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„Das Kapital“ von Karl Marx wird 150
Vor 150 Jahren erschienen und noch immer beliebt: „Das Kapital“ von Karl Marx. Foto: Jan Woitas
Kapitalismuskritik

„Das Kapital“ von Karl Marx wird 150

Nach zehn Jahren wurde das Buch 1867 fertig. Heute erleben das Werk und sein Autor eine Renaissance.

16.09.2017
  • DPA

Berlin. Zehn Jahre dauerte es, 1867 aber war es so weit: Karl Marx' „Das Kapital“ war fertig – zumindest der erste Band. Am 14. September 1867 erschien es im Hamburger Meissner-Verlag – und nichts passierte. Marx war enttäuscht. Er hatte fest daran geglaubt, mit dem „Saubuch“ berühmt zu werden. Was die finanziellen Erträge betraf, hatte er sich dagegen nie Illusionen gemacht: „,Das Kapital' wird mir nicht einmal so viel einbringen, als mich die Zigarren gekostet, die ich beim Schreiben geraucht.“

Den Durchbruch hat der 1883 gestorbene Marx nicht mehr erlebt. Band 2 und 3 des „Kapitals“ wurden erst nach seinem Tod von seinem Wegbegleiter Friedrich Engels herausgegeben. Heute, 150 Jahre später, lässt sich sagen, dass es nach der Bibel nur wenige Bücher gab, die die Weltgeschichte derart beeinflusst haben. Lenin, Stalin, Mao, Che Guevara und Fidel Castro – sie alle beriefen sich darauf. Marx war ihr Guru, „Das Kapital“ ihre Heilige Schrift.

Wie hoch die Gesamtauflage ist, weiß niemand. Berühmt waren etwa die blauen Ausgaben zu DDR-Zeiten. Im Westen versuchten die 68er in „Kapital“-Schulungen, sich Marx' Offenbarungen zu erschließen. Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch des Ostblocks hielt man Marx zunächst für erledigt. Aber spätestens mit dem drohenden Banken-Kollaps 2008 erlebte er eine Renaissance. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise war „Das Kapital“ sogar vergriffen.

Marx‘ provokanteste These ist, dass der Kapitalismus früher oder später an sich selbst zugrunde geht. Seine Argumentation geht etwa so: Die Unternehmer befinden sich in einem fortwährenden, mörderischen Konkurrenzkampf. Mit der Zeit gehen mehr und mehr Wettbewerber pleite, übrig bleiben wenige, aber riesengroße Konzerne. Gleichzeitig wächst das Heer der schlecht bezahlten oder arbeitslosen Proletarier. Als Krisentheoretiker und Kritiker des freien Marktes ist Marx wieder gefragt. Der heutige Labour-Chef Jeremy Corbyn würdigt ihn als „großen Ökonomen“ – ein solches Bekenntnis wäre in England früher politischer Selbstmord gewesen. dpa

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16.09.2017, 06:00 Uhr
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