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Das LTT stellt Hermann Hesses „Demian“ auf die Theaterbühne
Dominik Günther. Bild: LTT
Der Weg zu sich selbst

Das LTT stellt Hermann Hesses „Demian“ auf die Theaterbühne

Am morgigen Freitag kommt im LTT die Hermann Hesses Erzählung „Demian“ auf die Bühne : Chefdramaturg Stefan Schnabel und Regisseur Dominik Günther sagen, warum.

17.02.2016
  • ST

Stefan Schnabel: Hesse spielt mit seinen Büchern eine große Rolle bei vielen jugendlichen Lesern. Haben Sie als Jugendlicher auch Hesse verschlungen?

Dominik Günther: Ja, das war so. Ich war 14, seine Werke standen im Bücherregal meiner Eltern. Der Einstieg war der „Steppenwolf“ – was auch mit einer Band gleichen Namens zu tun hatte, deren Musik mir gefallen hat. Vor allem das Thema der Suche nach sich selbst hat mich damals fasziniert. Das spiegelte sich auch in ganz alltäglichen Situationen wider, wie in der Reibung mit der Institution Schule und der Frage, wie man sein Leben außerhalb dieses festen Rahmens gestalten möchte.

Was hat Sie besonders an „Demian“ interessiert?

In den Proben-Gesprächen mit den Schauspielern haben wir festgestellt, dass sich die Sinnsuche in der Pubertät seit Hesse nicht groß verändert hat. Wir haben uns dann aber nicht nur auf diese Pubertätsgeschichte konzentriert, sondern auch auf gesellschaftliche Mechanismen. Im Text wird oft beschrieben, dass der Mensch einen Hang zu Sicherheit und Herdenbildung hat. Hesse lässt seine Hauptfigur Sinclair darum sogar mit Begeisterung in den Ersten Weltkrieg ziehen – in der Erwartung, eine überlebte, tote Ordnung könne dadurch radikal erneuert werden. Wenn ich die aktuellen Strömungen in Europa betrachte, muss ich leider sagen, dass ich so etwas auch gerade heute deutlich spüre. Da wird mir schon ein wenig mulmig.

Welche Gründe für diese Kriegsbegeisterung beschreibt „Demian“?

„Diese Welt wie sie jetzt ist muss sterben – und sie wird es.“ Damit behauptet Sinclairs Alter Ego Max Demian: Wer neu geboren werden will, muss seine alte Welt zerstören. Er löst damit etwas aus, das Emil Sinclair wie in einem kollektivem Rausch in den Krieg ziehen lässt, um eine vermeintlich bessere Welt zu schaffen.

Welches Verhältnis hat Sinclair zu Demian?

Sinclair spürt ständig eine innere Zerrissenheit: Einerseits genießt er es, in der „heilen Welt“ seines Elternhauses sicher und geborgen auf dem richtigen Weg zu sein. Andererseits zieht ihn die „dunkle Welt“ des Verbrechens oder der sexuellen Freizügigkeit magisch an. Demian lehrt Sinclair, diese zwei Welten nicht trennen, sondern zu vereinigen und beides zu leben. Damit zeigt er Sinclair in seiner Sinnsuche einen neuen Weg.

Worin besteht die Aktualität von „Demian“?

Die Suche nach Sinn hört im Grunde für jeden von uns nie auf. Jeder strebt nach Selbstverwirklichung und Halt. Je sinnloser man sein Leben und die Gesellschaft empfindet, desto extremere Formen kann diese Suche annehmen. Das eröffnet den Raum für ideologische Verführer. Damit meine ich zum Beispiel den aktuellen Zulauf zu rechten und ausländerfeindlichen Bewegungen in Europa. Aber auch die Entwicklung, dass immer mehr Jugendliche in den Heiligen Krieg an der Seite des sogenannten Islamischen Staates ziehen, um als Selbstmordattentäter eine neue Weltordnung zu erschaffen.

Wie wird diese Geschichte im Theater erzählt?

Unsere Fassung beginnt mit dem Ende des Romans: Sinclair liegt verwundet in einem Kriegslazarett. Dort beginnt er, die Geschichte seiner Jugend zu erzählen. Er versucht zu verstehen, warum ihn sein Lebensweg nicht zu sich selbst, sondern in den Krieg geführt hat. Sinclair ist Autor und Regisseur dieser szenischen Erinnerung und durchlebt die einzelnen Stationen seiner Sinnsuche noch einmal neu.

In welchem Raum spielt die Inszenierung?

Für den Grundriss der Bühne hat sich die Ausstatterin Sandra Fox vom Tübinger Hesse-Kabinett anregen lassen. Es ist eine drehbare, kastenförmige Stangenkonstruktion, die für alle Lebensabschnitte Sinclairs wie Elternhaus, Kirche, Kneipe oder Lazarett stehen kann. Durch sie kann sein Leben im Schleudergang an ihm vorbei und durch ihn hindurch ziehen. Unterstützt wird dieser Trip durch eine besondere Licht- und Musikdramaturgie. Für letzteres ist Dominik Dittrich zuständig, der schon die Musik zum „Palmer“-Stück komponierte.

Hat das Theater in Ihrem Leben bei der Sinnsuche eine Rolle gespielt?

Nicht unmittelbar. Aber ich lasse mich als Zuschauer gerne in unbekannte Welten hineinziehen, die in mir wirken können. Deshalb will ich auch mit meiner Theaterarbeit nicht belehren, sondern die Zuschauer emotional anregen.

Info Premiere am Freitag, 19. Februar, 20 Uhr, LTT-Saal. Nächste Vorstellungen am 20., 25. und 26. Februar.

Worum geht’s in „Demian“?

Emil Sinclair ist auf der Suche nach sich selbst. Er erlebt seine Jugend als eine alptraumhafte Zeit, bis Demian in sein Leben tritt, dem Emils Seele ein offenes Buch zu sein scheint. Demian beschreibt Emils Nöte, sein brennendes Interesse an existentiellen Fragen, aber auch die Entdeckung der Sexualität, als ginge es um ihn selbst. Dabei öffnet er Sinclair immer wieder neue Möglichkeiten im Umgang mit der eigenen Zerrissenheit.

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17.02.2016, 19:24 Uhr
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