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Genießen im Liegen

Das Mössinger Netzwerk Streuobst lud gestern zum „Baden im Blütenmeer“

Beim „Mössinger Blütenmeer“ stand gestern alles im Zeichen des regionaltypischen Landschaftsbilds. Am Albtrauf durften sich Genießer in (zumindest imaginäre) Blüten betten.

12.05.2014

Von kathrin löffler

Mössingen. Kleopatra tat es angeblich in Eselsmilch. Dagobert Duck nachweislich in Geld. Und die Mössinger? Badeten gestern in Blüten. Das Netzwerk Streuobst hatte Wannen am Panoramaweg platziert. Mitten drin im hohen Gras der grünen, gelbfleckigen Wiesen, unter Bäumchen und blau-weißem Maifirmament. Floral gemusterte und urige Waschzuber. Dick und rückenfreundlich ausgepolstert mit schönen Stoffen von der Pausa. Jung und Alt machte es sich sonnenbebrillt drin bequem und auf Hänschen und Hans Guck-in-die-Luft in bester Manier. Teils auch mit Hund. Zweck: chillen, entspannen – und mal eine deutlich passivere Art des Umwelterlebens ausprobieren. „Wir wollten die Leute dazu anregen, sich Zeit zu nehmen und zu genießen“, sagt Sabine Mall-Eder vom Mössinger Netzwerk Streuobst.

Die Natur soll so richtig erfahren werden. Anders als sonst, beim aktiven Durchwandern. Aha-Effekt: Durch die bodennahe Beobachtung ergibt sich ein anderer Blickwinkel. Die Komposition von Himmel und Wipfeln bleibt dem gemeinen Walker oder Mountainbiker sonst verwehrt. Freilich: Die Sache mit dem Blütenmeer hat nicht so ganz hingehauen. Die Mössinger Obstbäume tragen längst ihre grüne Sommerkollektion. Das weiß-rosa Frühlingsornat ist bereits abgelegt. Den Termin für seinen Badetag musste das Netzwerk Streuobst aber bereits im vergangenen Herbst wählen: Und da war noch nicht absehbar, dass es der heurige Lenz besonders eilig hatte. Nicht schlimm: Jasmin Dietz ersetzte die abhandengekommenen gewachsenen Blüten durch ihre gemalten. Die haben zumindest ganz echte Vorbilder: Die Mössinger Künstlerin ließ sich vom Apfelbaum im eigenen Garten anleiten, der „wunderschön blühte“. In Reih? und Glied an Baumstamm um Baumstamm gelehnt wirkten die ganz trefflich.

Vormittags hatten die Netzwerk-Mitglieder die ersten rund 15 Gäste zur Streuobst-Führung am Schützenhaus begrüßt, mittags folgte eine zweite. Gernot Zug, Bundesfreiwilligendienstler, bot eine für Kinder an. Jugendarbeit genießt beim Netzwerk hohen Stellenwert: mit Ernte- oder Saftpressaktionen soll der Spaß am heimischen Wachstum und seinen Produkten geweckt werden. „Wir wollen die Kinder in die Wiesen bringen“, beschreibt Mall-Eder die Zielvorgabe.

Das Baden in natürlicher Umgebung war die erste Veranstaltung dieser Art in Mössingen – und gleichzeitig Teil einer innerstädtischen Dreierkombination: Die Radkutsche bot gestern Gelegenheit zum „Radeln im Blütenmeer“, das Brauhaus Fischer zum „Feiern im Blütenmeer“ (siehe Artikel auf der folgenden Seite). Viele Akteure sind in den Bereichen Tourismus und Naherholung tätig. Aus Sicht des Oberbürgermeisters gilt es, sie zusammenzubringen, Synergien zu nutzen und mit solchen Veranstaltungen auf die hiesige Kulturlandschaft aufmerksam zu machen. Die Mössinger Bürger sollen dafür sensibilisiert werden, welche Chancen und Potenziale sich dadurch bieten, meint Michael Bulander. Gestern Mittag ließen stürmische Winde Gräser wogen und Bäumchen rauschen, aber die Sonne blieb tapfer. Erst gegen später gab sie sich geschlagen. Davor nutzte man die Gelegenheit, die neue Ernte vom „roten Mössinger“ Birnensecco zu testen oder andere Streuobstwiesenprodukte in der flüssigen Endversion zu erstehen.

TAGBLATT-Autor Jürgen Jonas und Martin Schurr brachten das poetische und philosophische Beiwerk. Sie bezwetschigten sich vor dem Anblick des umgebenden Obstgartens, huldigten Früchtchen, Frühling und dem Geist der Wiesen. Und wussten von anderen, dem Hochprozentigen scheints gleichfalls Wohlgesonnenen zu berichten: „Auf Leute! Holet eure Eimerle! Im Stoilachtal isch ein starkes Brändle ausgebrochen“, pflege etwa das Minischterpräsidentle Kretschmann zu sagen, wenn es in Schtuegert aus dem Fenster sehe und in der Ferne einen bläulichen Schimmer erblicke.

Kunst, Kultur und Natur: Gestern durften Mössinger und ihre Gäste baden im „Mössinger Blütenmeer“. Bild: Rippmann

Stadt Mössingen und der Verein Schwäbisches Streuobstparadies wollen in der Pausa ein Hauptinfozentrum mit inklusivem Café und Regionalladen einrichten. Jetzt ist der Förderantrag gestellt und eine Machbarkeitsstudie auf dem Weg, berichtete Geschäftsführerin Maria Schropp. Das Thema sei in der Stadt angekommen, findet Oberbürgermeister Michael Bulander, ein kulinarisches Angebot fehle. So sollen die Produkte zugänglicher werden.

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Erstellt:
12. Mai 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Mai 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2014, 12:00 Uhr

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