Smartphone

Das Modell regulieren?

„You can check out any time you like, but you can never leave“ (Du kannst dich abmelden, wann immer du willst, doch niemals wirklich gehen) ist eine der ikonischsten Zeilen der Rockgeschichte.

06.09.2021

Von DOMINIK GUGGEMOS

Daddeln beschert den Anbietern Daten. Foto: Patrick Pleul/dpa

Die düstere Abhängigkeit im „Hotel California“, welche die Eagles da besingen, ist aber auch eine akkurate Metapher für den Umgang der Menschen mit ihren Smartphones. Ja, wir legen es schon mal aus der Hand, aber wir kommen zurück, auf kurz oder lang. Das ist kein Zufall. Apps wie Whatsapp, Facebook, Instagram oder Youtube sind zwar kostenlos, aber wahrlich nicht umsonst.

Das Daten-Geschäftsmodell, die Grundlage für den enormen Reichtum der Social-Media-Riesen, basiert im Kern darauf, möglichst viele Informationen über die Kunden zu sammeln und diese dann an die Werbeindustrie zu verkaufen. Je länger Menschen auf den Plattformen daddeln, desto besser die Datenlage. Und da sich viele gerne in ihrer eigenen Meinung bestätigt sehen und sich aufregen, klicken sich auch Fake News hervorragend. Die Leidtragende dieses Mechanismus ist die freiheitliche Gesellschaft, weshalb Margrethe Vestager, Vizepräsidentin der EU-Kommission und zuständig für Digitales, Alarm schlägt und die sozialen Medien als „systemisches Risiko für die Demokratie“ bezeichnet.

SPD fordert Datengesetz

Doch wie steht die deutsche Politik eigentlich zum Daten-Geschäftsmodell? Jens Zimmermann, digitalpolitischer Sprecher der SPD, sieht dringenden Regulierungsbedarf und fordert ein Datengesetz. Die Informationen sollen „für gemeinwohlorientierte digitale Dienstleistungen und Innovationen nutzbar gemacht werden und nicht nur wenigen großen Daten-Monopolisten zur Verfügung stehen“, sagt er dieser Zeitung. Die SPD wolle „eine vertrauenswürdige Daten-Teilen-Infrastruktur“ fördern. Widerspruch kommt aus der FDP. Deren Sprecher Manuel Höferlin sagt auf Nachfrage, dass es mit dem Digital Services Act (DSA) bereits Einschränkungen auf europäischer Ebene gebe. „Eine immer tiefergreifendere Regulierung von datenbasierten Geschäftsmodellen halte ich nicht für zielführend.“ Joana Cotar von der AfD sieht in den Plattformen „einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung demokratischer Gesellschaften“ – solange sie nicht der Versuchung unterlägen, das Recht auf Meinungsfreiheit einzuschränken. Dominik Guggemos

Zum Artikel

Erstellt:
6. September 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. September 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. September 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App