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Das dunket mir goetlich

Hit me, hit me, hit me with your rhythm stick“, lautete eine Songzeile der Punkgruppe Blockheads. Die religiöse Spielart ist auf einer aus dem frühen 14. Jahrhundert stammenden Stiftsglocke zu lesen: „Hamer schlak mich das dunket mir goetlich“.

22.03.2008

Die Inschrift auf der ältesten, um 1300 gegossenen, direkt unter dem Gockel auf der Turmspitze sitzenden Glocke wiederum ist von rechts nach links geschrieben. Das sollte böse Geister vertreiben. Der Teufel, davon ging man aus, kann viel, aber eines sicher nicht: von hinten lesen.

Auf der 1469 gegossenen Breuningglocke wiederum steht (im Original auf Lateinisch): „Des Blitzes Strahlen sende Cirillius, Diener Christi, fern von uns, damit sie uns nicht versehren um des Todes Christi willen“: Ja, in früheren Zeiten glaubte man noch, durch Wetterläuten Gewitter, Sturm und Hagelschlag abhalten oder mildern zu können.

Der Namensgeber Vogt Konrad Breuning hat die Glocke gestiftet, angeblich aus Dank, nachdem er sich im Schönbuch verirrt hatte und durch Glockenklang auf den richtigen Weg gebracht worden war. Ein großes, aber auch durchtriebenes Geschenk. In seiner Stiftungsauflage steht, die Glocke müsse jeden Morgen und jeden Abend geläutet werden. Andernfalls gehe sie in den Besitz der Rottenburger. Es ist nicht klar, ob die Rottenburger seit 539 Jahren jemand nach Tübingen schicken, der das täglich überprüft. Nicht überliefert ist auch, was den Stifter zu dieser Gemeinheit bewog. Wollte er Streit provozieren?

Glockenstreit gab es, allerdings erst 1716 und um die Taufglocke. Sie hatte einen Riss bekommen und an Klang verloren, woraufhin ihr der Stuttgarter Glockengießer Christian Reihlen, „den Consonanz, wie er versprochen, ohnfehlbar geben“ sollte, „wenn Gott es zulasse“. Gott ließ es aber nicht zu. Oder Gott ließ es zu, aber Reihlen war nicht ohnfehlbar, denn: Die Glocke misslang. So hörten es zumindest die Tübinger und zahlten nicht. Dagegen klagte der Glockengießer am 15. Januar 1720 beim Landesfürsten: Die Glocke sei in Ordnung, ihr Klang erst moniert worden, als er um sein Geld gebeten habe.

Wie der Rechtsstreit ausging, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich hatten die Auftraggeber nicht ganz unrecht: Noch im Jahr 1891 wurde der Ton der Glocke in der Tübinger Chronik als „merkwürdig“ bezeichnet. Am Kranz biete sie ein deutliches „b“, weiter oben statt der erwarteten Oberterz die kleine Unterterz „g“ und ganz oben den schwachen Nebenton „es“. Die heutige Taufglocke stammt übrigens aus dem Jahre 1963, klingt sehr ordentlich und trägt die Inschrift: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“ Es ist von links nach rechts geschrieben. Entweder man geht inzwischen davon aus, dass der Teufel sowieso jede Verschlüsselung knackt. Oder dass er überhaupt nicht lesen kann.

Peter Ertle

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22.03.2008, 12:00 Uhr
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