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Roseck hat einen Käufer gefunden, der die Immobilie einfach nur bewohnen will

Das Schloss bei Unterjesingen wird jetzt privat

Schloss Roseck hat einen neuen Besitzer. Das „Traumobjekt“ (so die Immobilienwerbung) am Schönbuchrand oberhalb von Unterjesingen wurde von einem Privatmann erworben, der es ausschließlich für eigene Wohnzwecke nutzen will.

30.01.2014
  • Ulrike Pfeil

Unterjesingen. Kurz bevor das private Pflegeheim auf Schloss Roseck endgültig geräumt wurde (Stichtag ist der 31. Januar), meldete sich bei der Münchner Immobilienfirma Auer, Springer und Partner (ASP) ein Interessent für das Objekt, das seit dem vergangenen Frühjahr zum Verkauf stand. „Über Nacht“, sagte Bodo Graf von Hardenberg, der Spezialist für Schlösser bei ASP, dem TAGBLATT, habe der Kunde über einen Düsseldorfer Staranwalt ein Angebot und einen perfekt ausgearbeiteten Kaufvertrag präsentiert. Unmittelbar danach sei der Verkauf bei einem Tübinger Notar protokolliert worden.

Das Schloss bei Unterjesingen wird jetzt privat
Hat den Besitzer gewechselt: Schloss Roseck, links mit rotem Dach das alte Schloss, rechts das jüngere ehemalige Pflegeheim.

Selbst einem erfahrenen Immobilienmakler wie von Hardenberg, der „40 bis 50 Schlösser im Jahr“ verkauft, kommt so eine flotte Transaktion nicht oft unter. Über den Käufer von Schloss Roseck wahrt er Diskretion, ebenso über den tatsächlichen Kaufpreis, der in der Ausschreibung des Münchner Büros mit rund 6,3 Millionen Euro beziffert wurde, plus knapp sechs Prozent Maklerprovision.

Nur so viel gibt von Hardenberg preis: Es handle sich um einen noch ziemlich jungen Mann, der aus der Umgebung von Tübingen stammt und „mit Internet-Ideen“ in kurzer Zeit sehr viel Geld verdient hat. Er sei derzeit in der Zentralschweiz ansässig, wolle sich aber wieder in seiner Heimat niederlassen. Schon in den nächsten Wochen werde der neue Besitzer in Schloss Roseck einziehen.

Der Käufer, so betont von Hardenberg, wolle das historische Anwesen mit 3500 Quadratmetern Wohnfläche (ohne Nebengebäude) und einem Grundstück von mehr als 30 Hektar als „reines Privatschloss“ nutzen. Es werde dort keinerlei gastronomische oder gewerbliche Aktivitäten geben, also weder ein Hotel noch ein neues Altenheim. „Auch kein Bordell und keine Sekte“, greift der Makler in der Luft liegenden Mutmaßungen vor. Nicht einmal die Besenwirtschaft an der Schlossmauer wird es mehr geben, „schade für die Ausflügler“, findet auch von Hardenberg. Was mit dem neueren Nebengebäude passiert, in dem das Pflegeheim untergebracht war, ist nicht bekannt.

Für Schloss Roseck gab es bei ASP 135 „ernsthafte“, das heißt auf ihre Bonität geprüfte Kaufinteressenten, darunter Forschungseinrichtungen, Kliniken, Stiftungen, Bau- und Hotelträger, auch „russische und ukrainische Oligarchen“. Ein „österreichischer Großindustrieller“, der das Anwesen der bisherigen Besitzerfamilie Eggenweiler zum Betrieb weiter überlassen, das Pflegeheim vergrößern und laut von Hardenberg auch „richtig Geld investieren wollte“, hatte schon fast den Zuschlag. Wegen einer Erkrankung des Interessenten kam es jedoch nicht zur Unterschrift unter den Kaufvertrag.

Nach der Erfahrung von Hardenbergs werden Schlösser übrigens meistens nicht an Stars, ausländische Oligarchen oder Ölmagnaten verkauft. „Schlosskäufer sind generell ganz normale Menschen“, sagt der Schlösser-Makler. Die Schwierigkeiten der Erhaltung und die Auflagen des Denkmalschutzes wollten sich reine Geldanleger nicht antun. „Die laufen mit Grauen davon“, sagt von Hardenberg.

Das Kulturdenkmal Schloss Roseck, vermutlich im 12. Jahrhundert von den Tübinger Pfalzgrafen gegründet (der heutige Schlossbau ist aus dem 16. Jahrhundert), hatte schon sehr unterschiedliche Besitzer und Bewohner: einen Bankier, einen Seifenfabrikanten, Franziskanerinnen, die nach dem Krieg ein Genesungsheim bauten, „Kleine Diener Jesu“, Asylbewerber. 1993 kaufte der Sulzer Unternehmer Oskar Eggenweiler das von einem Brand stark mitgenommene Anwesen für 2,7 Millionen Euro. 2007 wurde die Immobilie zwangsversteigert; Sohn Markus Eggenweiler erwarb sie und richtete ein Pflegeheim ein, das von seiner Frau Bettina Eggenweiler betrieben wurde. Auch ein Hotel war immer wieder im Gespräch, wurde jedoch nie realisiert.

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30.01.2014, 12:00 Uhr
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