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Das Tübinger 84.000-Liter-Weinfass kann wieder besichtigt werden
Gestern bei der allerersten Führung inspizierten Tübinger Stadträtinnen und -räte und Verwaltungsangestellte das Riesenfass, auf das besonders Oberbürgermeister Boris Palmer (links) stolz ist. Bild: Faden
Ein Prestigeobjekt des Herzogs

Das Tübinger 84.000-Liter-Weinfass kann wieder besichtigt werden

Im Tübinger Schlosskeller steht ein Weinfass von 1546, das 84000 Liter fasst – aber nie dicht gehalten hat. Gestern konnte man es besichtigen.

02.01.2018
  • Fabian Renz-Gabriel

Herzog Ulrich von Württemberg ließ sich nicht lumpen. Die Ausgaben für Militär und Feierlichkeiten während seiner Herrschaft in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren enorm, die Schuldenlast hatte die arme Bevölkerung zu tragen. „Heute würde man sagen: Der hat richtig Gas gegeben“, sagt Frank Dürr vom Museum der Universität Tübingen (MUT).

Eines der Prestigeobjekte des Herzogs wurde gestern zum ersten Mal seit 24 Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht: das älteste erhaltene Riesenfass der Welt. 1546 wurde es aus 90 Eichen im Schlosskeller erbaut, rund 84000 Liter fasst es. Zweimal wurde es mit Wein gefüllt, beide Male hielt es nicht dicht.

„Dann hat man kapiert, dass es nicht funktioniert, und ließ es bleiben“, sagte Prof. Ernst Seidl, Direktor des MUT, als er gestern Nachmittag Gemeinderäte, Vertreter der Stadtverwaltung und Journalisten zum Fass führte. Es war die erste von vier Führungen an Neujahr – bis 28. Februar werden täglich weitere angeboten (siehe Kasten).

An der Führung nahm auch Oberbürgermeister Boris Palmer teil. Er informierte die Gäste gleich mal darüber, dass im Guinness-Buch der Rekorde das „Gröninger Fass“ noch als ältestes Riesenweinfass der Welt verzeichnet ist. Es wurde 1594 erbaut. Das Tübinger Fass sei aber zweifelsfrei von 1546. „Wir haben unsere Belege ans Guinness-Buch geschickt und hoffen, dass wir den Titel ‚ältestes Riesenfass der Welt‘ nach Tübingen holen können“, so Palmer.

Das größte Fass ist das Tübinger bei weitem nicht: Ins Gröninger Fass passen rund 140000 Liter, das berühmte Große Fass des Heidelberger Schlosses fasst sogar 219000 Liter – auch das hielt jedoch niemals dicht.

Dass das Fass im Schlosskeller in den letzten Jahren nicht zugänglich war, lag an den Fledermäusen, die dort leben und die nicht gestört werden sollten. Deren Zahl hat sich in den letzten Jahren jedoch stark reduziert – wegen der Rodungen rund ums Schloss, wegen zu wenig Nahrung infolge des Insektensterbens, oder wegen beidem.

Außerdem konnte auf Anregung Palmers ein anderer Zugang zum Fass freigeräumt und mit einer Treppe versehen werden, so dass die Tiere von den Besuchern weitgehend unbehelligt sind. Eine Trennwand und Lampen ohne Ultraschallemission tun ihr Übriges.

„Mittlerweile leben hier im Winter nur noch rund 20 Fledermäuse“, berichtete Ingrid Kaipf während der Führung. Für die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg sind die neuen Regelungen ein guter Kompromiss zwischen Naturschutz und kulturellem Interesse. Fassbesichtigungen sind nur tagsüber, nur im Winter und nur mit einer Gruppengröße von maximal 20 Personen möglich.

Mit der Lösung zufrieden ist auch Ernst Seidl: „Es ging ja nicht nur um Naturschutz, sondern auch um die Sicherheit, um Denkmalschutz und anderes. Das war nicht einfach, und ich bin froh, dass wir da eine Lösung gefunden haben“, sagte der MUT-Direktor.

Führungen bis Februar

Ab sofort werden bis einschließlich Mittwoch, 28. Februar, täglich weitere Führungen angeboten, jeweils um 14, 15, 16 und 17 Uhr. Eine Anmeldung ist notwendig. Karten gibt es unter Telefon 07071 / 2977579, per Mail an museum@uni-tuebingen.de (Eintritt: 3 Euro). Die Sonderführungen dauern 45 Minuten und beinhalten neben einem Gang zum Schlossfass auch die Besichtigung der Eiszeitfiguren – einem Unesco-Weltkulturerbe. Auf das Angebot aufmerksam macht das Museum der Universität Tübingen (MUT) auch mit einem Fasswagen auf dem Holzmarkt, an dem es Apfelglühwein und alkoholfreien Punsch zu kaufen gibt.

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02.01.2018, 01:00 Uhr
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