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Stuttgarter Zoo

Das Ziel: Die beste Wilhelma sein

Nach der Tragödie in Krefeld werden die neuen Gehege im Zoologisch-Botanischen Garten mit moderner Brandschutztechnik ausgestattet. Um Ostern herum ziehen die ersten Tiere auf die Asienanlage.

13.01.2020

Von Melissa Seitz

Direktor Thomas Kölpin an einem der neuen Gehege in der Asienanlage: Dort ziehen in ein paar Monaten Kamele, Dammhirsche und Yaks ein. Foto: Ferdinando Iannone

Das Jahr startete mit einer Tragödie: Bei einem Großbrand im Zoo Krefeld ist das Affenhaus niedergebrannt. Fast alle Tiere starben. Ein Horror-Szenario für Thomas Kölpin: „Das war natürlich ein Schock für alle Zoos“, sagt der Direktor des Zoologisch-Botanischen Gartens in Stuttgart. Kölpin wohnt in der Nähe der Wilhelma und hat sich direkt am Neujahrstag selbst vergewissert, dass in seinem Zoo alles in Ordnung ist. „Man ist nie hundertprozentig vor solchen Szenarien geschützt“, sagt er.

Für den Fall der Fälle gibt es aber ein Evakuierungskonzept: „Große Tiere lässt man ins Außengehege, kleinere nimmt man unter den Arm und geht nach draußen.“ Vor allem in neuen Anlagen werde nun auf modernen Brandschutz geachtet – wie zum Beispiel in der Asienanlage, die seit Anfang vergangenen Jahres im oberen Teil des Parks entsteht.

Schon um Ostern herum werden Kamele, Yaks und Mesopotamische Damhirsche in ihr neues Domizil auf der Asienanlage einziehen. „Mit den Yaks haben wir eine neue Tierart in der Wilhelma“, sagt Kölpin. Sie leben bereits seit geraumer Zeit auf dem Zoo-Gelände, aber hinter den Kulissen – zur Eingewöhnung.

Die Kamele werden sich mit der Rinderart aus Zentralasien ein Gehege teilen: „Sie hatten zuvor noch nie einen Untermieter, aber das wird schon klappen“, ist sich der Direktor sicher. Die Besucher werden das Gefühl haben, im direkten Kontakt mit den Huftieren zu sein. Nur eine niedrige Absperrung und ein Trockengraben trennen sie von Kamel, Yak und Damhirsch. Und: „Die Schwaben-Wilhelma bleibt erhalten“, sagt Kölpin und lacht. Was er damit meint: Wer durch den Rosensteinpark läuft, wird weiterhin Tiere beobachten können – ohne dafür zu bezahlen.

Im Hintergrund laufen auch schon Vorbereitungen für die Elefantenwelt, die ebenfalls im oberen Teil des Parks entsteht. Die Wilhelma möchte einen artgerechten Umgang mit den Dickhäutern. Das bedeutet: weniger Kontakt mit den Pflegern und eine moderne Anlage, auf der Elefanten in Gruppen gehalten werden können. Junge Dickhäutern sollen von alten Herdenmitgliedern lernen, Familien sollen zusammenbleiben. Pfleger in der Wilhelma besuchen jetzt schon Schulungen, in denen sie das Prinzip „Protected Contact“ lernen: „Die Interaktion mit den Tieren findet nur durch das Gitter und eine Luke darin statt“, erklärt Kölpin. „Müssen sie zum Beispiel am Fuß untersucht werden, strecken sie ihn durch das Gitterfenster.“ Pfleger werden nicht mehr ins Gehegeinnere gehen.

Ende des vergangenen Jahres wurde zwischen Raubtierhaus und Bistro Belvedere ein neues Gehege fertiggestellt. Dort ist ein neues Zuhause für zwei Geparden-Brüder aus einem Zoo in Frankreich entstanden. Bisher bekamen die Besucher sie aber noch nicht zu Gesicht: „Sie haben Würmer mitgebracht und bekommen nun – wie bei normalen Hauskatzen eben auch – eine Wurmkur“, erklärt der Zoo-Direktor. Spätestens im Februar dürfen sie in ihr Außengehege.

Durch den Regenwald klettern

Im April hat das Hauptrestaurant des Zoologisch-Botanischen Gartens wieder eröffnet. Der Name des Bistros „Amazonica“ ist angelehnt an die angrenzende Anlage: das Amazonienhaus. In diesem Jahr wird diese Ecke der Wilhelma sich in eine Art Stuttgarter Amazonas verwandeln: „Bald beginnen die Arbeiten auf dem dortigen Spielplatz“, erzählt Kölpin. Das Gelände wird zum Regenwald-Spielplatz mit Möglichkeiten zum Rutschen, Klettern und Herumschwingen. Auch Wasserspiele sind in Planung. „Um Ostern herum sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein“, sagt der Zoo-Direktor.

Nicht in diesem Jahr, aber Ende 2021 wird voraussichtlich das Australienhaus, in dem sich zuvor das Südamerikahaus befand, fertig. „Im Moment entkernen wir das Gebäude und erneuern das Dach. Im Januar 2021 geht es dann mit der Innenausstattung weiter“, so Kölpin. Ende 2021 werden die ersten Tiere einziehen. Bis jetzt stehen noch nicht alle Bewohner fest. Klar ist aber, dass es Koalas, Kängurus und Tüpfelbeutelmarder zu bestaunen gibt.

Besucht man als Wilhelma-Direktor andere Zoos, um sich Inspirationen zu holen? Ja und nein. Kölpin geht gerne in Tierparks auf der ganzen Welt. „Einige Hundert sind es bestimmt schon gewesen.“ Seine Favoriten: der Zoo in San Diego, Sydney und Wien. „Natürlich schaut man, was die anderen machen. Doch es heißt nicht, wenn etwas für andere gut ist, dass es auch für uns gut ist“, erklärt Kölpin. Die Frage, die er sich immer wieder stellt, lautet deshalb: Wie kann die Wilhelma die beste Wilhelma sein?

Christmas Garden geht in die dritte Runde

Zur ersten Auflage des Lichtspektakels in der Wilhelma kamen rund 130 000 Menschen. 150 000 Besucher schauten sich den Christmas Garden an, der am 6. Januar zu Ende ging. „Es war toll besucht. Fast jeder Abend war ausverkauft“, bilanziert Direktor Thomas Kölpin. Klar ist, dass die Lichtinstallationen auch im Winter 2020/21 die Wilhelma erleuchten werden. Ein Konzept soll bis April ausgearbeitet werden. Sonderveranstaltungen stehen für 2020 wieder auf dem Programm. „Das Halloween-Event ist 2019 gut gelaufen“, erzählt Kölpin. In der sonst eher gering frequentierten Jahreszeit sollen auch in diesem Jahr am 31. Oktober Besucher in die Wilhelma gelockt werden. Konzerte im Zoologisch-Botanischen Garten sind ebenfalls geplant. sei

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Erstellt:
13. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2020, 06:00 Uhr

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