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Von Marx bis Public Health

Das Studium Generale beschäftigt sich mit Widerstand in diversen Formen

Sieben Vorlesungsreihen erörtern Themen von Marx bis zu Public Health und stellen aktuelle Forschung und Lehre der Universität vor.

04.04.2018

Von Ulla Steuernagel

Das Studium Generale erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit. Archivbild: Sommer

Ist Vertrauen angeboren oder wie entsteht es, ist es nur ein wolkiges Gefühl und Kontrolle am Ende ohnehin besser? Vertrauen ist eine Grundlage für jedes Miteinander und eine hochkomplexe Sache. „Vertrauen – ein Grundgefühl auf dem Prüfstand“ heißt eine der sieben Studium-Generale-Reihen, die im kommenden Sommersemester immer montags um 20 Uhr angeboten wird (Kupferbau-Hörsaal 21). Die Reihe beginnt am 23. April, und ihr Tag, der Montag, weist schon auf den Kopf dahinter hin: Prof. Jürgen Wertheimer, der zusammen mit dem Hirnforscher Prof. Niels Birbaumer das Buch zum Thema geschrieben hat, wird die literarisch inspirierten Vorträge halten. Wertheimers These: Wer, wenn nicht die Literatur, ist in der Lage, ein so komplexes Gefühl darzustellen? Da geht es von Shakespeares „Othello“ bis zu Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“, von missbrauchter Liebe, Urvertrauen über Gottesvertrauen bis hin zu Verrat. Die Gäste der Reihe sind außer Birbaumer auch Bernd Vilhauer vom Weltethos-Institut und Prof. Erdal Toprakyaran vom Zentrum für Islamische Theologie.

Nicht nur die Chinesen setzen ihm ein riesiges Denkmal in Trier. Auch die Tübinger Universität gratuliert ihm zu seinem 200. Geburtstag. Karl Marx wird jedoch nicht als angestaubter Old-School-Denker betrachtet, die Vorlesungen der Reihe „Marx-Lektüren“ bemühen sich um die Aktualität seines Werkes, als „Versuche, die Gegenwart zu begreifen“. Immer dienstags (ab 17. April um 18 Uhr, Hörsaal 21) laden die Professoren Hans-Jürgen Bieling, Matthias Möhring-Hesse und Markus Rieger-Ladich sozusagen zu einer erweiterten Form des Kapital-AKs. Nicht nur in „Das Kapital“ und dem „Kommunistische(n) Manifest“ wird geblättert, auch über Lumpenproletariat, Warenfetisch und Gerechtigkeit wird mit verschiedenen Gastdozenten nachgedacht.

Zwischen „Marx-Lektüren“ und „Aufstand, Aufruhr, Anarchie! Formen des Widerstands im deutschen Südwesten“ liegen in diesem Semester gerade mal 24 Stunden. Zu dieser Reihe wird immer mittwochs um 18 Uhr im Hörsaal 21 eingeladen (ab 25. April). Veranstalterin ist Prof. Sigrid Hirbodian vom Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften. Sie hat Historiker, Literaturwissenschaftler und Kulturwissenschaftler zu einer Zeitreise gebeten, die beim Investiturstreit im 11. Jahrhundert beginnt und bis zum Mössinger Generalstreik und den Studentenunruhen 1968 führt.

Und noch mal 68

Wer will, kann mittwochs einfach im Hörsaal sitzen bleiben und die nächste durchaus anverwandte Vorlesung gleich mitnehmen: „1968. Geschichte und Mythos eines Jahres“ heißt die Reihe im Anschluss. Wer von den Rebellen, die sich vor 50 Jahren der Revolution so nahe fühlten, hätte gedacht, dass es an der Universität einmal eine Vorlesungsreihe über ihre Ideen des gesellschaftlichen Aufbruchs geben würde? Im Jubiläumsjahr der Studentenbewegung laden die Professoren Jan Eckel und Georg Schild vom Seminar für Zeitgeschichte zum Nachdenken über 68 (Mittwoch, ab 25. April, 20 Uhr, HS 21) ein. Da werden nicht nur die lokalen Geschehnisse aus studentenbewegter Zeit mit einem der Mitautoren der Stadtmuseumsausstellung, Prof. Bernd Jürgen Warneken, betrachtet. Es geht auch um die Ereignisse in den USA und Westeuropa, im kommunistischen Osteuropa und in den Arme-Welt-Ländern.

In „Gesundheit in gesellschaftlicher Verantwortung: Public Health“ geht es ebenfalls um Gerechtigkeit (Dienstag, 20 Uhr, HS 21), um die Zusammenhänge zwischen Armut und Gesundheit und die Herausforderungen an die Gesundheitsversorgung. Gesellschaftlicher Wandel, Klimaveränderungen und globale Epidemien spielen dabei eine maßgebliche Rolle. Die Reihe entstand auf Anregung der Unabhängigen Patientenberatung Tübingen und wird in Kooperation mit dem Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung und dem Deutschen Institut für Ärztliche Medizin (Difäm) angeboten. Vom 17. April an lässt sich über viele Aspekte der Gesundheitsplanung und auch über Gesundheit als globale Herausforderung nachdenken.

Verschiedene Perspektiven aus der fachdidaktischen Forschung präsentiert die Tübinger School of Education mit Sibylle Meissner, Dr. Nina Beck, Prof. Thorsten Bohl. Es ist der zweite Teil der Reihe: „Lehrer*innenbildung für eine Schule der Zukunft“ (ab 18. April). Welche Konsequenzen ergeben sich aus der neuesten Forschung für die zukünftige Gestaltung der Lehramtsausbildung? Das lässt sich immer mittwochs um 18 Uhr im Hörsaal 25 erfahren.

Keilschrift und Bewässerung

Wird über den Nahen Osten gesprochen, dann sind vor allem die Konfliktherde im Zentrum der Aufmerksamkeit, dann geht es fast immer um Krieg, Flucht und Vertreibung. Doch die Region ist auch die Wiege von Hochkulturen, seit dem dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung wurden hier Erfindungen wie die Keilschrift oder ausgeklügelte Bewässerungssysteme hervorgebracht. In der Reihe „Hochkulturen in Ägypten und im Vorderen Orient: Aktuelle TübingerForschungsprojekte des IANES“ werden die Professoren Christian Leitz, Peter Pfälzner und Konrad Volk Einblicke in ihre Grabungen und Entdeckungen geben. Immer donnerstags, 20 Uhr, im Hörsaal 21 (ab 19. April) stellt das Tübinger Institut für die Kulturen des Alten Orients seine Arbeit vor. Auch die Zuhörer werden dabei interessante Entdeckungen über Ägypten, Syrien, Irak, Türkei, Iran und Oman machen können.

Jakob Textor kletterte vor 86 Jahren auf den Kamin der Mössinger Pausa-Weberei und hisste die rote Fahne. Textor ist einer der Protagonisten des Mössinger Generalstreiks, der wiederum ein Thema der Reihe über Widerstandformen im deutschen Südwesten sein wird.

Marx Engels Werke (MEW) stauben vielleicht auf Dachböden vor sich hin, aber sind sie wirklich angestaubt? „Marx-Lektüren“ nimmt sich der Frage an.

Sehr viel älter: die Funde der Tübinger Archäologen um Prof. Peter Pfälzner im Nordirak.Bild: Pfälzner

Kupferbau als Generale-Zentrale

Im Sommersemester 2018 startet wieder das Studium generale der Universität Tübingen. Sieben öffentliche Vorlesungsreihen werden kostenlos für Interessierte angeboten, Studierende können sich für den Besuch der Vorlesungen ECTS-Punkte anrechnen lassen.

Alle Veranstaltungen finden im Kupferbau der Universität, Hölderlinstraße 5, statt.

Das Programm für das Studium Generale liegt an der Universität Tübingen und in Kürze auch im Buchhandel aus. Es kann zudem unter sekretariat@hochschulkommunikation.uni-tuebingen.de oder unter Telefon 29-77851 bestellt werden. Im Internet ist es zu finden unter: www.uni-tuebingen.de/aktuelles/studium-generale.html

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Erstellt:
4. April 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
4. April 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. April 2018, 01:00 Uhr

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