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Das Land geht gegen die Afrikanische Schweinepest vor
Ein Einschleppen der Schweinepest könnte dramatische Folgen für Schweinebetriebe im Land haben. Foto: Lino Mirgeler/dpa
Aktionsplan wider die Seuche

Das Land geht gegen die Afrikanische Schweinepest vor

Unter anderem sollen die Jäger im Südwesten 100.000 Wildschweine töten.

10.02.2018
  • JENS SCHMITZ

Stuttgart. Es ist wenig wahrscheinlich, dass sie nicht kommt“, sagt Landwirtschaftsminister Peter Hauk über die Afrikanische Schweinepest (ASP). „Wenig heißt unter zehn Prozent.“ Weil eine Infektion des Hausschweinbestands aber verheerende Folgen hätte, will das Land nichts unversucht lassen – oder sich wenigstens Zeit erkaufen, um sich vorzubereiten. Ein Zwölf-Punkte-Plan, diese Woche vom Kabinett gebilligt, soll den Kampf strukturieren; 2018 stehen dafür bis zu drei Millionen Euro bereit. Gestern stellte der CDU-Minister seine Strategie vor. Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:

Jagd Auch Naturschützer klagen, dass es im Land zu viele Wildschweine gibt. Hauk zufolge liegt die Vermehrungsrate derzeit bei rund 300 Prozent. Je dichter die Population, desto schneller können sich auch Seuchen ausbreiten. Hauk möchte deshalb die Bejagung von derzeit 50.000 bis 70.000 Abschüssen pro Jahr auf 80.000 bis 100.000 steigern. Das Land will 2018 die Schonzeit in den Monaten März und April aussetzen und Anlockfütterungen (Kirrungen) für den gleichen Zeitraum erlauben. Alters- und Gewichtsbeschränkungen werden aufgehoben. Drückjagden, revierübergreifende Bejagung und Einsätze in Naturschutzgebieten sollen erleichtert werden. Befristet will die Jagdbehörde außerdem ausgesuchte Jäger beauftragen, auch künstliche Lichtquellen und Nachtzieltechnik einzusetzen; dauerhaft wäre eine Änderung des Waffengesetzes durch den Bund nötig. Revierinhaber sollen Investitionshilfen und Beratungsangebote erhalten.

Überwachung Um der Seuche im Ernstfall so schnell wie möglich begegnen zu können, sollen die Wild- und Hausschweinpopulationen laufend getestet werden. Unter anderem erhalten Jäger Sets zur Blutentnahme bei toten Tieren. Die Proben werden in Untersuchungsämtern des Landes analysiert.

Vorbereitung auf den Ernstfall Hauk zufolge organisieren die Veterinärbehörden bereits verwaltungsinterne Trainings. Im Herbst soll in den Regierungsbezirken Freiburg und Tübingen eine große Tierseuchenübung stattfinden, an der auch mobile Gefahren-, Vergasungs- und Entsorgungszüge, Einheiten von Katastrophenschutz oder das Technische Hilfswerk beteiligt sind. An drei Problempunkten im Staatswald wird außerdem die Verwendung sogenannter Saufänge erprobt. Es handelt sich dabei um Lebendfallen, in denen die Schwarzkittel in einer Art Holzbox festsitzen, bis ein Jäger kommt, um sie zu töten. Die Methode ist selbst unter Jägern stark umstritten, da die Tiere lange in Panik eingepfercht sind. Zu diesen Pilotprojekten soll die Landesbeauftragte für Tierschutz hinzugezogen werden.

Landwirtschaft Um einen Eintrag des Virus in die Hausschweinpopulation zu verhindern, sind Bauern und Wirtschaftsverbände gehalten, auf „Biosicherheit“ zu achten: Zäune und Desinfektionseinrichtungen können über das Agrarinvestitionsförderprogramm bezuschusst werden. An Wald-Feld-Grenzen und innerhalb landwirtschaftlicher Nutzflächen können Schussschneisen die Bejagung erleichtern.

Aufklärung Das höchste Einschleppungsrisiko nach Baden-Württemberg sehen Experten beim Menschen: Landwirte, Viehhändler, aber auch Saisonarbeiter, Lkw-Fahrer oder Reisende könnten infizierte Tiere und Fleisch hunderte Kilometer weit transportieren. Dazu genügt schon ein achtlos weggeworfenes Wurstbrot an einem Rastplatz. Auf Plakaten, Flyern und im Internet will die Landesregierung deshalb über die Gefahren informieren. Gleichzeitig sollen im Bereich von Rastanlagen Wildschutzzäune kontrolliert und Müllbehälter häufiger geleert werden.

Fleischverkauf Die vielen Schwarzkittel, die die geplante Intensivjagd zur Strecke bringen soll, sind voraussichtlich kerngesund – und viel zu schade zum Entsorgen. Das Ministerium plant deshalb ein „Investitionsprogramm Vermarktungsunterstützung“ für Wildbret.

Impf- oder Heilmittel gibt es nicht

„Es ist keine Tierseuche, die für den Menschen eine gesundheitliche Auswirkung hat“, erklärte gestern Thomas Stegmanns, Leiter des Veterinäramts Stuttgart. Sie betreffe nur Schweine. Gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) gebe es weder vorbeugende Impfungen noch Heilmittel. Springt sie auf Hausschweine über, müssen neben den betroffenen Landwirten ganze Regionen und Staaten mit Handelsrestriktionen und massiven Absatzeinbußen rechnen. Es sind Fälle aus dem Baltikum, Ost-Polen und dem Osten der Tschechischen Republik bekannt.⇥jsz

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10.02.2018, 06:00 Uhr
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