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Literatur

Das Schöne, Schäbige, Schwankende

Brigitte Kronauers letztes großes Buch: Viele hinreißende Miniaturen und einige längere Erzählungen.

16.08.2019

Von DPA

Das Schöne, Schäbige, Schwankende. Klett-Cotta, 596 Seiten, 26 Euro. Foto: Klett-Cotta

Noch einmal ein präzises Wimmelbild, ein prallvolles Panorama unserer brüchigen Gegenwart: In ihrem letzten Buch „Das Schöne, Schäbige, Schwankende“ erweist sich Brigitte Kronauer, die am 22. Juli im Alter von 78 Jahren gestorben ist, erneut als meisterhafte Sprachkünstlerin und Geschichtenerzählerin, die alle Abgründe zwischen Liebe, Leid und Tod scheinbar mühelos auslotet.

Die fast 600 Seiten Prosa kommen nicht als pompöses Zeitgemälde daher. Sie erweisen sich als feinnerviges Passagenwerk, zusammengehalten von der nie nachlassenden Energie dieser Autorin, die auch die unscheinbarsten Details zum Leuchten bringt.

Die Ich-Erzählerin hat sich allein in das Haus eines Ornithologen-Ehepaars zurückgezogen und wird bald von den Vogelbildern an den Wänden bedrängt, einer „imaginären Tapete“. Die stummen Tiere erinnern sie an lebende Menschen, und dann breitet die Autorin ihren Fundus vor uns aus, weit über 30 Geschichten, alle nur um die zehn Seiten lang.

Da begegnen uns dann Ehepaare und Einzelgänger, Millionenerben und Arbeitslose, Handwerker und Opernsängerinnen, Altenpfleger und Gärtner, ein Jugendlicher in der Shopping-Mall und ein Mann im Gebirge, der um seine Frau trauert. Immer neue Individuen tauchen auf, denen die Erzählerin auf den Grund geht.

50 Cent für Zuhören

Dabei geht es oft um die Kippmomente im Leben, die prekären Augenblicke. So rekapituliert die geschiedene Ilona in einem märchenhaft dekorierten Badezimmer in St. Petersburg ihre Existenz. Oder Rosa, die bescheidene, sehr naive Krankenhausköchin, die der Erzählerin und ihrer eleganten Freundin in der S-Bahn gegenübersitzt, und den beiden Damen am Ende 50 Cent gibt, weil sie ihr so lange zugehört haben.

In der letzten langen Erzählung „Grünewald“ erweist Kronauer noch einmal dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald ihre Reverenz. Das um 1515 entstandene Kunstwerk hatte schon in Kronauers Roman „Gewäsch und Gewimmel“ (2013) als Hintergrundmotiv gedient. Jetzt treten noch einmal die von Leid gezeichneten Figuren der Kreuzigung in den Vordergrund. Der Blick des sterbenden Jesus geht zu den trauernden Frauen. Ein Sinnbild auch für diese Literatur, die sich nicht um Dogmen kümmert, sondern sich den Menschen zuwendet.

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Erstellt:
16. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 06:00 Uhr

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