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Operationen für Studenten live im Internet

Das Tübinger Anatomie-Projekt "Sectio Chirurgica" ausgezeichnet

Ein Fachmann operiert, per Live-Übertragung im Internet schauen 19.000 Menschen zu: Mit dem Projekt "Sectio Chirurgica" ist die Tübinger Anatomie nun ein "Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen".

27.07.2015

Von MADELEINE WEGNER

Tübingen Punkt 16 Uhr: Die Anatomie der Universität Tübingen geht auf Sendung. Über 19 000 registrierte Studenten, Ärzte und andere medizinische Fachleute können nun übers Internet mitverfolgen, wie die Chirurgin Marty Zdichavsky eine entzündete Gallenblase minimal-invasiv operiert. Bernhard Hirt, Leiter der Anatomie-Abteilung, und der Radiologe Konstantin Nikolaou erläutern im Gespräch mit der Chirurgin den Eingriff am anatomischen Präparat.

Seit 2008 ist das Institut für klinische Anatomie und Zellanalytik mit dem interaktiven Lehr- und Fortbildungsangebot "Sectio Chirurgica" online. In diesem Jahr gehört das Institut mit seinem Projekt zu den Preisträgern im Bundeswettbewerb "Ausgezeichnete Orten im Land der Ideen". Die Initiative "Deutschland - Land der Ideen" würdigt damit innovative Ideen. Zu dem diesjährigen Motto "Stadt, Land, Netz! Innovationen für eine digitale Welt" hatten sich über tausend Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Vereine beworben. Am Freitag überreichten Christine Montigel von der Initiative und Mathias Holz vom Kooperationspartner Deutsche Bank die Preisträger-Urkunde - in einer Sondersendung der "Sectio Chirurgica", die natürlich live im Netz übertragen wurde.

Und damit zurück ins Studio der Tübinger Anatomie: Hier diskutierten live Vertreter der Stadt, der Industrie und der Uni. "Digitalisierung der Medizin steht wirklich am Anfang", fasste Anatomie-Leiter Hirt zusammen. Der leitende Ärztliche Direktor des Tübinger Universitätsklinikums, Michael Bamberg, prognostizierte eine größere digitale Verzahnung und damit eine stärkere Anbindung ländlicher Praxen an die großen Zentren. Bamberg zeigte sich überzeugt: "Diese Vernetzung wird zukünftig weiter voranschreiten." Als ein Beispiel nannte er das virtuelle Sprechzimmer der Kinderklinik.

Gesundheitswirtschaft ist eine der stärksten Branchen in der deutschen Industrie. Christian Erbe, Medizintechnik-Unternehmer und Präsident der IHK Reutlingen, ging davon aus, dass auch im Gesundheitswesen digitale Lösungen eine große Rolle spielen werden. So kann das Smartphone schon jetzt auch medizinische Daten sammeln: Unter den 33 Millionen existierenden Apps seien bereits heute 55 000 Anwendungen zu medizinischen Themen - Fitness-Programme gar nicht eingerechnet. Hirt wies darauf hin, dass im Gesundheitswesen der Datenschutz eine besonders große Rolle spielt.

Nierentransplantation, Herzklappen-OP, Adipositas- oder Wirbelsäulenchirurgie: In der "Sectio Chirurgica" operieren Experten verschiedener Disziplinen. Außerdem erklären sie beispielsweise die vorbereitenden CT-Bilder. So kommen Themen aus Radiologie, Anästhesie, Medizintechnik und Notfallmedizin, Anästhesie und Radiologie hinzu.

Der Zugang zur Tübinger Internetplattform ist kostenlos, Fachleute aus medizinischen und medizinnahen Berufen müssen sich lediglich auf der Internetseite registrieren. Zu den bereits angemeldeten Nutzern - statistisch ist das jeder vierte Medizinstudierende bundesweit - gehören auch Hörsäle deutscher Universitäten, manche von ihnen haben die Übertragungen in ihren eigenen Lehrplan aufgenommen. Zudem gibt es auch immer mehr internationale Nutzer. Einzelne Folgen wurden bereits live ins Englische übersetzt. Über die Mediathek lassen sich bereits gezeigte Sendungen abrufen.

Eine Besonderheit ist die interaktive Gestaltung. Im Chat können die Zuschauer den Experten live Fragen stellen. Doch Professoren wie auch Studenten waren sich bei der Preisverleihung einig: So sinnvoll das Projekt "Sectio Chirurgica" zur Ergänzung im Studium auch ist: Den Präparierkurs an Leichen, der zum ersten Abschnitt der ärztlichen Ausbildung gehört, kann und soll das Projekt nicht ersetzen.

Chirurgin Marty Zdichavsky operiert am Präparat, Tausende können online zuschauen: Das ermöglicht das Tübinger Projekt "Sectio Chirurgica". Foto: Madeleine Wegner

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Erstellt:
27. Juli 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Juli 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2015, 12:00 Uhr

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