Einigung für Corrensstraße

Das Ringen um den Bebauungsplan Corrensstraße 41 und 45 hat ein Ende

Der Wohnraum in Tübingen ist knapp – Bauplätze werden gebraucht. Doch wer eine Wohnung mit schöner Sicht hat, möchte nicht zugebaut werden. Deshalb diskutierte der Planungsausschuss des Gemeinderats am Montag Änderungen am Bauentwurf Corrensstraße.

15.04.2015

Von Lorenzo Zimmer

Tübingen. Lange haben Stadtverwaltung, der Investor Hofkammer Württemberg, Gemeinderat und die beiden Bürgerinitiativen „Anwohnerinitiative Corrensstraße? (AWI) und „Bürgerinitiative Corrensstraße? (BI) um Details des Bebauungsvorschlags gerungen. Mehrere Punkte waren bis zuletzt umstritten. Im Planungssausschuss wurden nun auf Empfehlung der Stadtverwaltung einige Änderungen am Entwurf vorgenommen ? diese soll nun in den Bebauungsplan einfließen und später erneut Ausschuss und Gemeinderat zum Beschluss vorgelegt werden.

Die AWI hatte gefordert, die flachgeneigten Satteldächer der Neubauten durch Flachdächer zu ersetzen. Dadurch wären die Gebäude etwas niedriger gewesen und der Schattenwurf auf die nördlich gegenüberliegenden Gebäude Corrensstraße 40 und 44 dadurch geringer. Dazu Gebhart Höritzer von der Tübinger Liste: „Wir sind für den Bebauungsplan, wüssten aber gerne, wieso man sich nicht auf Flachdächer einigen kann, wenn sie doch die Situation für die Anwohner verbessern.? Die Verwaltung empfahl jedoch, die Satteldächer aus gestalterischen Gründen beizubehalten. Dazu Stadtplaner Tim von Winning: „Die Satteldächer passen viel besser in die Umgebung. Der Gewinn durch die Flachdächer ist zu geringfügig, um die Abweichung vom Entwurfscharakter zu rechtfertigen.?

Außerdem hatte die AWI gefordert, die neuen Gebäude weiter in den Boden abzusenken ? auch hier hauptsächlich, um den Schattenwurf zu reduzieren. Wieder rieten die Stadtplaner ab. Sie fürchteten auch hier eine Veränderung des Gebäudecharakters und erhebliche Probleme beim Bau der zugehörigen Tiefgaragen. Baubürgermeister Cord Soehlke: „Die Absenkung aller Gebäude wäre ein großer planerischer Fehler, auch wenn ich verstehen kann, dass die Anwohner immer wünschen, dass so schmal und flach wie möglich gebaut wird.?

Ein weiterer Wunsch der Bürgerinitiative AWI war, alle neuen Gebäude um ein Geschoss zu reduzieren. Eine Kompensation der verlorenen Fläche wäre nach Ansicht der Anwohner durch eine Vergrößerung der Grundfläche möglich gewesen. Dazu die Projektleiterin Gudrun Wagner: „Eine Reduzierung der Stockwerke halte ich mit Blick auf die Wohnungssituation in Tübingen für sehr unglücklich.? Auch die Kompensation durch die größere Grundfläche sei keine Option: „Das wäre dann ein völlig anderer Entwurf, der nichts mehr mit der Optik des favorisierten Entwurfs zu tun hätte.?

Alternativ zur Verkleinerung aller Gebäude schlug die Hofkammer vor, zusätzlich das Haus vier um ein Geschoss zu reduzieren. Die Entwürfe für Haus zwei und fünf waren bereits vor der Sitzung des Ausschusses um ein Stockwerk verkleinert worden. Die Stadt empfahl dem Gemeinderat diesen Vorschlag anzunehmen: „Die Verschattung der Gebäude Im Schönblick 38 sowie Im Rotbad 55 und 57 wird dadurch reduziert.?

Gemeinsam hatten AWI und BI außerdem gefordert, statt zwei geplanter Tiefgaragen eine große Tiefgarage mit Zugang vom Rotbad unterhalb des Gebäudekomplexes anzulegen. Dadurch käme es nach Ansicht der Bürgerinitiativen zu weniger Beeinträchtigung der Anwohner und des fließenden Verkehrs in der Corrensstraße. Dazu Wagner: „Die Zusammenlegung ist schwierig, weil die Verbindungsrampe eine Steigung von 21 Prozent hätte.? Folglich wäre ein weiteres Garagengeschoss notwendig geworden: „Das würde zu einem riesigen Aushub führen. Sowohl Baukosten, als auch laufende Kosten würden sich erhöhen, weil bei einer solchen Tiefe eine Belüftungsanlage nötig wäre?, so Wagner.

Die AWI forderte außerdem eine Reduzierung der Gewerbeflächen von 5,7 auf 5 Prozent und wollte den Wert fixieren. Die BI sprach sich gegen diesen Vorschlag aus. Die Verwaltung empfahl ebenfalls, die gewerblich zu nutzenden Flächen nicht auf einen Anteil von 5 Prozent festzusetzen. „Durch die Reduzierung des vierten Gebäudes um ein Stockwerk verschieben sich die Prozentwerte sowieso wieder?, so Soehlke. Nach Ansicht der Verwaltung sei es zudem besser, wenn man bei den Gewerbeflächen flexibel bleibe, um auf Wünsche potenzieller Bewerber eingehen zu können.

Den von der Verwaltung als Beschlussvorlage eingebrachten Empfehlungen stimmten alle Fraktionen des Gemeinderats zu ? mit Ausnahme der Linken, die sich ihrer Stimme enthielten. Soehlke lobte im Vorfeld der Abstimmung den „konstruktiven Weg?. Diese Meinung teilten auch die meisten Gemeinderäte: „Ich möchte auch die Bürgerinitiativen loben, die sich gut eingebracht haben. Ich finde wir haben durch diesen vorbildhaften Prozess einen sehr guten Kompromiss gefunden?, sagte Hannah Tiesler (SPD). Auch Albrecht Kühn (CDU) lobte den sorgfältigen Prozess. „Ich hoffe nur, dass die geplanten Parkplätze breit genug sind?, so Kühn. „Bei einem Quadratmeterpreis von 5000 Euro kann man von Bewohnern mit breiten Autos ausgehen. Und die wählen dann trotzdem grün.?

Neu am Entwurf ist die Reduzierung des Hauses vier (mittig links) um ein Stockwerk. Die Platanen rechts sind laut städtischem Gutachten marode und können nicht wie geplant erhalten werden.Planskizzen: Büro Ackermann+Raff

Ursprünglich mit drei separaten Tiefgaragen geplant, wurden die beiden linken Garagen zu einer Garage mit gemeinsamer Ein- und Ausfahrt zusammengelegt. Die größere Garage (rechts) bleibt separat und erhält eigene Ein- und Ausfahrten.

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Erstellt:
15. April 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. April 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. April 2015, 12:00 Uhr

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