Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Umwelt

Das Problem sind die Menschen

Plastiktüten genießen einen schlechten Ruf. Sind die Alternativen besser? Ein Besuch im Museum der Alltagskultur in Waldenbuch.

09.11.2019

Von DOMINIK GUGGEMOS

Foto: © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Waldenbuch. Die Zustimmungswerte für Plastiktüten auf Fridays for Future-Kundgebungen dürften in etwa so hoch sein wie die für die klimawandel-leugnende AfD. Schon vor über 40 Jahren hieß es mancherorts „Jute statt Plastik“. Die Ablehnung eint jung und alt. Kein Wunder, dass die Bundesregierung beschlossen hat, die Kunststoff-Tragetaschen zu verbieten.

Aber bringt das was? Das Museum für Alltagskultur in Waldenbuch widmet der Plastiktüte eine Ausstellung. Sie zeigt, wie kunstvoll und vielfältig die Beutel sein können, wie integriert in unseren Alltag sie waren und immer noch sind. Und sie zeichnet ein differenziertes Bild, das die Umweltprobleme gnadenlos aufzeigt, aber auch die Frage stellt, wie die Alternativen aussehen.

Plastiktüten erzeugen weltweit 31 000 Tonnen COjährlich. Im Mai diesen Jahres tauchte der Amerikaner Victor Vescovo in 10 928 Meter Tiefe – und fand auch dort beim Rekordversuch eine Kunststoff-Tüte. Die Umweltbelastung ist doppelt verheerend: für Luft und Wasser.

Die große Sauerei lassen die Industrieländer andere ausbaden. Deutschland hatte 2017 eine Recyclingquote von mageren 15,6 Prozent. 2018 wurden über 100 000 Tonnen Plastikmüll nach Malaysia verschifft. Dort gibt es keine Recylingindustrie. Vietnam, Thailand und die Türkei sind weitere Abnehmer des deutschen Abfalls, nachdem China 2018 den Import stoppte.

Kein Wunder, dass von den 20 Flüssen, die das meiste Plastik ins Meer transportieren, sieben in Südostasien liegen. Aber unabhängig davon, dass verschmutzte Weltmeere und sterbende Fische kein regionales Problem sind: Deutschland spürt die Folgen ganz konkret.

Eine Untersuchung von 17 Flüssen und Seen hierzulande hat ergeben, dass rund 20 Prozent der Fische Mikroplastik im Magen-Darm-Trakt hatten. Plastikpartikel in unserer Nahrungskette bedeuten, dass sie auch in unsere Körper gelangen.

Leider sind Stoffbeutel oder Tüten aus biologisch abbaubarem Kunststoff keine sinnvollen Alternativen. Sie hinterlassen große Anteile an Mikroplastik im Boden und kompostieren sich erst nach mehreren Jahren. Ein Beutel aus Baumwolle muss mindestens 131 mal verwendet werden, um eine bessere Ökobilanz zu erreichen als die Plastiktüte.

Papiertüte ist keine Lösung

Auch die Papiertüte ist keine Lösung. Sie verbraucht in der Herstellung mehr Energie, Wasser und Chemikalien als ihr Kunststoff-Pendant. Ihre Nutzungsdauer ist aber im Schnitt genauso kurz. Zwar baut sie sich in der Natur ab, aber dort sollten Einwegtüten generell nicht landen.

Eigentlich ist die Plastiktüte aus Polyethylen nicht nur günstig, sondern auch umweltverträglich in der Herstellung. Außerdem ist sie unbegrenzt recycelbar. Das Problem ist: Es wird nicht gemacht. Sie kann mehrfach verwendet werden, wird sie aber nicht. Sollte die Regierung nicht eher dort ansetzen?

In Chile hat das Unternehmen Solubag eine Plastiktüte entwickelt, die sich innerhalb von fünf Minuten vollständig in Wasser auflöst. Solubag geht davon aus, dass sich die Technik auf andere Plastikgegenstände übertragen lässt. Vielleicht ja die Rettung für die Umwelt – und die Plastiktüte.

Foto: © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart Foto: © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Foto: © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Foto: © Hendrik Zwietasch/Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Zum Artikel

Erstellt:
9. November 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. November 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. November 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+