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Das Winning-Gen

Martina Koederitz ist Deutschland-Chefin von IBM mit rund 20000 Mitarbeitern. Nicht zufällig. Seit 2011 steht sie an der Spitze der Geschäftsführung von IBM Deutschland. Bereits als 23-Jährige war sie bei IBM und hat dort auch ihr duales Studium absolviert. Eine Bilderbuchkarriere?

13.10.2017
  • TEXT: Simone Maier|FOTOs: IBM/Privat

Etwas, das ganz schnell klar wird, wenn man mit Martina Koederitz spricht: die Frage nach dem Geschlecht ist keine. „Es ist mir egal, wo, wie, wann und mit wem meine Mitarbeiter arbeiten, solange ihre Arbeit gut ist,“ so die selbstbewusste Deutschland-Chefin von IBM. Zentral für den Erfolg eines Unternehmens seien die strategische Förderung von Talenten im Unternehmen und selbstverständlich flexible Arbeitszeiten. „Talente fallen einem nicht auf den Tisch,“ so Koederitz. Flexible Arbeitseinteilung ist ein wichtiges Stichwort für sie. Gerade auch dann, wenn es um die weiblichen Führungskräfte im Unternehmen geht. Mit Blick auf Familie und Freizeit aber auch der Pflege von Angehörigen – damit geht die IBM Unternehmenskultur gut und verantwortungsvoll um. Das ermöglicht den Talenten nicht zuletzt, Karriere zu machen.

Schwäbische Wurzeln

In Sindelfingen geboren und zur Schule gegangen, ist Koederitz fest im Schwabenland verwurzelt. Auch zum Studieren ist sie in Stuttgart geblieben. Und wer jetzt denkt, dass sie Englisch und Kunst als Leistungsskurse hatte, liegt auch falsch. Nein. Mathe und Chemie waren ihr „pragmatischer Ansatz.“ Denn diese Fächer versteht man oder man versteht sie nicht. Sie hat sie verstanden und sie deshalb auch gewählt. Vielleicht war auch der Vater als Ingenieur eine Inspiration für sie. Jedenfalls fühlte sich das duale Studium in Stuttgart richtig für sie an. Sie hat bei IBM eine fundierte Ausbildung genossen, wurde gefördert und hüpfte von Projekt zu Projekt. „Der Aufbruch in die dezentralisierte Welt ging Ende der 80er Jahre los,“ so Koederitz. Sie wechselte innerhalb des Unternehmens in den Vertrieb und wurde mit verschiedenen Vertriebsaufgaben betraut. Hat niemanden enttäuscht. So kam es dann auch, dass sie bereits mit 30 im Key Account Management ankam. Anfang der 90er dann auch der Umbruch bei IBM mit CEO Lou Gerstner. „Da gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder mitmachen oder mitgenommen werden.“

Lieber gewinnen

Letzteres kam für Koederitz nicht in Frage. „Ich habe ein Winning-Gen in mir. Möchte gewinnen. Die Beste sein,“ so Koederitz. Das war schon früher so – in der Leichtathletik zum Beispiel oder beim Tennis. Ehrgeiz hatte sie schon immer.

Der war auch bei IBM zu spüren und bereits 1998 wurde sie Führungskraft im Konzern. Der klassische Weg: Vom Assistent zum Chef. So wie es in vielen Unternehmen zu sehen ist. Als sie Station im Headquarter in Frankfurt machte, dort viele Talentförderprogramme durchlief war ihr klar „Ich will ins Higher Management.“ Ein ganz klarer Plan: Bis sie 40 war, wollte sie „Executive“ auf der Visitenkarte stehen haben. Etwas, das bis dahin noch nicht vielen Frauen im Konzern gelang. Mit Biss, Intelligenz aber vielleicht auch dem Quentchen Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein, schaffte sie das.

„Man darf nicht vergessen, dass die IT-Welt schon lange kein rein technisches Feld mehr ist. Hier im Konzern geht es vielmehr um Beratung, Projektentwicklung und kreative Lösungen. Und das sind schließlich Felder, in denen Frauen seit jeher punkten,“ so Koederitz.

Always on

Zuerst leitete sie den Vertrieb für Finanzdienstleistungen dann den für Großrechner. Vertrieb ist ihr Ding. Denn Vertrieb ist „Teamarbeit. Und die Zusammensetzung der Teams spielt eine wichtige Rolle: hohe Diversität mit flexiblen Teams. Wenn das erfolgreich ist, kommt man voran im Unternehmen,“ ist Koederitz überzeugt. Intern ging die Reise für die Managerin dann weiter nach Paris und in den Stab des damaligen Chairman Sam Palmisano nach Armonk, USA. Als „sehr interne Arbeit“ bezeichnet Koederitz diese Erfahrung. Im Wesentlichen ging es um strategische Fragestellungen. Gelernt hat sie dort, wie Entscheidungen getroffen werden. Dennoch ist ihre Welt die Gegenwart. „Ich bin ein Gegenwartsmensch. Im Markt zu arbeiten, das ist mein Ding.“ Die richtigen Leute fürs Top Management zu gewinnen, das treibt sie um, denn sie ist voll davon überzeugt, dass das richtige Team den Erfolg des Unternehmens aussmacht.

Selbstmarketing vonMännern lernen

Für Martina Koederitz wirkt ihre Funktion als Führungskraft ganz selbstverständlich. Ihre Worte sind weise gewählt, aus der Reserve lockt man sie kaum. Dass der Weg für Frauen nach oben oft deutlich steiniger ist als für Männer liegt für sie nicht an Qualifikation oder Willenskraft sondern vielmehr daran, dass Männer mehr in ihr Selbstmarketing investieren. Ihren Platz in der Rangordnung gerne weit oben sehen. Unbequemer sind und dafür auch schon mal auf die Etikette pfeifen. Oder wie sagt es die derzeitige Vorstandsvorsitzende von IBM worldwide, Gini Rometty, sehr trefflich: „You have to learn to be comfortable with being uncomfortable.“

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13.10.2017, 08:30 Uhr
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