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Das Märchen von Christo

Das Märchen von Christo

05.12.2015
  • GUNTHER HARTWIG

Der Reichstag ist nicht bloß ein Monument der deutschen Geschichte, sondern jetzt auch ein Museum zeitgenössischer Kunst. Zu verdanken hat das Parlament diesen kulturellen Mehrwert vor allem drei Personen: dem in New York lebenden Künstler Christo (80), Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (78) und dem Unternehmer Lars Windhorst (39).

Christo hatte über zwei Jahrzehnte für sein Projekt "Wrapped Reichstag" geworben und musste erst viele Widerstände in Deutschland überwinden, weil Kritiker in der Aktion entweder ein kommerziell motiviertes Spektakel oder den Anschlag auf ein Nationalsymbol witterten. Rita Süssmuth gehörte zu den treibenden Unterstützern der Reichstagsverhüllung, die bei der Entscheidung im Februar 1994 überraschend mit 292 zu 223 Stimmen siegten.

Lars Windhorst schließlich, der einstige Wunderknabe der deutschen Firmengründerszene, machte Anfang 2015 eine unbekannte Millionensumme locker, um Christos Konvolut von rund 400 Skizzen, Zeichnungen, Modellen, Fotos, Dokumenten und Originalteilen zu erwerben und die Sammlung für 20 Jahre dem Bundestag zu überlassen, wo sie nun zu bewundern ist.

Die Schau erinnert an "Berlins erstes Sommermärchen" (Bundestagspräsident Norbert Lammert) im Juni/Juli 1995, als den mit 15 600 Metern silbrig schimmerndem Kunststoff verhängten Reichstag innerhalb von zwei Wochen statt der erwarteten 500 000 mehr als fünf Millionen Menschen bestaunten - ein für 13 Millionen D-Mark Kosten vergleichsweise preiswertes Image-Vergnügen für die wiedervereinigte Hauptstadt.

Ein Christo-Gegner hatte sich völlig verrechnet - Helmut Kohl. Der damalige Kanzler hielt das Projekt für Mumpitz und wollte es mit Macht verhindern. Offiziell hat der CDU-Patriarch das von ihm bekämpfte "Machwerk" nie besichtigt - heimlich aber schon. Wie sein Medienberater Andreas Fritzenkötter verriet, hat sich Kohl bei einem Berlin-Besuch im Sommer 1995 im Dienstwagen zum Reichstag kutschieren lassen, um einen verstohlenen Blick auf den Trubel rund um das verhüllte Gebäude zu werfen. Dass jetzt ausgerechnet Lars Windhorst die Sammlung kaufte und dem Parlament ausgeliehen hat, ist eine weitere Ironie der Geschichte: Helmut Kohl war der wichtigste Förderer des inzwischen etwas schillernden Investmentmanagers aus Ostwestfalen gewesen.

Kohl warf einen

verstohlenen Blick

auf das "Machwerk"

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05.12.2015, 08:30 Uhr
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