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Wie tot ist die Romantik?

Das Tübinger Zimmertheater gastiert auf den Ruhrfestspielen in Recklinghausen

Das Tübinger Zimmertheater trägt einen Doppelabend zu den Recklinghäuser Ruhrfestspielen bei, die in diesem Jahr den „Kontinent Kleist im romantischen Meer“ (so der Festival-Titel) entdecken möchten.

23.01.2010
  • Wilhelm Triebold

Recklinghausen/Tübingen. 46 Produktionen in 208 Aufführungen kommen zwischen Anfang Mai und Mitte Juni in Recklinghausen heraus, darunter sieben Uraufführungen oder deutschsprachige Erstaufführungen.

Neben dem Hamburger Deutschen Schauspielhaus, dem Wiesbadener Hessischen Staatstheater und den Ruhrfestspielen selbst, die mit dem Grand Théâtre de Luxembourg kooperieren, sind aus der hiesigen Region zwei dabei: Zum einen das Melchinger Regionaltheater Lindenhof, das (wie berichtet) Erik Gedeon das Stück „Theatertreffen – Ein Songdrama“, schreiben, komponieren und inszenieren lässt. Und zum zweiten das Tübinger Zimmertheater, das am 30. Mai im Theaterzelt neben dem Festspielhaus die Produktion „Romantik is dead!“ herausbringt.

Bereits im letzten Jahr waren die Tübinger in Recklinghausen vertreten. Allerdings war Werner Fritschs „Bring mir den Kopf von Kurt Cobain“ künstlerisch schon fast unter den Flops zu vermelden.

Neues Jahr, neues Glück: „Romantik is dead!“ ist ein zweiteiliger Theaterabend. Er besteht aus der deutschsprachigen Erstaufführung von George F. Walkers bereits 333 Jahre altem Stück „Zastrozzi“, das in „einer Mischung aus Melodram und B-Movie“ der Nachtseite von Percy Bysshe Shelleys gleichnamigem Schauerroman nachspürt. Darin startet der Titelheld einen Rachefeldzug: „Schon bald pflastern Leichen von hübschen, sich nach seiner Liebe verzehrenden Frauen und sich gottgleich fühlenden Künstlern seinen Weg“, so das Zimmertheater. Von Walker hat bereits das LTT dessen Stück „Heaven“ gespielt.

Inszenieren wird „Romantik is dead!“ der Zimmertheater-Kointendant Christian Schäfer. Dem „Gestern“ des englischen Gothic-Romantikers Shelley, der auch als Byron-Freund und Gatte von Mary Wollstonecraft Shelley („Frankenstein“) erwähnenswert ist, folgt das „Heute“: Als zweiten Teil des Abends verwendet das Zimmertheater Joachim Zelters Bühnenstück „Die Lieb-Haberin“, das der Hausautor mittlerweile bei Klöpfer & Meyer“ auch als Roman herausgebracht hat.

Joachim Zelters – trotz des Titels – dann doch männliche Hauptperson doziert von Berufs wegen über die schwarze Romantik, scheitert aber an der Unmöglichkeit, die historischen romantischen Ideal mit den aktuell romantischen Anwandelungen im Privaten in Einklang zu bringen. „Tragikomisch, letztlich eine Komödie“, befand das TAGBLATT über das Buch. „Aber eben keine leichte, beliebige Kost. Höhepunkte einer komischen Odyssee.“ Und die FAZ meinte: „Kokett und britisch unterkühlt, verspielt wie Jean Paul und geistreich wie Oscar Wilde Sein tragikomischer Romeo ist im Grunde ein Hamlet, zu tatenarm und gedankenvoll, um lieben zu können. Zelter ist darum noch kein Shakespeare. Aber seit Dietrich Schwanitz hat kein deutscher Anglist die Sprache der Liebe mit mehr Esprit dekonstruiert und weniger Herzblut gerettet.“

Drei Mal spielt das Zimmertheater sein „Romantik is dead!“ in Recklinghausen. Die Produktion wird dann im kommenden September die neue Spielzeit eröffnen. In der laufenden Saison gibt es eine Änderung: „Die Hölderlin-Vorlesung“, die Ex-Stadtschreiberin Lisa-Marie Dickreiter dem Philosophen Heidegger brandneu andichten wollte, wird auf die nächste Spielzeit verschoben, denn die Autorin hat derzeit schwer zu tun (Drehbücher und Romane). Des weiteren entfällt wegen der Teilnahme an der Ruhrfestspielen auch Eugene Ionescos „Die Kahle Sängerin“, die im Juni herauskommen sollte. Stattdessen zieht das Zimmertheater ein weiteres Werk des großen Absurden vor: Am 16. April ist in der Alten Anatomie die Premiere von Ionescos „Die Unterrichtsstunde“.

Das Tübinger Zimmertheater gastiert auf den Ruhrfestspielen in Recklinghausen
Letztes wie dieses Jahr der Zimmertheater-Spielort in Recklinghausen: Das Theaterzelt auf dem grünen Festival-Hügel. Bild: Ruhrfestspiele

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23.01.2010, 12:00 Uhr
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