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Kurzinterview Merve Kayikci

„Das Verbot des Kopftuchs ist lächerlich“

Das Land will keine religiösen Symbole im Gerichtssaal – für die Feministin Merve Kayikci ein fatales Signal.

12.12.2016

Von ROLAND MÜLLER

„Dieselben geistlosen Debatten“: Merve Kayikci. Foto: privat

Stuttgart/Tübingen.

Im Land soll ein Kopftuchverbot für Richter und Staatsanwälte gelten. Was halten Sie davon?

Merve Kayikci : Nichts – es ist eine reine Äußerlichkeit. Es ist doch klar, dass jeder Richter unter der Robe auch ein Mensch ist und keine Maschine. Jeder hat privat eine politische Meinung, ist vielleicht CSU-Mitglied, Vegetarier, homosexuell, hat womöglich Tätowierungen – aber trotzdem trauen wir ihm zu, dass er differenziert urteilen kann. Auch eine Muslima ohne Kopftuch ist ja Muslima. Ich finde es lächerlich, zu unterstellen, dass ein Stück Stoff mein Urteilsvermögen beeinflusst.

Die Politik will ja eigentlich mehr Migranten im Staatsdienst...

De facto verbietet der Staat auf diese Weise gläubigen Muslimas, Richterin zu werden. Dabei hat er eine Vorbild-Funktion: Wenn der Staat mit diesem Beispiel vorangeht, wie sollen da Unternehmen diskriminierungsfrei mit den Frauen umgehen?

Sie haben in Tübingen Jura studiert – was hat sich seitdem geändert?

Bei mir viel, in Deutschland leider wenig. Als ich angefangen hatte, Jura zu studieren, dachte ich, wir befinden uns im Umbruch. Ich dachte, die muslimische, kopftuchtragende Akademikerin könnte das Bild des Islams in Deutschland verändern. Ich dachte, dass die Gesellschaft offener wird und muslimische Frauen als Bereicherung wahrgenommen werden. Stattdessen diskutieren wir immer wieder dieselben geistlosen Fragen: Was darf eine muslimische Frau anziehen? Wo darf sie hin? Was darf sie tun?

Kritiker sagen, das Kopftuch sei ein Zeichen der Unterdrückung.

Jede Frau muss individuell entscheiden, ob sie das Kopftuch tragen will oder nicht. Niemand sollte dazu gezwungen werden. Und niemand sollte dazu gezwungen werden, es abzulegen. Aber wenn junge, selbstbewusste Muslimas mit Kopftuch studieren, wenn es Akademikerinnen mit Kopftuch gibt – dann wäre doch genau das ein Zeichen gegen die Unterdrückung und für die Selbstbestimmung der muslimischen Frau.

Zur Person

Merve Kayikci (22) ist Aktivistin für Frauenrechte, studiert derzeit an der Hochschule der Medien in Stuttgart und bloggt unter www.primamuslima.de rom

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Erstellt:
12. Dezember 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Dezember 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2016, 06:00 Uhr

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