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In Frankreich gerät der Präsidentschafts-Wahlkampf in Gang – Sarkozy wirft Hut in den Ring

Das Karussell dreht sich schneller

Acht Monate vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich kommen links wie rechts Kandidaten aus der Deckung. Auch Ex-Präsident Sarkozy will antreten.

24.08.2016
  • PETER HEUSCH

Von feierlich über pompös bis dramatisch: Kaum ein französischer Politiker beherrscht das Register der Selbstinszenierung so gut wie Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Umso mehr hat der 61-Jährige Freund wie Feind mit der Schnörkellosigkeit überrumpelt, die er dem Start seiner Operation „Rückeroberung Elysée-Palast“ angedeihen ließ. „Ich habe mich entschlossen, als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2017 anzutreten. Ich spüre, dass ich die Kraft habe, diesen Kampf in einem so schwierigen Moment unserer Geschichte zu führen“, teilte der Neogaullist über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Dass „Sarko“ es noch einmal wissen will, pfeifen die Spatzen schon lange von den Dächern. Von einer Überraschung kann also keine Rede sein. Aber nun, wo die Katze endlich aus dem Sack ist, dürfte der Chef der bürgerlichen Republikaner-Partei für jede Menge Wirbel sorgen. Wahlkampf kann er, Trommeln erst recht. So war der Twitter-Nachricht ein Foto des Umschlags seines neuen Buches beigefügt, dessen Niederschrift, Inhalt, und Druck bis zuletzt geheimgehalten wurde. „Tout pour la France“ (Alles für Frankreich) lautet der Titel des Werks, das heute in die Buchläden kommt.

Danach soll es Schlag auf Schlag gehen. Erst einmal muss Sarkozy jetzt seine Kandidatur für die Vorwahlen bei den Konservativen anmelden, die Frist hierfür läuft morgen ab. Außerdem schreiben die internen Regeln der Republikaner vor, dass der Parteichef nicht zugleich Spitzenkandidat sein darf. Im allerletzten Augenblick, also Übermorgen, wird Sarkozy daher als Oppositionsführer zurücktreten. Und danach? „Sarko auf allen Kanälen natürlich“ umreißt sein engster Vertrauter Brice Hortefeux lächelnd die Strategie des „Kandidaten für die Kandidatur“, der bereits morgen Abend den ersten großen Wahlkampfauftritt absolvieren wird.

Sarkozy setze voll auf Sieg und platze vor Zuversicht, heißt es aus seinem Umfeld. Wobei erst einmal ein Sieg bei den Vorwahlen seiner eigenen Partei Ende November den Weg öffnen muss für einen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen im April (erster Wahlgang) und Mai (Stichwahl) des kommenden Jahres.

Aber nicht nur Sarkozys Aussichten auf die Republikaner-Spitzenkandidatur sind gut. Dem nach einer Serie blutiger Terroranschläge verunsicherten Frankreich verspricht er eine knallharte Sicherheitspolitik, die er, der sich unter Chirac als kompromissloser Law-and-Order-Innenminister einen Namen machte, in der Tat glaubhaft verkörpern kann.

Zwar muss er sich noch mit einem guten Dutzend parteiinterner Rivalen auseinandersetzen, zu denen sein ehemaliger Premier François Fillon (62) oder Ex-Minister Bruno Le Maire (47) zählen. Doch sein größter Konkurrent heißt Alain Juppé. Der 71-jährige Bürgermeister von Bordeaux, der zahlreiche wichtige Regierungsämter innehatte und unter Präsident Jacques Chirac Regierungschef war, liegt in allen Umfragen konstant vorne. Allerdings wurde sein Vorsprung auf Sarkozy zuletzt immer kleiner, obwohl dieser noch gar nicht in den Wettstreit eingetreten war.

Auch im linken Lager kommen acht Monate vor der Präsidentschaftswahl die letzten Anwärter aus der Deckung. Am Sonntag kündigte der vor zwei Jahren von Präsident François Hollande gefeuerte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg (53) seine Kandidatur an und kritisierte den Regierungskurs aufs schärfste. Der europaskeptische und germanophobe Sozialist scheute sich nicht, Hollandes Politik als gescheitert und seine Bilanz als „nicht vertretbar“ zu bezeichnen.

Dem linken Flügel der sozialistischen Partei, der bereits seit dem Frühjahr offen gegen Hollande revoltiert, spricht er damit aus dem Herzen. Auch der ehemalige Erziehungsminister Benoit Hanon (49), der vor acht Tagen seine Kandidatur erklärte, gehört der Riege dieser Rebellen an. Beide wollen bei den Vorwahlen der Partei im Januar unbedingt verhindern, dass Hollande sich um eine zweite Amtszeit bewirbt.

Hollande hat diesen Vorwahlen zugestimmt – ein Novum für einen amtierenden Staatspräsidenten, der in Frankreich traditionell als „natürlicher“ Kandidat seiner Partei für eine Wiederwahl angesehen wird. Freilich gilt sein Sieg bei diesen Vorwahlen als gewiss – falls er antreten sollte. Denn Hollande, der laut aktuellen Umfragen keine Chancen hat, den Sprung in die Stichwahl zu schaffen, will seine Entscheidung erst im Dezember fällen.

Für die schlechten Aussichten des beispiellos unpopulären Amtsinhabers Hollande sind nicht allein die Widerstände gegen seine zaghaften Wirtschaftsreformen oder die Zerrissenheit der Sozialisten verantwortlich. Als fatal für ihn drohen sich vor allem die Gegenkandidaturen aus dem linken Lager zu erweisen. Sowohl die Linksfront, für die der derzeit in Umfragen nur wenige Punkte hinter Hollande liegende Volkstribun Jean-Luc Mélanchon (65) in die Schlacht zieht, als auch die Grünen, die in den kommende Wochen wohl die Ex-Wohnungsbauministerin Cecile Duflot (41) aufs Schild heben werden, sind entschlossen, eigene Wege zu gehen.

Dem konservativen Kandidaten, ob Sarkozy oder Juppé, öffnet diese Zersplitterung der Linken einen Boulevard, der geradewegs in die Stichwahl führt. Dort wird er aller Wahrscheinlichkeit nach auf Marine Le Pen (48) treffen. Von der Chefin des rechtsextremen Front National ist in diesen Wochen zwar kein Wort zu hören. Aber Le Pen, die ihre Präsidentschaftskandidatur schon vor zwei Jahren angekündigt hat, kann sich die vornehme Zurückhaltung leisten. Schließlich liegt sie seit Monaten in allen Umfragen vorne.

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24.08.2016, 06:00 Uhr
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