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Hochschulwissen trifft Praxiserfahrung

Das "Reallabor Nordschwarzwald" bringt Forscher mit Machern vor Ort zusammen

Damit wissenschaftliche Erkenntnisse nicht Theorie bleiben, sondern praktischen Nutzen finden, werden im Land Reallabore eingerichtet. Eines soll der nachhaltigen Entwicklung des Nordschwarzwalds dienen.

10.01.2015
  • PETRA WALHEIM

Freiburg/Ruhestein Seit gut einem Jahr gibt es im Nordschwarzwald den ersten Nationalpark des Landes. Der Weg dorthin wurde begleitet von kontroversen Diskussionen und heftigen Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern. Die Wogen haben sich inzwischen etwas geglättet, doch die Gegner beobachten das, was sich im Nationalpark tut, äußerst kritisch. Die Landesregierung hatte versprochen, die Kommunen im Nationalpark und in dessen Umgebung eng in die Entwicklung des Naturschutzprojekts einzubinden.

Umgesetzt wird dieses Versprechen unter anderem dadurch, dass in diesem Jahr das "Reallabor Nordschwarzwald" seine Arbeit aufnimmt. Das Wissenschaftsministerium, das die Einrichtung von Reallaboren im Land von 2015 an mit sieben Millionen Euro fördert, definiert diese "als neue Form der Vernetzung und Kooperation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft".

Konkret bedeutet das, dass Wissenschaftler von Unis und Hochschulen unter anderem mit kommunalen Vertretern und Bürgern, also transdisziplinär an Projekten arbeiten. Ziel ist, wissenschaftliche Erkenntnisse zu einem praktischen Nutzen zu führen. Für den Nordschwarzwald heißt das, dass zu verschiedenen Themenschwerpunkten Konzepte erarbeitet und umgesetzt werden, mit denen vor allem die nachhaltige Entwicklung der Region sichergestellt werden soll.

"Die Konzepte werden der Bevölkerung nicht übergestülpt, sondern zur Diskussion gestellt und mit den Leuten vor Ort entwickelt", betont die Forstwissenschaftlerin Professor Barbara Koch von der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg. Dort ist das Reallabor Nordschwarzwald angesiedelt. Partner der Freiburger Forscher sind die Kollegen der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg. Außerdem werden etliche wissenschaftliche Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung am Reallabor mitarbeiten.

Noch steckt das Labor in der Vorbereitung. Es nimmt seine Arbeit mit einer Wissensmesse im April im Hotel Zuflucht an der Schwarzwaldhochstraße auf. Dazu werden Vertreter von Kommunen, Behörden, von Vereinen, Verbänden und des Tourismus eingeladen. "Dort werden wir unsere Konzepte erstmals vorstellen und mit den Betroffenen diskutieren", sagt Barbara Koch.

Zwei Fragen werden sicher sein, wie der Nationalpark den Tourismus im Nordschwarzwald verändert und wie eine nachhaltige Entwicklung gefördert werden kann. Um Antworten zu erhalten, werde Doktoranden und Masterstudierenden angeboten, ein halbes Jahr im Tourismus mitzuarbeiten, sagt Barbara Koch. Nur so könnten sie Einblicke in die Praxis bekommen.

Die Entwicklung der Schädlinge, vor allem des Borkenkäfers, wird ein weiteres Thema sein. Gerade um ihn hatten sich im Vorfeld des Nationalparks hitzige Debatten entzündet. Aber auch die Entwicklung der Infrastruktur und die Frage, wie die Besucher in den Nationalpark kommen können, ohne dass sich das Verkehrsaufkommen stark erhöht, werden eine Rolle spielen. Ebenso die soziale Vernetzung des Nationalparks in der Region.

Das Stuttgarter Wissenschaftsministerium fördert von 2015 bis 2017 das Reallabor Nordschwarzwald mit 800 000 Euro plus 160 000 Euro für Nebenkosten Arbeitsmaterial und Miete für Büroräume.

Das "Reallabor Nordschwarzwald" bringt Forscher mit Machern vor Ort zusammen
Die Wasserfälle bei Allerheiligen sind eine Attraktion des Nationalparks. Wohin sich der Tourismus entwickelt soll, ist eine Frage an das Reallabor. Foto: dpa

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10.01.2015, 12:00 Uhr
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