammengelegt werden sollten, wird immer mal wieder diskutiert. „Manchmal ist das ein guter Weg, der funktionieren kann“, sagt Oser und fügt hinzu: „Aber diese Diskussion kann auch gefährlich sein, weil man dabei etwas zerstören kann, was 150 Jahre funktioniert hat und so nicht wieder aufgebaut werden kann.“ Nicht zuletzt seien die kleineren Feuerwehren auch wichtig, um größere Einsätze ausgleichen zu können und genügend Personal etwa für Schichtablösungen zu haben. „Aus meiner Sicht müssen wir froh sein, dass wir kleinere Feuerwehren haben“, so Oser. Das treffe auch auf die Stadt zu: „In Tübingen können wir auf keine der Teilortfeuerwehren verzichten.“

Was kostet die Feuerwehr?

Pflicht Die Gemeinden sind verpflichtet, eine leistungsfähige Feuerwehr bereitzustellen. Außerdem schießt das Land über die Feuerschutzsteuer Geld hinzu. 2017 haben die Feuerwehren im Kreis Tübingen 640 000 Euro vom Land bekommen.

Ausstattung Die Investitionskosten fürFahrzeuge, Geräte und Feuerwehrhäuser lagen 2017 bei 1 Million Euro. Zum Vergleich 2016:

1,8 Millionen Euro, 2015: 1,5 Millionen Euro.

Personal In Tübingen werden dieses Jahr 3,2 Millionen Euro unter anderem für Personal ausgegeben. Im Jahr 2015 waren es 2,9 Millionen, 2016 3,1 Millionen Euro.

Die Feuerwehren in Tübingen einschließlich der Teilorte zählten im vergangenen Jahr 1922 Angehörige, im Jahr zuvor waren es 30 weniger. Zum Vergleich: In Rottenburg mit seinen 18 Teilgemeinden sind es 550 Feuerwehrleute.

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05.09.2017, 02:00 Uhr
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