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Unwetter

Das Unheil aus den Anden

Wolken ziehen vom stark erwärmten Pazifik ins Gebirge und verstärken die Regenzeit in Peru. Die Lage für hunderttausende Menschen ist katastrophal. Die Gründe: Armut und Mangel an staatlicher Planung.

27.03.2017
  • HILDEGARD WILLER, KNA

Lima. Häuser, wo keine Häuser stehen dürften. Menschen, wo sich keine aufhalten dürften. Keine Planung, aber Korruption und Betrug: Die Unwetterkatastrophe in Peru trifft vor allem die Armen im Norden. Erdrutsche und Überschwemmungen haben bis gestern 90 Menschen getötet. 20 wurden vermisst, 750 000 sind obdachlos geworden. Und es regnet weiter. 

Aus der ganzen Welt sind schon hunderte Tonnen an Hilfsmitteln geschickt worden, vor allem Decken, Zelte und Lebensmittelpakete. Die Bundesregierung stellt über das Rote Kreuz 225 000 Euro für Projekte zur Wasserversorgung und -aufbereitung, Hausbau und Schutz vor Regen zur Verfügung.

Das Klimaphänomen El Niño entwickelt sich seit Wochen anormal. Das Oberflächenwasser vor der Pazifikküste ist um 5,5 Grad wärmer als üblich, stellenweise sogar bis zu 10 Grad. Es verdunstet, die Wolken ziehen über die Anden und regnen ab.

Die Katastrophe nur auf das Klima zu schieben, wäre falsch, wie sich an Planungs- und Bausünden in Huachipa, einem großen Armenviertel zwischen der Hauptstadt Lima und den Anden, zeigt. Staubtrocken und grau sind dessen Hänge normalerweise. Hier regnet es nie – und gerade deswegen ist es ein Problem, wenn auf einmal zu viel Wasser von den Anden herunterkommt.

„Wir konnten jeden Tag sehen, wie der Fluss Huaycoloro anschwoll und das Fundament unserer Häuser aushöhlte“, sagte die 41-jährige Fabrikarbeiterin Maribel Simon. Sie zeigt auf ein Häuschen in etwa 100 Metern Entfernung: Der vordere Teil existiert nicht mehr, der hintere Teil steht haarscharf am Abgrund zum Fluss. Maribel und ihre sechsköpfige Familie können darin nicht mehr wohnen.

Peru ist ein Land der geografischen und klimatischen Extreme: Die gesamte Küste ist eine Wüste. In den Anden aber regnet es von Dezember bis März und die sonst trockenen Flüsse füllen sich mit Wasser.

Alle 10 bis 15 Jahre wird das katastrophal. Dann erwärmt sich der Pazifik, El Niño lässt es in den Bergen ununterbrochen regnen, aus Rinnsalen werden reißende Fluten, die auf dem Weg ins Tal alles mitnehmen, was ihnen im Weg steht: Häuser, Felder, Menschen, Tiere, Autos, Steine. Die großen Städte Piura und Trujillo im Norden stehen unter Wasser, sobald ein neuer „Huayco“, eine Schlammlawine, die Anden herunterdonnert.

Warum dieser El Niño so großen Schaden anrichtet, zeigt sich am Beispiel von Maribel Simon. „Vor fünf Jahren wurde unser Haus schon mal überschwemmt“, sagt sie. Dennoch hat die Familie ihr Haus wieder an derselben Stelle, direkt am trockenen Flusslauf, errichtet.

Die Stelle war ihr Eigentum. Die Gemeinden haben es versäumt, Ufer zu befestigen, Abflüsse zu bauen oder die Leute aufzuklären. „Planende Voraussicht ist keine Stärke unseres Landes“, sagt Norbert Strotmann, der Bischof der Diözese Chosica.

Wegen der Überschwemmung gibt es kaum Trinkwasser. Tagelang kam in der Neun-Millionen-Stadt Lima kein Tropfen aus der Leitung. Das Flusswasser war so stark verschmutzt, dass der staatliche Trinkwasserversorger es nicht aufbereiten konnte. Schulen und Universitäten sagten Unterricht ab.

Es gibt Anzeichen, das sich El Niño abschwächt. Wetterexperten sind aber sicher, dass der Regen bis April anhält.

Hildegard Willer, kna, dpa

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27.03.2017, 06:00 Uhr
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