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Futtern fast wie bei Muttern

Das Mensatreff-Team der Scholl-Schule sorgt seit 35 Jahren für gesunde Ernährung

Ob Baguette oder Minestrone: Alles, was es im Mensatreff der Geschwister-Scholl-Schule zu essen gibt, haben Kocheltern zubereitet. Das Modell klappt seit 35 Jahren – ehrenamtlich. Ohne einen neuen Zuschuss der Stadt wäre die Arbeit aber nicht mehr zu stemmen gewesen.

11.04.2015

Von Ute Kaiser

Tübingen.Wenn „Pizza“ auf der Ankündigungstafel steht, weiß Barbara Hersacher, was auf das Kochteam zukommt – Schlangen von Essern bis an die Eingangstür der Geschwister-Scholl-Schule (GSS). Bis zu 550 Portionen, sagt die hauswirtschaftliche Mensatreff-Leiterin, werden von diesem absoluten Lieblingsessen an einem Tag verkauft. Aber auch Pfannkuchen, Spaghetti mit Tomatensoße, Schnitzel und Putengeschnetzeltes treffen den Geschmack der jungen Gäste.

Rund 40 000 Essen jährlich produzieren die Kochteams aus Müttern, Vätern und Großeltern. Sie bestehen in der Regel aus fünf bis acht Ehrenamtlichen, die teils schon morgens um 8 Uhr beginnen und, wenn sie die komplette Schicht durcharbeiten, erst gegen 14.30 Uhr fertig sind. „Es macht total Spaß“, sagt Silvia Tyrchan, obwohl sie nach dem Einsatz oft zu Hause „auf dem Sofa einschläft“. Die Pfrondorferin kocht alle 14 Tage einmal in den geraden Wochen, in den ungeraden steht sie einen Tag an der bargeldlosen Kasse.

Roswitha Stanger-Wunder gehört seit 15 Jahren dem Team an und kochte auch weiter, als ihre drei Kinder die Schule schon verlassen hatten. Sie empfindet die Arbeit als „unheimliche Bereicherung“, schwärmt von den „tollen Kontakten“ und von dem vielen, das sie gelernt hat. Sie findet es auch gut zu wissen, dass die Kinder und Jugendlichen „gesundes Essen“ bekommen.

Seit vier Jahren hat Barbara Hersacher die Regie im Mensatreff. Ihr gefällt besonders, dass in den Teams „der gesellschaftliche Stand keine Rolle spielt“. Ob Ärztin, Feuerwehrmann oder auch Olympiasieger Dieter Baumann, der ein Jahr lang mitgekocht hat: Vor den Bergen von Gemüse, die gewaschen, geputzt und geschnippelt werden müssen, sind alle gleich. Rund 60 000 Stunden bringen die Freiwilligen in ihrer Freizeit für die Küchenarbeit auf.

Der erste Ansturm auf belegte Baguettes, Bagels, Butterbrezeln, Obst und Müsli beginnt um 11.30 Uhr. Eine Viertelstunde später stehen schon die Ersten für ein warmes Essen an. Zwischen 12.30 und 12.50 Uhr warten Hungrige aufs warme Hauptgericht. Die zweite Ausgaberunde ist von 13.15 bis 13.40 Uhr.

Zwischen 70 und 150 Essen gehen meist über den Tresen. An Tagen mit Lieblingsessen und Mittagsschule sind es mehr. Dann haben die Kocheltern am Ausgabetresen keine Zeit für einen Plausch mit ihren Kunden, dann geht es Schlag auf Schlag. Auch die Gemeinschaftsschule, die eine Ganztagsschule ist, sorgt für immer mehr Nachfrage. „Die Kocheltern kommen an ihre Grenzen“, sagt Hersacher. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, neue Freiwillige zu gewinnen und einzulernen. „Ich staune jedes Jahr, dass es klappt“, sagt Schulleiterin Cornelia Theune.

Der Mensatreff ist eine Abteilung des vor 40 Jahren gegründeten Vereins der Freunde der Geschwister-Scholl-Schule. Das Management, sagt Theune, sei „eigentlich ein Vollzeitjob“, der jedoch „rein ehrenamtlich“ erledigt werde. Deshalb hat sich die Schule mit einem Hilferuf an die Stadt gewandt (siehe Kasten).

Die Gehälter für die Beschäftigten auf knapp zwei Stellen muss der Mensatreff selbst erwirtschaften. Er macht pro Jahr, sagt Hersacher, rund 150 000 Euro Umsatz. Die Leiterin stellt die Speisepläne zusammen, bestellt das Material, übernimmt Hygieneschulungen, macht die Abrechnungen und konzipiert das Catering bei Veranstaltungen. Alles, was mit dem Personal zu tun hat, regelt Alexandra Kühnle, Verwaltungsangestellte in der Geschäftsstelle des Vereins der Freunde. Sie gibt auch die Chips aus, mit denen die Mensagänger bargeldlos bezahlen können.

gsiehe auch das „Übrigens“

Silvia Tyrchan (links vorn) ist eine der Ehrenamtlichen aus dem Kochteam an der Tübinger Geschwister-Scholl-Schule. Rund 80 Eltern sorgen unter Leitung von Barbara Hersacher (links mit weißem Kopftuch) dafür, dass Schüler und Lehrer von montags bis freitags frisch zubereitetes Essen mit Zutaten überwiegend aus der Region bekommen. Bild: Metz

Die Stadt Tübingen unterstützt die Mensa auch finanziell. In diesem Jahr gibt sie dem Verein der Freunde der GSS einen Zuschuss von 29 300 Euro als Subvention für das Schulessen. Außerdem hat der Gemeinderat beschlossen, dem Verein in diesem Jahr 5000 Euro und vom kommenden Jahr an 15 000 Euro zur Finanzierung einer zusätzlichen Personalstelle für die Verwaltung zukommen zu lassen. Die Kooperation mit dem städtischen Jugendforum, sagt Schulchefin Cornelia Theune, „klappt wunderbar“. Dass die Schüler/innen in dessen Räumen essen und sich danach aufhalten dürfen, so Theune, „entspannt vieles“.

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Erstellt:
11. April 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
11. April 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. April 2015, 12:00 Uhr

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